Thursday, 25. August 2016
29.07.2010
 
 

Zweites Stonehenge entdeckt!

Andreas von Rétyi

In unmittelbarer Nähe des weltberühmten südenglischen Steinkreises von Stonehenge stießen Wissenschaftler nun auf die Überreste einer zweiten, offenbar in der Grundgestaltung sehr ähnlich aufgebauten Anlage. Schon jetzt wird der Fund als Sensation gehandelt, auch wenn nähere Einzelheiten noch ausstehen. Doch allein die Tatsache eines offenbar vergleichbaren, wenn auch verfallenen Kreises in direkter Nachbarschaft von Stonehenge kam als echte Überraschung.

Direkt bei der wuchtigen Steinsetzung von Stonehenge wurde nun gänzlich unerwartet eine ähnlich gestaltete Ringstruktur aufgefunden. Die Überreste werden in der nächsten Zeit einer Analyse unterzogen, wobei bereits jetzt als klar gilt, dass vor allem die astronomische Ausrichtung auf die Solstitien, das heißt auf die Sonnwendpunkte von wesentlicher Bedeutung war und den Relikten eine ähnliche Grundstruktur »aufzwingt«, wie sie von Stonehenge selbst bekannt ist. Dabei spielt es zunächst eine untergeordnete Rolle, dass der jetzt entdeckte Kreis keine Steinsetzung war, sondern aus Holz errichtet wurde. Dies geschah nach der augenblicklichen Beurteilung zeitgleich mit dem steinernen Monument, dessen Errichtung sich allerdings beinahe schon in der Finsternis der Zeit zu verlieren scheint und über mehrere Phasen verlief. Nach offizieller Datierung geht der Baubeginn ungefähr auf das Jahr 3.100 v.Chr. zurück, die Arbeiten sollen erst 2.000 Jahre später zum Abschluss gekommen sein. Frühere Deutungen von Sinn und Zweck des steinernen Trilithenrings und der übrigen Megalithsetzungen von Stonehenge sehen in dem eindrucksvollen Bau ausschließlich ein Sonnenheiligtum, während spätere archäoastronomische Interpretationen von einem regelrechten Sonnen- und Mondobservatorium ausgehen, das sich zur Kalenderbestimmung und Vorhersage von Finsternissen in einem wohl kultisch-religiösen Kontext eignete. Auch gilt die Anlage neben zahlreichen anderen Deutungen als Ort heilender Kräfte.

Nun erweitert sich der Blick zunehmend auf das Umfeld, wobei auch die archäologische Forschung zunächst mehr von Interpretation als von Fakten lebt.

Professor Vince Gaffney von der Universität Birmingham spricht hinsichtlich des neuen »Woodhenge« in jedem Falle von einem »bemerkenswerten Fund« und der »aufregendsten Entdeckung, wie sie bei Stonehenge innerhalb eines Lebensalters überhaupt erfolgen« könne. Die neue Struktur fiel einer internationalen Forschergruppe im Rahmen des auf insgesamt drei Jahre ausgelegten Stonenhenge-Hidden-Landscape-Projektes auf. Verblüffend für die Forscher ist vor allem die räumliche Nähe zu der bislang bekannten, massiven Steinsetzung.

Amanda Chatburn, verantwortlich für Stonehenge im Rahmen des English Heritage (»Englisches Vermächtnis«), erklärt hierzu: »Dieses Monument ist Teil einer wachsenden Beweislast, die uns zeigt, wie bedeutend die Sommer- und Wintersolstitien für die alten Völker waren, die Stonehenge errichtet haben. Diese Entdeckung ist umso bemerkenswerter, wenn man berücksichtigt, wie viele Forschungsarbeiten in der Umgebung von Stonehenge bereits durchgeführt worden sind, und sie unterstreicht, wie wesentlich es ist, die Forschungen innerhalb und auch im Umfeld dieser Stätte des Weltkulturerbes fortzusetzen.«

Noch vor Beginn jeglicher Grabungstätigkeit fanden die Archäologen nur rund 900 Meter von Stonehenge entfernt die verdächtige kreisförmige Senke, die nun mit bodendurchdringendem Radar sondiert wird, um etliche dem Auge verborgene Details zu enthüllen und die ursprüngliche Form rekonstruieren zu können.

Der neue Kreis könnte auch einige bisherige Interpretationen zu Stonehenge in Frage stellen. So, wie es die Forscher aktuell sehen, war diese altbekannte prähistorische Anlage offenbar nicht als kultisches Einzelmonument geplant, sondern auch lokal in ein größeres System eingebunden. Professor Gaffney fasst zusammen: »Diese Entdeckung ist völlig neu und extrem wichtig für das Verständnis von Stonehenge und seiner Landschaft.« Eine vielleicht nicht zu vernachlässigende Deutung gäbe es allerdings eventuell noch: Möglicherweise war die hölzerne Anlage ein erstes »Versuchsmodell«, um das einwandfreie Funktionieren des dann eben doch als »Solitär« geplanten großen Hauptwerks, des uns allen bekannten Stonehenge, im Vorfeld genügend auszutesten und abzusichern. Vielleicht wird diese Alternative auch in archäologischen Kreisen noch zur Diskussion gelangen.

In England befinden sich nach heutiger Kenntnis insgesamt rund 1.000 Steinsetzungen der Megalithkultur.

 

 


 

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