Thursday, 26. May 2016
05.06.2010
 
 

»Missing link« zwischen Tiervorfahren und Mensch gefunden?

Armin Risi

Im April 2010 ging die Meldung um die Welt, dass eine Forschergruppe in Südafrika fossile Knochen einer neuen hominiden Spezies gefunden habe, die möglicherweise das »Missing link« zwischen dem Menschen und den affenähnlichen Vorfahren sei. Eine kritische Betrachtung dieser Meldung zeigt jedoch, wie sehr vorgefaßte Ansichten die Interpretation von Fakten beeinflußt, auch – und insbesondere – in der Anthropologie.

Was wurde entdeckt?

 

In der Ausgabe des Magazins Science vom 9. April 2010 wurde berichtet, dass Prof. Lee Berger von der Witwatersrand-Universität in Johannesburg bei den Malapa-Höhlen (Region Sterkfontein, Südafrika) fossile Reste von zwei Skeletten gefunden habe, die laut Interpretation dieser Forscher »zu einem bisher unbekannten Vorfahren des Menschen gehören, der vor 1,95 b is 1,78 Millionen Jahren gelebt habe«.

 

Die Malapa-Höhlen gehören seit 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe, weil dort bereits Knochen eines 3,3 Millionen Jahre alten Australopithecus gefunden wurden. Die von Prof. Bergers Team gefundene Spezies wurde Australopithecus Sediba genannt, was sogleich zu einer Kontroverse unter den Forschern führte: Gehört diese Spezies in die Australopithecus- oder in die Homo-Kategorie?

 

In einem Artikel in Newsweek, der parallel zum Originalbericht im Magazin Science erschien, werden die Charakteristika dieser neu entdeckten Spezies Australopithecus Sediba wie folgt zusammengefaßt.

 

»Zum Beispiel hat Sediba (dieser Name bedeutet in der Sesotho-Sprache ‚Brunnen‘ oder ‚Springquell‘) einen extrem kleinen Kopf und ein extrem kleines Gehirn – Berger nennt diese Wesen ‚Stecknadelköpfe‘ (pinheads). Mit seinen 420 Kubikzentimetern (im Gegensatz zu den 510 kcm des bisher kleinsten bekannten Homo-Gehirns) ist der Kopf kleiner als der von Lucy, die eine Million Jahre früher gelebt hat. Offensichtlich verlief die menschliche Evolution nicht ohne Unterbruch von Vorfahren mit kleinen Hirnen zu Nachfahren mit größeren Hirnen. Das Becken und die Hüfte sehen etwas moderner aus und lassen ahnen, dass Sediba bereits gut aufrecht gehen konnte, so wie frühe Vertreter der Homo-Spezies; die Fortbewegung auf zwei Beinen ist ein typisches Kennzeichen für die Kategorie Mensch. Aber die Sediba-Spezies hatte so lange Arme, dass sie sie praktisch am Boden entlang schleifte: Berger verglich sie mit den Armen eines Miozän-Affen.«

 

 

Bei einer Katastrophe ums Leben gekommen

 

Die geologische Begutachtung der Fundstelle zeigte, dass diese zwei Wesen schlagartig begraben wurden, »vielleicht durch ein plötzliches Gewitter, das eine Schlammflut auslöste«. Prof. Berger vermutet, dass diese beiden Körper dann »in einen unterirdischen See oder Teich gespült wurden. Sie wurden nicht weit transportiert, vielleicht einige wenige Meter, wo sie versteinerten, wie wenn sie in einen schnell härtenden Beton geworfen worden wären«.

 

Interessanterweise wurden bei diesen zwei affenähnlichen Wesen noch viele Überreste von anderen Tieren gefunden: von Säbelzahntigern, Antilopen, Mäusen, Hasen usw. Prof. Paul Dirks von der James-Cook-Universität kommentiert: »Wir nehmen an, dass sich eine Art von Katastrophe (some sort of calamity) erreignet hat und dass sie die Ursache war, warum all diese Fossilien zusammen in die Höhle gelangten, wo sie abgelagert und dann zugeschüttet wurden.«

 

 

Affe oder Mensch?

 

Aus den Angaben, die bisher vorliegen, läßt sich noch nicht eindeutig schließen, welche Art von Lebewesen Sediba war. Der Verdacht ist jedoch groß, dass Sediba eine ausgestorbene Affenart ist: kleiner Kopf und kleines Gehirn, lange Arme, die bis auf den Boden reichen, geteilter Lebensraum mit Hasen, Mäusen, Antilopen, usw. Wie Hans-Joachim Zillmer in seinem Buch Die Evolutions-Lüge darlegt, ist die immer wieder bemühte Zeichnung der angeblichen Menschenevolution vom Affen über den gebückten Urmenschen zum Homo Sapiens wissenschaftlich nicht haltbar und entspringt einem Wunschdenken evolutionsgläubiger Menschen, wenn nicht sogar einer suggestiven Propaganda. Wie Zillmer aufzeigt, neigen heute sogar etablierte Paläontologen dazu, den Australopithecus und den »homo« habilis als Affen einzustufen. Wenn besagte Zeichnung richtig dargestellt würde, hätten wir auf der einen Seite also ausgestorbene Affen als Vorfahren der heutigen Affen und auf der anderen Seite ausgestorbene Menschenformen als Vorfahren der heutigen Menschen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, das Australopithecus Sediba zur ersten Gruppe gehört.

 

 

Ida: ein anderes falsches »Missing link«

 

Im Jahr 2009 wurde verkündet, Paläontologen hätten das vollständige fossile Skelett eines frühen Primaten gefunden, das Einblick gebe in die »frühe Evolution der Menschenvorfahren«. Zwei Amateurforscher hatten dieses Fossil in Deutschland im Jahr 1983 gefunden und in den Fossilienhandel gegeben, wo es mehrere Male die Besitzer wechselte, bis es zu Forschern gelangte, die es 2009 als »Missing link« in die Schlagzeilen brachten. Dieses Tier wurde anläßlich des Darwin-Jahres »Darwinius masillae« genannt, mit Übernamen »Ida«.

 

Heute, nur ein Jahr später, ist Ida kein »Missing link« mehr. Der Rummel um »Ida« als angebliches Missing link hatte mehr mit dem Darwinjahr als mit seriöser Wissenschaft zu tun gehabt. Auch kritische evolutionistische Forscher hatten von Anfang an darauf hingewiesen, dass bei diesem Fossil nichts auf eine frühe Übergangsform zum Menschen hinweise. Das Tier war zugegebenermaßen in einem guten Zustand: fast vollständig erhalten und sogar mit dem Fell fossiliert. Es hat die Größe eines Waschbären, jedoch mit einem langen Schwanz, und sieht im Großen und Ganzen aus wie ein heutiger Lemur, bis auf einige Details, die aber leicht durch Variation und Adaption erklärt werden können. »Darwinius masilae« ist als ausgestorbene Lemur-Art Vorfahr der heutigen Lemuren und hat nichts mit der Herkunft des Menschen zu tun.

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