Saturday, 2. July 2016
02.03.2014
 
 

Papst Franziskus und die sich abzeichnende Eine-Welt-Religion

Michael Snyder

Unternimmt Papst Franziskus Schritte, die der Herausbildung einer Eine-Welt-Religion den Boden bereiten? Wenn Ihnen diese Frage bizarr erscheint, bitte ich Sie, doch noch den Rest dieses Artikels zu lesen. Wir leben in einer Zeit, in der die Globalisierung rasch und in allen Bereichen voranschreitet.

Die weltweite Wirtschaft ist mehr als jemals zuvor integriert, und mit jedem verstreichenden Jahr binden uns neue Wirtschaftsverträge enger aneinander. Die »weltweite Regierungsführung« (wie die Elite es nennt) gewinnt ebenfalls ständig an Boden. Über eine ganze Reihe globaler Institutionen wie etwa die Vereinten Nationen, die Weltbank, den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) arbeiten globale Regierungen in

einem bisher beispiellosen Ausmaß zusammen. Und was ist mit der Religion? Gibt es Hinweise darauf, dass sich auch eine Globalisierung der Religion anbahnt? Ja, die gibt es – und man kann den Eindruck gewinnen, dass Papst Franziskus in diesem Prozess die führende Rolle einnehmen will.

 

Seit er Papst ist, hat Franziskus immer wieder betont, dass er die mindestens »spirituelle« Reunion mit den orthodoxen Kirchen des Ostens, der anglikanischen Kirche und auch vielen größeren protestantischen Kirchen anstrebt. Und seine Videobotschaft, die er vor Kurzem an den amerikanischen Fernsehprediger Kenneth Copeland richtete, sorgte für einiges Stirnrunzeln. Als die päpstliche Botschaft vor dessen Gemeinde abgespielt wurde, erklärte einer der Redner: »Luthers Bruch [mit der katholischen Kirche] ist überwunden«:

»›Die katholische und charismatische Erneuerung bildet die Hoffnung der Kirche‹, erläuterte der anglikanische Episkopalbischof Tony Palmer vor einer Gruppe jubelnder Anhänger in den Kenneth Copeland Ministries. Diese Worte stammten aus dem Vatikan, fuhr Palmer fort. Bevor er dann die Videobotschaft von Papst Franziskus an Kenneth Copeland abspielte, sagte er zu der Menge: ›Als meine Frau erkannte, dass sie katholisch sein und der charismatischen Bewegung sowie den Evangelikalen und der Pfingstbewegung zugeneigt sein könne, und dies auch in der katholischen Kirche völlig akzeptiert sei, meinte sie, sie würde sich gerne wieder mit ihren Wurzeln in der katholischen Kultur verbinden. Und das tat sie.‹

Die Menge reagierte mit Jubel, als er ausrief: ›Brüder und Schwestern, Luthers Bruch ist überwunden. Der Eure auch?‹

Selbst Kenneth Copeland erschien diese Entwicklung unglaublich. ›Der Himmel ist darüber begeistert… Und wissen Sie, was mich daran so begeistert? Als wir die Ministry-Bewegung vor 47 Jahren begannen, wäre so etwas unmöglich gewesen.« (Ein Video dieser Konferenz in englischer Sprache können Sie hier sehen.)

 

Aber ist Luthers Bruch mit der katholischen Kirche wirklich überwunden?


Im Rahmen des Konzils von Trient verurteilte die römisch-katholische Kirche alle diejenigen zu Höllenstrafen, die an die Erlösung allein durch den Glauben an Jesus Christus glauben. Hier ein Zitat aus den Beschlüssen des Konzils zur Rechtfertigungslehre im Wortlaut (Kanon 9):

»Wenn jemand sagt, der Sündhafte werde allein durch den Glauben gerechtfertigt; so dass er damit versteht, es werde nichts anderes, das zur Erlangung der Rechtfertigungsgnade mitwirke, erfordert, und es sei keinen Teils notwendig, dass er sich aus Antrieb seines Willens dazu vorbereite, und bereitsam mache, der sei im Bann.«

Die katholische Kirche hat diese Auffassung nie korrigiert, sondern im Gegenteil im Verlauf der Zeit viele Male bekräftigt.

 

Wenn Papst Franziskus den Protestanten wirklich die Hand zur Versöhnung reichen will, sollte er als Erstes diese Entscheidung des Konzils von Trient aufheben. Als offizielle katholische Lehre in ihrer jetzigen Form bedeutet sie, dass alle Protestanten dem Kirchenbann unterliegen. Aber dieser gewichtige Vorbehalt wird vermutlich viele Protestanten nicht davon abhalten, sich wieder mit Rom zu versöhnen und Papst Franziskus zu »ihrem Papst« zu erklären.

 

Auch die Muslime hat Papst Franziskus umworben. So erklärte er im Rahmen seiner ersten »Begegnung mit den Vertretern der Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften und der verschiedenen Religionen« am 20. März 2013:

»Herzlich begrüße ich auch Sie alle und danke Ihnen, liebe Freunde, die Sie anderen religiösen Traditionen angehören; vor allem die Muslime, die den einen, lebendigen und barmherzigen Gott anbeten und im Gebet anrufen, und Sie alle. Ich schätze Ihre Anwesenheit sehr: In ihr sehe ich ein greifbares Zeichen des Willens, in der gegenseitigen Achtung und in der Zusammenarbeit für das Gemeinwohl der Menschheit zu wachsen.

Die katholische Kirche ist sich der Bedeutung bewusst, welche die Förderung der Freundschaft und der Achtung unter den Menschen verschiedener religiöser Traditionen besitzt – ich möchte das wiederholen: Förderung der Freundschaft und der Achtung unter den Menschen verschiedener religiöser Traditionen –; das beweist auch die wertvolle Arbeit, die der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog leistet.«

Haben Sie das mitbekommen? Offenbar ist Papst Franziskus der Ansicht, dass Katholiken und Muslime denselben Gott anbeten. Vor Kurzem sagte Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium Folgendes über Muslime (Abschnitt 252):

»Nie darf vergessen werden, dass sie ›sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird‹.i«

Mit dieser Erklärung verwirft Papst Franziskus eine weitere grundlegende Lehre des christlichen Glaubens. Christen glauben im Rahmen der Dreifaltigkeitslehre daran, dass Jesus Christus Gott ist. Muslime lehnen dies ab, weil es ihrer Ansicht nach keinen Gott außer Allah gibt. Wie können dann um alles in der Welt Christen und Muslime den gleichen Gott verehren? Dies wäre nur dann möglich, wenn man die Göttlichkeit Christi leugnet.

 

Weitere Gründe dafür, dass »Allah« und der Gott der Christen nicht derselbe sind, finden Sie hier.

 

Aber Papst Franziskus »umgarnt« nicht nur die Muslime, sondern auch andere Religionen. Bei der oben erwähnten Begegnung erklärte er, er fühle sich auch denjenigen nahe, die sich »zu keiner religiösen Tradition bekennen«:

»Darin fühlen wir uns all jenen Männern und Frauen nahe, die sich zwar zu keiner religiösen Tradition bekennen, sich aber dennoch auf der Suche nach dem Wahren, dem Guten und dem Schönen, nach diesem Wahren, Guten und Schönen, das Gott ist, befinden und die unsere wertvollen Verbündeten sind im Einsatz zur Verteidigung der Menschenwürde, beim Aufbau eines friedlichen Zusammenlebens unter den Völkern und bei der achtsamen Bewahrung der Schöpfung.«

Und für Überraschung sorgte auch, als er in seiner Frühmesse am 22. Mai in der Predigt erklärte:

»Der Herr hat uns nach Seinem Bild geschaffen, und wir sind das Abbild des Herrn, und Er tut das Gute, das wir alle im Herzen haben, in diesem Gebot: Tu Gutes und tu nicht das Böse. Jedermann. Und den Menschen, die sagen: ›das ist kein Katholik, er kann nicht Gutes tun‹, antworten wir: Doch, das kann er, er muss es tun; er kann nicht nur, sondern er muss, weil er dieses Gebot in sich hat… Der Herr hat durch das Blut Christi alle Menschen erlöst, uns alle mit dem Blute Christi. Uns alle, nicht nur Katholiken. Jeden! ›Vater, auch die Atheisten?‹ Selbst die Atheisten. Jeden!... Wir müssen uns im Tun des Guten begegnen. ›Aber Vater, ich glaube nicht, ich bin Atheist.‹ Tut Gutes, und da begegnen wir uns.«

Über diese Äußerungen und ihre Bedeutung wurde viel diskutiert. Der Vatikan veröffentlichte später eine Erklärung, in der es hieß, die katholische Lehre habe sich in diesem Punkt nicht geändert, aber ohne Zweifel waren viele Menschen durch diese Worte beunruhigt.

Auch dass der Vatikan den Gläubigen, die Papst Franziskus in den sozialen Netzwerken folgen, einen »Ablass« (Erlass einer zeitlichen Strafe vor Gott für Sünden, die hinsichtlich ihrer Schuld schon getilgt sind) gewährt, löste bei vielen Menschen Kopfschütteln aus. Der britische Telegraph schrieb dazu:

»Erlösung – oder zumindest einen kürzeren Aufenthalt im Fegefeuer – ist vielleicht schon bald mittels einer Twitter-Nachricht zu erreichen, wenn die Berichte stimmen, dass Papst Franziskus bereit ist, den Gläubigen einen ›Ablass‹ – den Erlass einer zeitlichen Strafe – zu gewähren, die ihm auf Twitter folgen.

Insgesamt werden 1,5 Millionen Menschen in Rio de Janeiro erwartet, die dort den Weltjugendtag mit dem argentinischen Pontifex Ende Juli feiern wollen. Aber auch zerknirschten Sündern, die nicht nach Brasilien kommen können, winkt möglicherweise Vergebung, wenn sie die Feierlichkeiten und die Auftritte von Papst Franziskus im Fernsehen oder in sozialen Netzen verfolgen.

Die Apostolische Pönitentiarie, der Bußgerichtshof des Vatikans, entschied [per Dekret], ein Ablass werde denen gewährt, die die ›Riten und frommen Übungen‹ des Weltjugendtages vor dem Fernseher, Radio oder in den sozialen Netzen verfolgen.«

 

Was glaubt Papst Franziskus eigentlich wirklich? – Das ist eine sehr gute Frage


Seine Glaubensüberzeugungen scheinen nicht widerspruchsfrei zu sein. Offenbar empfindet er das überwältigende Bedürfnis, allen »nahe zu sein«, die irgendeinem religiösen Glauben anhängen.

 

Aber wir wissen zumindest, wen er nicht mag. Er mag keine »ideologischen Christen«, die ihren Glauben sehr ernst nehmen:

»In den Ideologien ist Jesus nicht enthalten. Jesus ist Zärtlichkeit, Liebe, Sanftmut, wogegen die Ideologien jedweder Einfärbung immer doktrinär sind. Und wenn ein Christ zum Jünger der Ideologie wird, ist er nicht länger Jünger Jesu, sondern Jünger dieser Denkart… Aus diesem Grunde tadelte Jesus sie: ›Ihr habt den Schlüssel (der Tür) der Erkenntnis weggenommen‹. [Lukas, 11, 47-54] Die Kenntnis Jesu wird in ein ideologisches und moralistisches Wissen umgewandelt, denn diese haben die Tür mit vielen Vorschriften verschlossen. Der Glaube wird Ideologie, und die Ideologie schreckt ab! Die Ideologie verjagt die Menschen und entfernt die Kirche von den Menschen. Die Krankheit der ideologischen Christen ist sehr schwer. Es handelt sich um eine Krankheit, die keineswegs neu ist.« [Frühmesse, 17.10.2013]

Es wird sehr interessant sein, zu beobachten, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden.

Bemerkenswert ist auch, dass eine Prophezeiung des irischen Heiligen Malachias (1094/95 - 1148) darauf hindeutet, dass Papst Franziskus der letzte Papst sein könnte. Träfe die Prophezeiung zu, könnte es durchaus sein, dass wir noch zu unseren Lebzeiten die Entstehung einer Eine-Welt-Religion erleben. Noch vor wenigen Jahrzehnten war eine Eine-Welt-Religion völlig undenkbar. Aber gegenwärtig fallen viele Puzzleteilchen an ihren Platz. Und es wird höchst interessant sein, zu beobachten, was als Nächstes geschieht.

 


Fußnote:

 

i Papst Franziskus zitiert hier aus der Dogmatischen Konstitution Lumen Gentium des Zweiten Vatikanischen Konzils (Absatz 16).

 

 

 

 


 

 

 

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