Friday, 26. August 2016
30.03.2010
 
 

»Area 51« und der US-Präsident

Andreas von Rétyi

Nach wie vor gilt die weitgehend von der Außenwelt abgeschottete »Area 51« als die geheimste und daher auch faszinierendste Militärbasis der Welt. Dieser Nimbus mag sich teils dadurch begründen, dass wir bis dato andere, noch geheimere Strukturen einfach nicht kennen. Zudem dürfte kaum eine zweite moderne Stätte von einer ähnlichen Zahl an Mysterien umgeben sein, wie eben jenes ausgedehnte, hinter hohen Bergzügen verborgene Gelände im US-Bundesstaat Nevada. Neben den anhaltenden Gerüchten um Experimente mit außerirdischer Technologie richtet sich eine näherliegende Kernfrage auch auf die Rolle des US-Präsidenten und sein Wissen über die Vorgänge auf »Area 51«.

Anfang der 1990er-Jahre konnte ich mich persönlich von der Existenz eines Phantoms überzeugen: von der Realität einer militärischen Geheimbasis, deren Gesamtcharakter eher der Sciencefiction zu entstammen scheint als der harten Faktenwelt. Ich werde den Tag nie vergessen, an dem ich die gigantischen Gebäudekomplexe, Hangars und Rollbahnen von mit eigenen Augen sah. Damals war es noch möglich, einen Berggipfel aufzusuchen, der dem sehr weitläufigen Sperrgebiet am Groom Dry Lake direkt vorgelagert ist. Wegen seiner hellen Südwestflanke auch gerne White Sides genannt, erhebt sich der vulkanisch entstandene Berg am Ausläufer der breiten östlichen Zufahrtstraße, der Groom Lake Road.

Über dem Tikaboo Valley lastete eine drückende Hitze. Selbst auf den schrofferen Anhöhen strich ein lauer Wind durchs spärliche Gestrüpp. Die Sonnenhitze krallte sich in die ausgedörrte Landschaft und ließ auch den Aufstieg über die Geröllfelder der ziemlich steilen Bergflanke von White Sides zur schweißtreibenden Herausforderung werden. Aber die Mühe lohnte sich. Schon auf halbem Weg zum Gipfel zeigten sich die hell glänzenden Hangardächer der geheimen Basis, die Pisten, die Radarschüsseln, der Tower. Zu jener Zeit stritt das Militär die Existenz von Area 51 weitgehend ab, offiziell gab es dort lediglich ein »militärisches Areal«, bestenfalls ein Air-Force-Testgelände, mehr aber nicht. Kein Wort davon, dass sich dort eine riesige Forschungsstadt verbirgt, auf der Hunderte, ja sogar Tausende von Mitarbeitern mit Top-Secret-Freistellungen und darüber tätig sind. Und von den Projekten dort – ohnehin keine Rede!

Bis heute ist diese Basis hochaktiv, keines der Gerüchte um eine Stilllegung der Anlagen oder einen Umzug an einen noch geheimeren Ort haben sich je bestätigt. Bis heute arbeiten dort mächtige Regierungskontraktoren, militärische Einheiten und verschiedene Geheimdienste im Interesse der »Nationalen Sicherheit« an den fortschrittlichsten Projekten der USA, vor allem im Bereich der Avionik.

Laut eher offiziellen oder zumindest halboffiziellen Darstellungen begann alles nach einer Konferenz im Sommer 1953, auf der Präsident Eisenhower ein Abkommen der Supermächte vorschlug, ihre militärischen Anlagen gegenseitig jederzeit frei und offen überfliegen und fotografieren zu können. Nachdem allerdings die Sowjetunion ablehnend entschied, veranlasste der US-Präsident unmittelbar darauf die Schaffung eines neuen geheimen Projektes: Jene Basis in Nevada, die unter dem Namen Area 51 berühmt werden sollte. Woher dieser Name wirklich stammt, kann niemand mit Gewissheit sagen. Es gibt eine Reihe von Deutungen, ich persönlich favorisiere bisher einen Kontext mit dem Gründungsjahr der zuständigen Abteilung innerhalb des Air Force Flight Test Center auf der Edwards AFB, DET 3. Nachdem ich auf Unterlagen gestoßen war, die DET 3/AFFTC als (von militärischer Seite) federführend für Area 51 nachwiesen, erschien mir ein Gründungsdatum naheliegend, das gegenüber offiziellen Angaben um einige Jahre früher anzusetzen wäre: 1951.

Neben der am meisten verbreiteten Bezeichnung Area 51 aber firmiert die Anlage unter zahlreichen anderen Synonymen – The Ranch, Watertown, The Box, Dreamland, um nur einige zu nennen.

Präsident Kennedy soll einst eine Karte vorgelegt worden sein, auf der die Region als rotes Rechteck markiert gewesen sei, weshalb immer wieder auch vom Red Square die Rede ist. Am 8. Dezember 1962 besuchte JFK die Nuclear Rocket Development Station auf der Nevada Test Site. Über diesen Ortstermin wurde in den Medien umfangreich berichtet, doch war er nicht mit einem Aufenthalt auf Area 51 verbunden. Zumindest sind allerdings einige markante Regionen auf einer offiziellen Karte verzeichnet, die begleitend zu dem Ereignis erschien. Eingetragen sind hier auch Watertown und der Groom Lake. Aber mehr gibt diese Grafik auch nicht preis.

Natürlich sind die US-Präsidenten hinsichtlich der Basis nicht so ahnungslos, wie es uns beispielsweise der Kinostreifen Independence Day glauben machen will. Allerdings gibt es auch für Präsidenten eine Reihe von Limits, beginnend allein schon damit, dass ihre Beraterstäbe die Information maßgeschneidert selektieren. Nicht minder die direkt für die entsprechenden Geheimprojekte zuständigen Personenkreise. Im Hintergrund stehen ohnehin die wirklich Mächtigen des Landes, zu denen der Präsident eben doch nur bedingt zählt. Grundsätzlich aber besteht für ihn die Möglichkeit, der Basis einen Besuch abzustatten. Was ihm dann davon gezeigt wird, steht anderswo geschrieben. Immerhin aber ist der US-Präsident das Oberhaupt der Streitkräfte, sodass er allein schon daher jederzeit befugt ist, die per definitionem als schlichte Air-Force-Basis eingestufte Area 51 aufzusuchen. Allerdings ist nirgends ausreichend dokumentiert, dass auch nur ein einziger US-Präsident diese abgeschottete Einrichtung am Groom Lake jemals wirklich visitiert hat. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass hier nichts offiziell protokolliert wird. Allerdings wird jeder zuständige Berater dem Staatsoberhaupt nahe legen, von einem solchen Besuch tunlichst Abstand zu nehmen, ganz einfach wegen der damit verbundenen Publicity. Der amerikanische Historiker und intime Area-51-Kenner Peter Merlin hat kürzlich darauf hingewiesen, dass jede Abweichung vom Reiseplan eines Präsidenten, wie sie beispielsweise bei einem eher »privaten Abstecher« zur Basis auftreten würde, für eine unerwünschte öffentliche Aufmerksamkeit sorgen könnte. Und selbst in der Air Force One sind die Medien zugegen. Trotz dieser gewissen Einschränkungen darf davon ausgegangen werden, dass sich immer wieder Optionen geboten haben oder auch weiterhin bieten, einen solchen Besuch in völlig verdeckter Form zu organisieren und durchzuführen. Eine ganz andere Frage bleibt allerdings auch für den Präsidenten selbst offen: nämlich, wie weit ein solcher Aufenthalt neben der Satisfaktion einer gewissen persönlichen Neugierde letztlich Sinn macht, wenn doch klar ist, dass auch der Präsident durchaus davon ausgehen darf, nicht alles zu sehen, wenn er eben nicht alles sehen soll.

Hauptsache, er unterschreibt jedes Jahr brav die »Executive Order 10633«, welche die Sperrung des Luftraumes von Area 51/Dreamland regelt. Die Gestaltung des Informationsflusses liegt auch gegenüber dem Präsidenten nun einmal in den Händen anderer, die bereits weit länger »am Hebel« sitzen – nicht nur einige wenige Jahre, sondern gleich mehrere Jahrzehnte ohne Unterbrechung. Doch auch von Präsident zu Präsident darf durchaus von unterschiedlichen Verbindungen hinein in die »Schwarze Welt« von Area 51 ausgegangen werden. In diesem Kontext sei auch daran erinnert, dass der vor allem seinerzeit eng mit der Familie Bush verknüpfte Rüstungskonzern Carlyle, einer der Hauptgewinner von 9/11, ab Herbst 1999 für drei Jahre die Kontrolle über Area 51 übernahm, um ziemlich genau ein Jahr nach 9/11 wieder auszusteigen – diesen Vorgängen widme ich mich unter anderem in Denn sie wussten zu viel …. Insgesamt deuten sich hier wahrhaft beängstigende Zusammenhänge an, die sich durch eine ganze Reihe anderer, ziemlich seltsamer »Zufälle« weiter bestätigen. Zudem setzen sich Ausbau und Abschottung von Area 51 auch gegenwärtig immer weiter fort, neue Hangars wurden fertiggestellt, neue Varianten geländegängiger Sicherheitsfahrzeuge in Dienst gestellt und nicht zuletzt die Groom Lake Road ab der Sperrzone in Richtung Area 51 nunmehr geteert. Area 51 ist heute aktiver und abgeriegelter denn je, weit entfernt davon, ein schlichtes Ablenkungsmanöver zu sein. Und Obama muss ohnehin mit den Wölfen heulen.

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