Saturday, 23. July 2016
18.06.2013
 
 

Ferien für Körper, Seele und Geist: wie Meditation das Gehirn verändert

Brigitte Hamann

Er ist Jahrtausende alt und jeder Mensch hat ihn schon erlebt: den Zustand entspannter Versunkenheit, der in der spirituellen Praxis »Meditation« genannt wird. Meditation hat viele Gesichter, von denen das Sitzen mit überkreuzten Beinen nur eines ist. Nicht nur Meditation mit religiösem Hintergrund verändert das Gehirn und damit das Leben, auch das meditative Verrichten alltäglicher Arbeiten wirkt sich positiv aus. Immer mehr Studien belegen, dass Meditation heilt und die geistigen, seelischen und körperlichen Kräfte stärkt.

 

Wie Meditation das Gehirn verändert

Der Neurologe und Religionswissenschaftler Andrew Newberg erforscht seit vielen Jahren die Zusammenhänge zwischen Spiritualität und Neurowissenschaften. Mit seinen Untersuchungen zur Gehirnaktivität während religiöser oder mystischer Erfahrungen begründete er die »Neurotheologie«. Die Ergebnisse zeigen, dass die Lebenserwartung und der

Gesundheitszustand eines Menschen bereits durch ein Minimum an religiöser Einstellung und Praxis verbessert werden. »Wer lange genug über Gott nachdenkt, löst überraschende Entwicklungen im Gehirn aus – neuronale Funktionen beginnen sich zu verändern. Bestimmte Neuralkreise werden aktiviert, andere deaktiviert. An und zwischen den Nerven werden neue Fortsätze (Dendriten) und Kontaktstellen (Synapsen) gebildet und das Gehirn wird feinfühliger für subtile Bereiche der Erfahrung«, schreibt Andrew Newberg in dem Buch Der Fingerabdruck Gottes.i

 

»Gleichzeitig beginnt ein Wahrnehmungs- und Glaubenswandel, und Gott wird zur neurologischen Realität für alle, die an ihn glauben. Für manche Menschen ändert sich womöglich nichts und Gott bleibt eine primitive Vorstellung, die genauso begrenzt ist wie das Weltbild eines kleinen Kindes. Für die meisten wird Gott jedoch zum Symbol beziehungsweise zur Metapher für eine Vielfalt von persönlichen, moralischen, sozialen und universalen Werten.«

Spirituelle Praktiken fördern die Gesundheit

Viele spirituelle Praktiken, so Andrew Newberg und sein Koautor Mark Robert Waldman, sind für das Gehirn grundsätzlich gesundheitsfördernd. Dabei ist nicht ausschlaggebend, ob Sie an Gott glauben oder nicht. Die Forschungsergebnisse belegen, dass diese Praktiken auch dann funktionieren, wenn Sie nicht an Gott glauben.

 

Denn Spiritualität beinhaltet die Suche nach Lebenssinn, Wahrheit und persönlichen Werten – Kräfte, die den Menschen seelisch stärken. Meditation, intensive Gebete und andere religiöse Rituale fördern die Funktion bestimmter Bereiche im Gehirn, die Angst und Depression mindern, das soziale Bewusstsein und die Einfühlsamkeit steigern und die kognitiven und intellektuellen Funktionen verbessern. »Die Neuralkreisläufe, die durch die Meditation aktiviert werden, schützen Sie vor vielen gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Alterungsprozesses und des Stresses und lassen Sie Ihre Emotionen besser kontrollieren. Zumindest helfen Ihnen derartige Übungen dabei, ruhig, gelassen, friedlich und wachsam zu bleiben, und sie verleihen fast allen, die sie ausführen, eine positive und optimistische Lebenseinstellung.«ii Gute Gefühle und eine zuversichtliche Haltung machen nicht nur das Leben leichter. Sie tragen einen wichtigen Teil zu Heilungsprozessen bei.

 

Wie weitere Untersuchungen ergaben, sind Meditationen, Gebet und eine spirituelle Einstellung zwar ausgezeichnete Möglichkeiten, um die Gehirntätigkeit und damit die Gesundheit zu fördern, doch die Forscher fanden noch sieben weitere Methoden, die Gesunde wie Kranke in ihr Leben aufnehmen sollten. Aus diesen Erkenntnissen entwickelten Andrew Newberg und seine Kollegen ein Trainingsprogramm für das Gehirn, das aus sieben Bausteinen besteht. Die sieben Trainingsmethoden sind: Lächeln, geistig fit bleiben, bewusst entspannen, gähnen, meditieren, Aerobic (Bewegung), Gespräche mit anderen, und als beste Methode: Glaube. Für den Fall, dass Sie der Ansicht sind, diese Methoden seien banal oder »alte Hüte«, möchte ich Sie einladen, sich nochmals mit ihnen zu befassen. Für den Erfolg jeder Methode, jeder Therapie und jedes Weges ist Ausdauer entscheidend, über Hürden, Fehlschläge und Frustrationen hinweg, und die Bereitschaft, in die Tiefe zu gehen. Nicht das Werkzeug an sich ist ausschlaggebend, sondern die Art, wie man damit umgeht. Mehr als das Medikament, die Therapie oder der Übungsweg, den Sie einschlagen, zählt die Art und Weise, wie Sie damit umgehen.

 

Meditation heilt, reduziert Stress und beeinflusst das Gehirn positiv, unabhängig davon, ob sie mit einem religiösen Hintergrund durchgeführt wird oder als reine innere Einkehr und Konzentration auf körperliche und geistige Vorgänge. Meditierende werden sich ihrer Umgebung auf neue und beruhigende Weise gewahr, sie entspannen, atmen tiefer, und der Geist kommt zur Ruhe. Eine Studie des Center for Mindfulness an der Universität von Massachusetts ergab, dass Meditation nicht nur inneren Frieden und körperliche Entspannung bewirkt, sondern auch nachhaltige kognitive und psychologische Vorteile. Mithilfe des Neuroimaging, einer Methode, mit der die Vorgänge im Gehirn abgebildet werden können, zeigten sich nach ein paar Monaten messbare Veränderungen in den Regionen, die für das Gedächtnis, die Selbstwahrnehmung, Mitgefühl und Stress zuständig sind.

 

Schon zehn bis 15 Minuten täglich genügen

Das Wort »Meditation« ist vom lateinischen »meditatio« (als Verb: »meditari«) abgeleitet und bedeutet »nachdenken, nachsinnen über etwas« und hat eine Wortverwandtschaft zu »mederi«, »abhelfen, heilen«. Meditative Praktiken wurden nicht nur in fernöstlichen Religionen ausgeübt. Sie sind ebenso Teil des Christentums. Als »geistliche Übungen« sollen sie den Geist dabei unterstützen, sich zu sammeln. Was einst nur Gläubige oder esoterisch Ausgerichtete praktizierten, ist heute ein fester Bestandteil vieler gesundheitlicher Ansätze, vor allem zur Stressreduzierung. Nachgewiesen wurde, dass im meditativen Zustand Stress reduzierende Hormone, weitere biochemische Botenstoffe und Neurotransmitter wie Dopamin und Serotonin, die Depressionen mindern und die Lust steigern, im Körper ausgeschüttet werden. »Selbst eine zehn- bis 15-minütige Meditation scheint äußerst positive Auswirkungen auf die Kognition, die Entspannung und auf die geistige Gesundheit zu haben, und sie reduziert nachweislich das Rauchen sowie übermäßiges Trinken«, erklären Andrew Newberg und Mark Robert Waldman.iii Durch tägliche Meditation wird hoher Blutdruck reguliert, das Immunsystem gestärkt und das Energieniveau insgesamt erhöht. Die Aktivität des Sympathikus wird zurückgefahren, wodurch sich Anspannung und Stresssymptome beruhigen. Die »Batterien« werden wieder aufgeladen und chronische Müdigkeit und Erschöpfungszustände bessern sich. Darüber hinaus können Meditierende sich besser konzentrieren und ihre Emotionen kontrollieren.

 

Ausgeglichenheit, Autonomie und positive Gefühle

Jogging, Kraftsport, Heimtrainer sind Methoden, um kräftigere Muskeln zu bekommen. Mehr Training und mehr Masse – das geht auch im Gehirn. Forscher der University of California, Los Angeles (UCLA) scannten 2009 die Gehirne von langfristig Meditierenden und die einer Kontrollgruppe von Personen, die nicht meditierten, mithilfe der Magnetresonanz-Tomografie (MRI), die genaue Bilder des Gehirns liefert. Es zeigte sich, dass bei den Meditierenden die Bereiche im Gehirn vergrößert waren und mehr graue Substanz enthielten, die für die Regulierung der Emotionen zuständig sind. »Wir wissen, dass Personen, die dauerhaft meditieren, eine einzigartige Befähigung darin haben, positive Gefühle zu kultivieren, emotionale Stabilität aufrecht zu erhalten und sich überlegt zu verhalten«, erklärte Studienleiterin Eileen Luders. »Die beobachteten Unterschiede in der Gehirnanatomie können uns einen Hinweis darauf geben, warum Meditierende diese außergewöhnliche Fähigkeit besitzen.«iv

 

Graue Substanz fördert die Fähigkeit, über das eigene Denken und die eigenen Entscheidungen nachzudenken. Menschen, die dies gut können, haben mehr davon im Gehirn. Sie können effektiv beurteilen, wie wahrscheinlich es ist, dass sie richtig liegen, und geben erst eine Antwort, wenn sie sich ihrer Entscheidung ganz sicher sind. Wenn Sie unsicher sind, fragen sie jemanden, der sie unterstützen kann. Das Maß, in dem ein Mensch in der Lage ist, über sich nachzudenken, ist entscheidend für Bewusstheit. Wer besser über seine Erkrankung reflektieren kann, bietet sowohl sich selbst als auch den Medizinern mehr Möglichkeiten einer Behandlung. »Wenn wir die Introspektion auf der neurologischen Basis verstehen, dann können wir die Behandlungen für diese Patienten anpassen«, erklärt Stephen Fleming vom University College London.v

 

Vielleicht zählen Sie zu den Menschen, denen es schwer fällt, zur Ruhe zu kommen und sich nach innen zu wenden. Oft steht das Empfinden dahinter, mit Gefühlen konfrontiert zu werden, denen man lieber ausweichen möchte. Zu ihnen zählen nicht nur Kummer und Wut, sondern auch die erst in der Ruhe auftauchende Erfahrung, wie erschöpft man wirklich ist. Grundsätzlich gilt: Je erschöpfter und angestrengter Sie sind, desto mehr können Sie von meditativen Praktiken profitieren, auch wenn es anfangs schwer fallen sollte. Für jeden gibt es eine Form der Meditation, die den Einstieg leichter macht. Still auf einem Kissen auf dem Boden mit gekreuzten Beinen sitzen ist nur eine von vielen unterschiedlichen Formen der Meditation. Sie können im Gehen, Sitzen, Liegen, mit dem Atem, einem Mantra, einem Bild, im Tanzen, mit Klängen, Musik und Rezitation meditieren, in der Bewegung wie beim Tai Chi, Chi Gong und Yoga, oder in Form einer Achtsamkeits- oder Konzentrationsmeditation. Wichtig ist: Täglich kurz zu üben ist weitaus effektiver als gelegentlich lange Zeit. Wie vieles andere auch muss Meditation geübt werden, und wie bei anderem auch, ist es wichtig, sich erreichbare Ziele zu setzen. Wenn Sie »Erleuchtung in einem Tag« oder Heilung in einem Tag erhoffen, werden Sie enttäuscht sein, ebenso wenn Sie davon ausgehen, es sei ganz einfach, den Strom der Gedanken anzuhalten und in die völlige Ruhe einzutauchen.

 

Eine ausgezeichnete und lebensnahe Möglichkeit, Meditation in das tägliche Leben zu integrieren, bieten die drei CDs Meditationen um das Gehirn zu verändern. Die erste CD enthält eine leicht verständliche Einführung in die auch für den Laien wissenswerten Vorgänge im Gehirn. Sie hilft, zu verstehen, was sich im Gehirn ereignet, wenn wir meditieren, und wie wir die positiven Vorgänge unterstützen können. Danach folgen sieben geführte Meditationen, mit denen wir unser Gehirn und damit unser Leben verändern können.

 

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch: Wie Sie Ihre Selbstheilungskräfte aktivieren. Das Geheimnis von Gesundheit, Vitalität und Glück.


Fußnoten:

 

i Andrew Newberg; Mark Robert Waldman: Der Fingerabdruck Gottes. Wie religiöse und spirituelle Erfahrungen unser Gehirn verändern, München 2010, S. 11

ii Andrew Newberg; Mark Robert Waldman: Der Fingerabdruck Gottes. Wie religiöse und spirituelle Erfahrungen unser Gehirn verändern, München 2010, S. 201 ff

iii Andrew Newberg; Mark Robert Waldman: Der Fingerabdruck Gottes. Wie religiöse und spirituelle Erfahrungen unser Gehirn verändern, München 2010, S. 217

iv In: »Meditation vergrößert Emotionszentren im Gehirn. Studie weist mehr Graue Substanz bei regelmäßig Meditierenden nach«, www.scinexx.de/

v In: »Graue Substanz im Gehirn verrät Nachdenklichkeit«, www.wissenschaft-aktuell.de

 

 

 


 

 

 

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