Tuesday, 26. July 2016
01.05.2014
 
 

Angebliche Wunderheilung: Vom Papst geheilt oder geheilt vom Papst?

Gerhard Wisnewski

Junge, Junge – war das eine Veranstaltung! Rund 800 000 Pilger aus aller Welt wohnten am 27. April 2014 in Rom der Heiligsprechung der beiden Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. bei. Auf und um den Petersplatz sollen rund eine halbe Million Menschen gestanden haben, weitere 300 000 vor riesigen Bildschirmen oder Leinwänden in der ganzen Heiligen Stadt. Außerdem waren 2000 Journalisten und 10 000 Sicherheitsbeamte da. Die Frage ist nur: Was ist dran an den Wunderheilungen von Johannes Paul II., die zu seiner Heiligsprechung führten? Gerhard Wisnewski hat das entscheidende Wunder einmal näher unter die Lupe genommen...

Man mag es kaum glauben, aber der 2005 verstorbene Papst Johannes Paul II. ebnete den Weg für die eigene Heiligsprechung selbst. Wie das? Ganz einfach: indem er die Anforderungen drastisch senkte. Statt vier bezeugten Wundern war plötzlich nur noch eines nötig, um die wichtigste Voraussetzung für eine Seligsprechung zu erfüllen. Und wird der »Selige« nicht nur regional, sondern global verehrt, ist es zur Heiligsprechung nicht mehr weit. Und die folgte der

Seligsprechung (von 2011) nunmehr auf dem Fuße. Aber nicht nur die eigene Heiligsprechung 2014 hatte Johannes Paul erleichtert; schon unter seinem Pontifikat kam es zu einer regelrechten Invasion der Heiligen.

 

Zuvor war ein Heiliger eine Seltenheit und etwas ganz Besonderes. Frühere Päpste sprachen nur eine Handvoll Anwärter heilig – wenn überhaupt. Erst Pius IX. (1846 bis 1878) brachte es auf immerhin 52 Heiligsprechungen – nach zehn Heiligsprechungen seines Vorgängers. Unter Johannes Paul II. (1978 bis 2005) explodierten die Selig- und Heiligsprechungen plötzlich: auf 1338 Selig- und 482 Heiligsprechungen. Oder waren viele davon im wahrsten Sinne des Wortes nur »scheinheilig«? Und wie steht es mit Johannes Paul II. selber?

 

Heilig oder scheinheilig?

 

Wer einen Menschen aus Fleisch und Blut für »heilig« halten will, muss bekanntlich eine dicke Kröte schlucken: Er muss glauben, dass der Betreffende ein so genanntes »Wunder« vollbracht hat. Das entscheidende Wunder, das letztlich zu Johannes Pauls Heiligsprechung führte, bestand in der Heilung der französischen Ordensschwester Marie Simon-Pierre Normand von der »Schüttellähmung« Parkinson. Die Frage ist nur: Wurde die Frau wirklich von Parkinson geheilt? Oder wurde sie von Johannes Paul II. geheilt?

 

Doch der Reihe nach: Angeblich soll die Krankheit bei der Ordensschwester 2001 diagnostiziert worden sein, also mit 40. Manchen Berichte zufolge trat sie sogar noch früher auf, nämlich 1995. Da war die Frau 34. Schon das wäre ein medizinisches Wunder. Meistens sind die Betroffenen bei Ausbruch der Krankheit um die 60. 40- oder gar 34-jährige Parkinson-Patienten sind eine große Seltenheit beziehungsweise so gut wie ausgeschlossen. Das ist die erste Merkwürdigkeit. Die zweite: Parkinson gilt als unheilbar. »›Geheilte‹ Parkinson-Patienten, bei denen die Diagnose eines idiopathischen Parkinson-Syndroms gesichert erschien, sind in der Literatur nicht bekannt«, heißt es beim Max-Planck-Institut für Psychiatrie.

 

»Keine Spur von Geltungssucht«

 

»Daher ist äußerste Vorsicht geboten, wenn durch irgendein Therapieverfahren Heilung versprochen wird.« Und das gilt natürlich auch für die Wunderheilung durch Papst Johannes Paul II. Wie also soll das geklappt haben? Hatte Schwester Marie Simon-Pierre Normand überhaupt Parkinson, und wo hatte sie die Krankheit her? Denn entweder hatte ein Parkinson-Patient, der von der Krankheit geheilt wird, gar keinen Parkinson. Oder er wurde nie geheilt.

 

Dass sie eine Schwindlerin ist, halten alle, die sie kennen, allerdings für ausgeschlossen: »Im Fall von Simon-Pierre gab es keine Spur von Geltungssucht«, sagt der Ermittler (Postulator) im Seligsprechungsverfahren, Monsignor Slawomir Oder: »Die Schwester hat diese ganze Geschichte, die in menschlicher Hinsicht bewegend und persönlich ist, aus einer Sicht des Glaubens gelebt. Was mich von Anfang an bei dieser Frau beeindruckt hat, war ihre absolute Bescheidenheit.« Videos der Ordensschwester bestätigen diesen Eindruck. Was also ist mit der Schwester passiert? Haben wir es wirklich mit einer Wunderheilung zu tun, oder womit sonst?

 

Eine zu enge Verbindung

 

Die Antwort führt auf eine interessante Spur: Schwester Marie Simons Symptome traten nämlich auf, als auch ihr großes Vorbild und Gottes Stellvertreter auf Erden, Johannes Paul II., immer offensichtlicher unter der »Schüttellähmung« zu leiden begann. Schwester Marie Simon-Pierre Normand war Johannes Paul II. seelisch eng verbunden. Ihre Kongregation der Kleinen Schwestern der Katholischen Kreißsäle »ist eng mit Johannes Paul II. verbunden: Der polnische Papst erkannte die Kongregation 1982 an und überreichte ihr seine Enzyklika Das Evangelium und das Leben als Charta ihres Handelns«. (Handelsblatt, online, 1.5.2011) »Ich verspüre viel Mitgefühl mit kranken und leidenden Menschen«, sagt sie. Und so saß sie oft vor dem Fernseher und verfolgte den zunehmenden Verfall Johannes Paul II. mit.

 

»Am Anfang konnte ich Johannes Paul II. noch im Fernsehen anschauen«, wird sie von dem Vatikan-Korrespondenten Andreas Englisch zitiert (Buchtitel: »Der Wunderpapst: Johannes Paul II.«), »doch dann wurde es immer schlimmer für mich. Wenn ich den Papst sah, dachte ich, ja, das was du da siehst, wird in den nächsten Jahren auch auf dich zukommen«. Mit anderen Worten entwickelte sich Schwester Marie Simon-Pierre Normands Erkrankung parallel zu der des Papstes. Genau wie bei ihm war auch bei ihr die linke Körperseite von dem Morbus Parkinson betroffen, insbesondere die linke Hand. Genau wie Johannes Paul konnte auch sie irgendwann kaum noch gehen. Allerdings war der Papst rund 40 Jahre älter als sie.

 

Vom Papst geheilt

 

Auf der anderen Seite war Johannes Paul II. nicht nur ihr oberster Chef, sondern wie es sich für einen Katholiken gehört glaubte sie auch, Johannes sei der »Stellvertreter Gottes auf Erden« – also mit einer fast überirdischen Autorität ausgestattet. Hat sich Schwester Marie Simon also zu stark mit Johannes Paul II. identifiziert und seine Erkrankung – unbewusst – »nachgeahmt«? Von psychischen Krankheiten kennt man schließlich das Phänomen, dass sie sich auf nahestehende, aber genetisch nicht verwandte Personen übertragen können, zum Beispiel auf Ehepartner. Dabei scheint es sich um eine Mischung aus Identifizierung und Autosuggestion zu handeln.

 

Ist so etwas auch bei physischen Erkrankungen möglich? Aber warum ist die Schwester dann nicht – wie Johannes Paul II. – an der Krankheit gestorben? Denn tatsächlich verschlimmerte sich ihr Befinden analog zu dem des sterbenden Papstes. 2005, im Todesjahr von Johannes Paul II., ging es auch mit Schwester Marie Simon bergab. Im Laufe des Jahres »verschlechtert sich ihr Zustand«, heißt es bei dem Vatikanexperten Englisch. »Es war ein sehr intensives Erlebnis für mich, der Papst war wie ein Freund«, zitiert er Marie Simon. »Auch wenn er jetzt bald im Himmel sein würde, hatte ich das Gefühl, ihn an meiner Seite zu haben.« Doch es kam anders.

 

Ihre gesamte religiöse Gemeinschaft betete für ihre Genesung, und durch die Fürbitte des verstorbenen Papstes bei Gott soll ihre Krankheit auf wundersame Weise verschwunden sein. Oder gibt es dafür vielleicht doch eine natürliche Erklärung? Denn offenbar löste das Ableben von Johannes Paul II. die innige Verbindung der Schwester zu dem Papst auf. Drohte sich ihr Zustand zunächst dramatisch zu verschlechtern, wurde sie nach ihren eigenen Aussagen »innerhalb von zwei Monaten nach dem Tod Johannes Pauls, Tag für Tag, Stunde für Stunde, geheilt«. Ein Wunder? Wohl kaum. Vielmehr sieht es wirklich so aus, als sei Schwester Marie Simon nicht von der Parkinson-Krankheit, sondern von Johannes Paul II. geheilt worden...

 

 

 

 


 

 

 

 

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