
Hört man hier etwas von Angst? Von kollektiver Existenzangst der gesamten Medienbranche? Was ist das eigentlich: »Angst«? Wenn Sie ein dreijähriges Kind das fragte, was würden Sie ihm antworten?
Einig sind wir uns wohl darin, dass »Angst« die Bezeichnung für eine bedrohliche Emotion ist, die sich nicht erklären, wohl aber fühlen lässt. Auch dass Angst viele Gesichter hat, dürfte außer Frage stehen. Die Existenzangst, wie sie laut Arne Hoffmann in der Medienbranche um sich zu greifen scheint, ist nur eins davon. Prüfungsangst ist ein anderes, und Angst vor der
Öffentlichkeit, Angst, zu versagen, krank zu werden, einen Unfall zu haben, sowie Angst vor Schlangen, Ratten, Mäusen und Spinnen sind ebenfalls nur verschiedene Variationen von dieser einen Emotion, die wie ein dunkles, gespenstisches, krakenhaftes Wesen von unserem Gemüt Besitz ergreift. Oder wie eine grässliche Spinne, in deren Netz wir uns verfangen haben.
In der Wissenschaft ist Angst aber nicht gleich Angst. Hier macht man den Unterschied, ob tatsächlich eine konkrete Gefahr droht und das Gefühl der Bedrohung echt ist, oder ob es völlig unverständlich ist, weil weit und breit nicht die geringste Gefahr wahrgenommen werden kann. Die Wissenschaft verlangt, dass dieses bedrohliche Gefühl im Angesicht einer konkreten Gefahr »Furcht« genannt wird und dass der Ausdruck »Angst« nur für Situationen verwendet werden soll, bei denen eine Bedrohung nur »eingebildet«, aber nicht tatsächlich vorhanden ist.
Doch für den Betroffenen, den diese Emotion tatsächlich in ihren Fängen hat, ist es verschüttete Milch, zu diskutieren, ob man in seinem Fall von Angst oder von Furcht zu reden hat. Ihm ist doch nur wichtig, wie er mit geringstmöglichem Aufwand am Erfolgssichersten aus dieser Situation heraus kommt. Deshalb verwende ich weiterhin nur den Einheitsbegriff der Angst als Gefühl einer Bedrohung, weil dies am besten verstanden wird. Der Nutzen des Betroffenen ist wichtiger als Rücksicht auf wissenschaftliche Gepflogenheiten.
Die Sehnsucht, aus solchen Situationen heraus zu kommen, besteht zu Recht. Angst macht verwirrt, Angst macht hysterisch, Angst macht handlungsunfähig bis zur Lähmung, bis zur Sprachlosigkeit. Es ist erwiesen, dass Angst Magengeschwüre und andere handfeste körperliche Erkrankungen erzeugt hat, und es sind Fälle beschrieben worden, wo Opfer von Angst in einer einzigen Nacht graue Haare bekommen haben. In schlimmsten Fällen kann Angst die Lebensqualität eines Betroffenen so einschränken, dass er nur noch in einer psychiatrischen Anstalt existieren kann.
Doch ist Angst wirklich solch ein übles Gespenst? Mal gesponnen: Ein Hase in freier Wildbahn sei absolut frei von jeder Angst; frei von jedem Gefühl einer Gefahr und sähe im heranschleichenden Fuchs nur einen amüsanten Spielkameraden. Dieser Hase lebte nicht mehr lange!
In dem berühmten Antikriegsfilm Die Brücke war unmittelbar vor Kriegsende eine Handvoll Vierzehnjähriger in der Tat völlig angstfrei. Den Krieg hielten sie für ein Spiel und rissen sich darum, Helden zu sein. Dann erlebten sie ein Inferno, wie sie es nie erträumt hätten und fanden schließlich den Tod im Felde. Doch nicht als Helden gingen sie in die Geschichte ein, sondern einfach nur als dumme Jungs.
Ich kenne alte, erfahrene Schauspieler, die sagen: »Je heftiger das Lampenfieber vor einer
Aufführung, desto besser gelingt sie.« Lampenfieber ist ja auch nur eine Variation von Angst. Ein Pilot eines Kampfjets sagte mir einmal: »Wenn ich ohne jede Angst meine Maschine besteige, werde ich sie nicht beherrschen können.« Von ernstzunehmenden Schriftstellern wie Carl Zuckmayer oder Hans Habe, die im Krieg waren und von dort einiges zu sagen haben, stammen Berichte, nach denen die blanke Angst um ihr Leben betroffenen Soldaten eine derartige Kraft einflößte, dass sie sich, obwohl ihnen beide Füße weggeschossen waren, nur auf Beinstummeln rennend in Sicherheit bringen konnten.
Ist Angst also Verursacher von oder Bewahrer vor Unglück? Ist sie der Bote und Gehilfe des Unglücks oder ist sie unser Schutzengel? An dieser Frage scheiden sich die Geister: Die Meinung, dass Angst das Unglück anzieht, ist ohne Zweifel am Stärksten im Volksbewusstsein verankert. Doch muss sie deshalb auch wirklich richtig sein? Jahrhunderte, vielleicht sogar Jahrtausende lang war im Volksbewusstsein ja auch die Ansicht verankert, dass die Erde eine Scheibe sei. Die Ansicht »Wenn es Hunderttausende glauben, muss es doch richtig sein, denn Hunderttausende können nicht irren«, hat die Menschheit schon übel auf den Holzweg geführt und wird es auch weiterhin tun.
Dennoch: Soweit und solange wir es kennen, waren alle Bemühungen darauf gerichtet, die Angst auszuschalten; die Angst wegzumachen. Die moderne Medizin gibt Psychopharmaka. In »Selbsthilfe« greift mancher zu Heroin. Wer es weniger giftig und suchtgefährdend will, geht zum Verhaltenstherapeuten. Macht NLP, Autogenes Training, hört Subliminals, lässt sich die Angst weg hypnotisieren oder übt sich in Positivem Denken. Wieder andere fliegen auf die Philippinen oder
nach Hawaii und begeben sich in die Hände von Schamanen. Doch inwieweit tatsächlich echte Erfolge erreicht werden konnten, vor allem inwieweit diese konstant bleiben, wenn der gewöhnliche Alltag wieder die Oberhand hat, darüber hört man weniger.
Die andere Sichtweise, dass Angst von der Schöpfung als Schutz vor Gefahren eingerichtet ist, etwa wie ein Rauchmelder, der unangenehm durchdringend Laut gibt, wenn er einen verborgenen Schwelbrand wittert, der aber sofort wieder schweigt, wenn das Feuer gelöscht ist, gilt im Volksbewusstsein eher als exotisch. Sie fristet ein Aschenputteldasein. Zu Recht?
Das 19. Jahrhundert brachte nicht nur jene bahnbrechenden Erfindungen und Entdeckungen hervor, die das Industriezeitalter einläuteten. In dieser Zeit kam es auch zu jenen Entdeckungen, die bis heute die Basis von Psychologie und Psychotherapie bilden. Der französische Apotheker Émile Coué (1857–1926) entdeckte die Macht der Autosuggestion und bewies, dass sich mit dem gesprochenen Wort allein, auch wenn man nicht daran glaubt, Krankheiten heilen lassen.
Der schottische Arzt James Braid (1795 – 1860) ergründete die Macht der Hypnose. Er machte mit einem Aufsehen erregenden Experiment von sich reden, in dem er einem sich in hypnotischer Trance befindenden Probanden einredete, er berühre ihn jetzt mit einer brennenden Zigarette an seiner nackten Haut. Doch er berührte ihn nur mit einem hölzernen Stäbchen. Trotzdem entwickelte sich an der berührten Stelle eine Brandblase. Ebenfalls mit dieser Suggestionstechnik machte er sich einen Namen mit der Anwendung von Hypnose bei chirurgischen Eingriffen. Narkosetechniken waren damals noch unbekannt. Doch mit Hypnose konnten Zahnextraktionen und Blinddarmoperationen durchgeführt werden, ohne dass der Operierte einen Schmerz verspürte. Solche Patienten erholten sich auch viel schneller von den Strapazen solcher Eingriffe.
Dem Österreicher Sigmund Freud (1856 – 1939) gelang zusammen mit Josef Breuer die Aufsehen erregende Heilung der Bertha von Pappenheim, die als »Der Fall Anna O.« in die einschlägige Literatur einging: Diese Patientin war unfähig, aus einem Glas zu trinken. Sobald sie es versuchte, überfiel sie ein Ekel, den sie sich selbst nicht erklären konnte. Dieses Phänomen kannte sie, solange sie denken konnte. An irgendein auslösendes Geschehen, das dieses Phänomen erklärt hätte, konnte sie sich nicht erinnern. Doch Freud und Breuer gelang es, die Erinnerung an ein konkretes Geschehen aus Annas ganz früher Kindheit wieder wach zu rufen:
Als sie etwa drei Jahre alt war, waren ihre Eltern zusammen mit ihr im Haus einer befreundeten Familie auf Besuch. Dort stand zu ihrem Entsetzen plötzlich ein riesiger Hund vor ihr, der mit den Vorderpfoten auf den Tisch sprang und dort aus einem Glas das Wasser schlabberte. In diesem Augenblick wurde sie zum ersten Mal von diesem Ekel überfallen.
Dass sich bei Anna dieser Ekel später bis in ihr Erwachsenenleben hinein allein schon beim Anblick eines mit Wasser oder einer wasserhellen Flüssigkeit gefüllten Glases immer wieder
prompt einstellte, erklärten Freud und Breuer mit dem Phänomen der Selbstsuggestion. Da ein dreijähriges Kind noch nicht so analytisch denken kann wie ein Erwachsener, hatte sie sich im Augenblick des Geschehens eingebildet, dass aus jedem mit Wasser gefüllten Glas solch ein Hund getrunken haben musste. Dass diese Erklärung offenbar ins Schwarze traf, bewies die Tatsache, dass Anna in dem Augenblick, wo sie ihre falsche Einbildung als eine solche erkannt hatte, von diesem Ekel geheilt war.
Auch wenn Freud heutzutage sehr kontrovers diskutiert wird, haben wir ihm die Erkenntnis zu verdanken, dass falsche Suggestionen unbewusste Fehlsteuerungen auslösen, die zu allen möglichen unguten Lebenssituationen, einschließlich der schlimmsten Formen von Angst, führen.
Weiter zeigen uns die Erkenntnisse von Freud, dass sich auf diese Weise erzeugte ungute Lebenssituationen, ungeachtet ihrer Schwere, spontan auflösen können, nachdem es möglich war, die verursachende unbewusste Fehlsteuerung aufzudecken und zu korrigieren, wie bei Anna O. alias Bertha von Pappenheim geschehen. Solche Aufdeckungen können spontan erreicht werden, in dem der Betroffene durch zufällige Impulse von außen zu der entscheidenden Erkenntnis geführt wird. Es kann dem aber auch mit gezielten therapeutischen Mitteln entsprechend wirksam nachgeholfen werden.
Wie es zu solchen Aufdeckungen kommt, mag vom Prinzip her zweitrangig sein. Hauptsache, sie werden erreicht. Mir sind Fälle bekannt, wo nach solchen gelungenen Aufdeckungen Heilungen eintraten, die man kaum glauben möchte, wenn man sie nicht selbst gesehen hätte. Selbstredend auch Heilungen von Angstzuständen übelster Art.
Auch wenn es ein noch so weit verbreiteter Tenor ist, dass Angst die Ursache dafür sei, dass es zu genau dem Unglück kam, vor dem sie gewarnt hat: Ich bekenne mich zu der Minderheit, die in der Angst nicht die Unke sieht, die Böses herbei hext, sondern den Rauchmelder, der frühzeitig vor einem verborgenen Schwelbrand warnt und der sofort schweigt, wenn die Gefahr vorüber ist. Zwar mag es mühsam sein, sich auf die Suche nach diesem Schwelbrand zu begeben und auch, ihn rechtzeitig zu löschen. Doch das ist nicht die Schuld des Rauchmelders.
Wie zum Beispiel bei der eingangs beschriebenen Angst der Mainstream-Medien vor Leserschwund. Der erste Artikel des Grundgesetzes lautet: »DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR«! Sich daran orientierend verantwortungsvoll zu informieren, statt sich vor den Karren zwielichtiger Interessen Einzelner spannen zu lassen und zu versuchen, aufrechten, aber unbequemen Menschen das Rückgrat zu brechen, dürfte wohl ein mit Mühen verbundenes Umdenken erfordern. Doch ich stimme Arne Hoffmann zu, wenn er sagt, dass diese Richtung wieder das Vertrauen der Leserschaft zurückgewinnen und die Angst vor weiterem Leserschwund zusammenbrechen lässt.
Interesse an mehr Hintergrundinformationen?
Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!
Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.
In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:
- Rendite mit Zugkraft: Alte Traktoren als Wertanlage
- Was ist aus dem »Waldsterben« geworden?
- Geistige Entwicklung: Förderschüler werden auf Regelschulen verteilt
- Landgerichtsurteil: Schluss mit unerwünschten Postwurfsendungen

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!