Friday, 30. September 2016
22.11.2015
 
 

Was hat die Flüchtlingskrise mit dem Religionsunterricht zu tun?

Georg Braun

»Die Anschläge von Paris sind doch gar nicht so schlimm«, meinte eine muslimische Schülerin eines Gymnasiums im Landkreis Konstanz dieser Tage im Ethik-Unterricht. Keine oder kaum eine verbale Gegenwehr traute sich an die Gesprächsoberfläche. Aus lauter Angst vor angeblicher Xenophobie, wenn man sich gegen Ausländer im Allgemeinen und Muslime im Besonderen äußert. Es gilt als »politisch korrekt«, Leute, die sich kritisch mit der Migrantenthematik auseinandersetzen, in die rechte Ecke zu stellen.

 

Die Schule als Bildungseinrichtung ‒ und insbesondere auch der konfessionelle, hier der katholische Religionsunterricht ‒ trugen zu dieser bedenklichen bis bedrohlichen Entwicklung massiv bei. Der Autor dieser Zeilen unterrichtete an diversen Schulen, meistens an Realschulen im Hochrhein/Bodensee-Gebiet das Fach »Katholische Religion« und verfasste seine Erfahrungen in einer Schrift, die er »Verkaufte Seelen« nennt, zusammen.

 

Er arbeitet seit über 20 Jahren als Lehrer, davon neun Jahre im Dienst der Erzdiözese Freiburg und verfügt über einen Erfahrungsschatz von etwa 14 000 Unterrichtsstunden in katholischer Religionslehre.


Entwicklungsphasen des katholischen Religionsunterrichts (RU) in Baden-Württemberg

 

In der Gründerzeit genoss der RU das Ansehen eines selbstverständlichen Schulfaches. Er vermittelte die Inhalte, die den Kindern der kommenden Jahre die notwendige Rückversicherung gegen menschenverachtende Einflüsse geben sollte.

 

In den 70er-Jahren, nach der Zeit der 68er-Bewegung, durfte der RU noch als Schulfach erhalten bleiben, weil er bereit war, sich als Ort der Erklärung sozialer Prozesse und Phänomene herzugeben. Lebenskundliche Themen wurden ebenso besprochen wie das damals marktgängige Drogenmaterial. Der Reli-Lehrer als verkappter »Junkie«.

 

Was diese Themen mit dem christlichen Gedankengut im Eigentlichen zu tun hatten, beantwortete niemand. Solche Fragen zu stellen, galt als unhöflich. Einfältige Pädagogen redeten sich mit »Wir müssen es behandeln, weil es im Lehrplan steht« aus der moralischen Bredouille.

 

Die Schülerinnen und Schüler dieser Zeit sind oft die Eltern der Schulkinder von heute, sie vertreten folglich ein Bild vom Religionsunterricht, dies sei alles, nur nicht religiös geprägt. Die Kirchen wehrten sich nicht nur NICHT gegen diese Entwicklung.

 

Sie nickten eifrig die Lehrpläne ab, weil den Bischöfen der Genehmigungsvorbehalt zustand. Das bedeutete, nur das, was kirchlicher Lehre nicht widersprach, durfte in den Schulen vermittelt werden.

 

Die Entfremdung des RU in Fragen der Verbindlichkeit seiner Ansprüche setzte sich in den folgenden Jahrzehnten fort.

 

Die Subjektivierung, basierend auf dem fragwürdigen Modell des ehemaligen Mönches Schellenberger, wurde massiv gefördert. Das, was der Schüler meinte glauben zu müssen, durfte er auch. Zeit des Schullebens hielt man katholisches Gedankengut komplett fern.

 

Und heute?

 

Die heutigen Erwachsenen und ehemaligen Pennäler verfügen über mangelndes religiöses Wissen und Selbstbewusstsein. Sie betrachten den Islam, der nicht nur teilweise menschenverachtend in Erscheinung tritt, als gleichberechtigte Religion.

 

Nein, sie meinen, man müsse aus falsch verstandener Nächstenliebe jeden aufnehmen. Dabei vergessen sie, dass der Schutz der eigenen Mitmenschen auch zur Nächstenliebe gehört. Das zu begreifen und ein fundiertes religiöses Wissen sind Grundvoraussetzung, um diese Krise bestehen zu können.

 

Heutige Zeitgenossen schieben religiöse Interessen in die Privatsphäre. Dabei dürfte nie so deutlich geworden sein, dass seit den Pariser Anschlägen die religiösen Themen zentral in die Öffentlichkeit platziert gehören.

 

Heutige Schülerinnen und Schüler verkennen die bedrohliche Lage. Sie meinen, Religionsfreiheit bedeute in erster Linie, sich von religiösen Fragen zu distanzieren. Der softige Christ, der im Religionsunterricht den Jesus nur als smarten, menschenliebenden Typen vermittelt bekam, verkennt die andere Seite des Religionsstifters.

 

Die Seite des tempelreinigenden Jesus, der mit der Geißel die Händler wie von der Tarantel gestochen aus dem Gotteshaus warf, weil sie die Eigenheiten der heiligen Stätte missachteten. Damit demonstrierte Jesus, wie notwendig es ist, sich für seinen Glauben und seine Religion einzusetzen und nicht aus falsch verstandener Toleranz einfach nur still zu halten.

 

Nie wurde so deutlich, dass Religionsfreiheit energisch verteidigt werden muss. Das zeigte auch Jesus.

 

 

 

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