Wednesday, 23. July 2014
23.03.2011
 
 

Die Jagd nach dem Maya-Gold

Andreas von Rétyi

Im Izabal-See, Guatemala, ruht ein gigantischer Goldschatz. Davon ist zumindest der deutsche Mathematiker und ehemalige Realschuldirektor Joachim Rittstieg überzeugt. Bis vor Kurzem befand er sich mit einer Expedition in jenem Gebiet, um sowohl dem Geheimnis als auch dem See auf den Grund zu gehen und nach den vermuteten acht Tonnen Gold zu suchen.

2.156 Gesetzestafeln aus purem Gold sollen es sein: ein unermesslicher Schatz mit der Masse von vier ausgewachsenen Geländewagen und dem Glanz der aufgehenden Sonne Mittelamerikas. Hieroglyphen einer alten Maya-Handschrift lieferten die entscheidenden Hinweise darauf, wo diese märchenhaften Goldtafeln zu finden seien. Den kryptischen Zeichen zufolge, die nur sehr zögerlich zum Sprechen gebracht wurden, ruhen die schillernden Kostbarkeiten seit vielen Generationen am Grunde des Lago de Izabal in Guatemala.

Diesem Geheimnis will der ehemalige Realschulleiter Joachim Rittstieg aus Schleswig-Holstein auf die Spur gekommen sein. Seit 1971 lassen ihn die Rätsel um die alte Maya-Kultur nicht mehr los. Als Mathematiklehrer haben es ihm die Daten angetan, Zahlenverhältnisse und kalendarische Zusammenhänge sowie natürlich die in den alten Schriften chiffrierten Botschaften. Wie er selbst sagt, sei es ihm nach jahrelanger Forschungsarbeit gelungen, sämtliche Kalender jener Kultur zu entschlüsseln.

Schon seit Jahrhunderten bemühten sich seine Vorgänger darum, die Inhalte der schriftlichen Maya-Überlieferungen zu verstehen. Maximal vier dieser Texte sind erhalten geblieben, nachdem der Inquisitor und Bischof von Yucatán, Pater Diego de Landa, im 16. Jahrhundert eine beispiellose Bücherverbrennung durchführen hatte lassen und Tausende Maya-Schriften in religiösem Eifer dem alles verzehrenden Feuer überantwortete. Die Macht der Worte schien allzu groß! Was übrig blieb, waren drei Werke, die von den Konquistadoren erbeutet und nach Europa gebracht wurden. Ein viertes wurde den Schilderungen zufolge erst 1965 von Schatzsuchern in einer Höhle gefunden, einige Jahre später allgemein bekannt gemacht und von Forschern als ein mehr als hundert Jahre umfassender Kalender gedeutet, huldreich gewidmet der strahlenden Venus. Dieser vier Meter lange Codex Grolier wurde zwar bereits als die älteste Maya-Handschrift bezeichnet und in die Zeit des 13. Jahrhunderts nach Christus datiert. Allerdings könnte die in Mexico City verwahrte und öffentlich nicht ausgestellte Handschrift auch eine Fälschung sein. Was, außer weiteren Imitaten, noch zirkuliert, sind lediglich Fragmente alter Codices.

Die schon erwähnten übrigen drei Schriften erwiesen sich als vorwiegend astrologisch motivierte Werke mit erstaunlichen Erkenntnissen zu astronomischen Zusammenhängen. Diese nach Europa verbrachten Codices liegen in Madrid (Codex Tro-Cortesianus), Paris (Codex Peresianus) und in Dresden (Codex Dresdensis). Letzterer fiel Johann C. Götze, dem Oberaufseher der kurfürstlichen Bibliothek zu Dresden, im Jahr 1739 bei einem Besuch in Wien auf. Das einzigartige Manuskript befand sich in den Händen eines wohlhabenden Privatmannes, der es Götze als Geschenk überließ. So gelangte dieser wertvolle Codex schließlich nach Dresden, wo er sich noch heute im Museum der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek befindet. 150 Jahre nach der bedeutenden Schenkung befasste sich der ansässige Bibliothekar Ernst W. Förstemann mit dem Codex Dresdensis und war schließlich in der Lage, einen bedeutsamen Abschnitt zu entziffern. Wieder entpuppten sich die Schriftzeichen als Teil eines kalendarischen Werkes.

Ende Februar dieses Jahres enthüllte dann Joachim Rittstieg, er habe auch die übrigen Texte des Dresdner Codex entschlüsselt und dabei Hinweise auf den tonnenschweren Goldschatz im Lago de Izabal gefunden. Dieser landesgrößte See – ehemals Golfo Dulce – erstreckt sich über eine Länge von 48 Kilometern und steht in Verbindung zum Meer. Mit einer Tiefe von bis zu lediglich 18 Metern darf er eher als seichtes Gewässer gelten. Izabal gilt gleichfalls als eine der Lokalitäten, an denen das legendäre Atlantis vermutet wird, wobei hier auch in diesem speziellen Kontext wiederholt Bezug auf den Codex Dresdensis genommen wurde, ebenso allerdings auf lokale Überlieferungen, diverse Sondierungen und antike Gebäude-Überreste.

Anfang März brach dann Joachim Rittstieg in Begleitung eines Teams von Reportern und Fotografen der Bild-Zeitung nach Guatemala auf, um das Geheimnis des Goldschatzes zu lüften. Die Gruppe, der auch drei Taucher angehörten, begann ihre Expedition in Guatemala City, um von dort aus einer 300 Kilometer langen Route über El Progreso bis hin zum eigentlichen Ziel zu folgen – dem Lago de Izabal. Eine bedeutsame Zwischenstation für den über 70-jährigen Rittstieg war dabei die Dschungelstadt Copan, in deren alten Tempelanlagen der Forscher weitere wichtige Informationen suchte. Rittstieg geht davon aus, dass sich der Schatz möglicherweise in einem Steinsarkophag befindet.

Die Expedition erhielt ständigen Polizeischutz, denn die Lage im Land lässt sich durchaus bedrohlich an: 6.000 Morde auf offener Straße sind es in jedem Jahr, so erklärte Botschafter Dr. Thomas Schäfer in Guatemala City. Wer in der Region fotografiert, kann dieses Tun mit dem Leben bezahlen. Zuviel Illegales spielt sich dort ab, vor allem um den See, wo nicht zuletzt auch der Drogenschmuggel blüht. Wer zudem auf der Jagd nach einem unermesslichen Goldschatz ist, dürfte der Aufmerksamkeit gewisser Kreise nicht entgehen. Die Regierung hingegen wiegelte ab. Nein, Beweise für die spektakuläre These gebe es nicht. Und Monica Urquizú, Chefin des Instituts für Anthropologie und Geschichte, verlangte einen offiziellen Bericht von Rittstieg. Damit sollte eine Überprüfung der Entdeckung ermöglicht werden. Immerhin ging es um die großartigste archäologische Entdeckung seit der Öffnung des Grabes von Tutanchamuns.

Viele ähnliche Projekte verliefen ohne Ergebnis. Speziell die unlängst beendete Rittstieg-Expedition blieb generell nicht ohne Widerspruch. Im Gegenteil, aus den Reihen der Mesoamerika-Forscher wurde deutliche Kritik geäußert. Deutsche Wissenschaftler befürchteten eine Schädigung der Beziehungen zwischen den Forschungsinstituten beider Länder, das Ansehen Deutschlands in Guatemala stehe auf dem Spiel. Denn eine derlei sensationalistische Jagd gefährde archäologische Relikte auch dadurch, dass künftig andere Schatzsucher ihr Glück in der Region versuchen würden. Ein moderner Goldrausch der besonderen Art also. Laut einer Stellungnahme von 120 Wissenschaftlern bewegten sich Rittstiegs Konzepte außerhalb der Regeln guten wissenschaftlichen Arbeitens. Seine Thesen seien abwegig, auch enthalte der zur Diskussion stehende Codex Dresdensis keine »Schatzkarte«.

Die Gefahr einer allgemein angefachten Schatzjagd und der Plünderung kostbaren Kulturgutes ist in Anbetracht der in Aussicht gestellten Funde sicherlich keinesfalls von der Hand zu weisen. So berichtete auch die Bild schon am 2. März selbst, ganz Guatemala befinde sich bereits im Schatzfieber, die Provinzregierung in Izabal befürchte eine Lawine von Schatzräubern und Abenteurern. So wurde das Gebiet um den See dann auch abgesperrt. Das Ergebnis der am 11. März vorerst eingestellten Suche ist eher weniger spektakulär, was allerdings nach einer derart kurzen Zeitspanne und aufgrund gewisser Umstände nicht weiter verwundert, selbst wenn ein Schatz im Izabal-See existieren sollte. Interessant und interpretierbar wird auch der Umstand sein, dass einer der Taucher aus der Expeditionsgruppe ein Tauchverbot von Marinesoldaten erhielt. So blieb das einzige aufgespürte Relikt ein Tonkrug, dessen Alter nun ermittelt werden soll. Rittstieg erklärte zum Abschluss der Expedition, die Teilnehmer hätten alles in ihrer Macht Stehende unternommen. Jetzt liege die Bergung des Schatzes in den Händen der Regierung von Guatemala. Die Behörden wollen nun weitere Schritte prüfen und entscheiden, wie die Erforschung von Maya-Relikten im Izabal-See fortgesetzt werden soll. Wenn überhaupt – so heißt es.

Ganz allgemein darf, einmal völlig ungeachtet der aktuellen Expedition, als Fakt gelten, dass schon mancher großartige Fund von »Außenseitern« gemacht wurde oder dass von ihnen die entscheidenden Impulse ausgingen, die eine Entdeckung dann überhaupt erst ermöglichten. Und mit den wissenschaftlichen Belegen ist es wiederum eine eigene Sache: Spätestens dann, wenn sich die Legenden bestätigen, wenn vermeintliche Fantastereien und Hirngespinste zu (un-)fassbarer Realität werden, dann tauchen eben genau sie offenbar gänzlich unerwartet auf, eben jene wissenschaftlichen Belege, und die Fachwelt raunt und staunt. So kam es dann gelegentlich zu jenen Sternstunden, die ungeachtet der Unkenrufe ewiger Negativisten anbrechen, jener allzeit zu Haufe verfügbaren Bremsklötze der Erkenntnis, die naturgemäß noch nie etwas in der Welt bewegen konnten. So bleibt das aktive Wagnis manchmal als einziger Weg, an dessen Ende in jedem Falle die Wahrheit steht, wie auch immer sie letztlich beschaffen sein mag. Doch der Einzelfall, der sollte immer auch individuell bewertet werden.

 

 

 


 

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