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13 Milliarden Jahre altes Licht

Andreas von Rétyi

H. G. Wells hätte mit dem »Hubble«-Teleskop seine reine Freude – eine faszinierende Zeitmaschine, wenn auch nur entlang einer Einbahnstraße. Die allerdings wiederum führt tief in die Vergangenheit zurück und liefert Bilder aus einer Epoche, als Erde und Sonne noch lange nicht existierten. Neueste Aufnahmen zeigen die jüngsten Galaxien – und überraschten die Astronomen.

Wie sah das Universum vor 13 Milliarden Jahren aus?

 

Wer behauptet, diese Frage wirklich beantworten zu können, dürfte zunächst doch auf einige Skepsis stoßen. Denn damals dabei war doch keiner, woher sollen wir das alles also wissen? In Anbetracht der immer komplexeren Methoden und so mancher tatsächlicher Unwahrheit auch in den exakten Wissenschaften verwundert diese Skepsis nicht. Doch im Grunde verlassen wir uns tagtäglich auf Wissenschaft, vertrauen ihr sogar unser Leben an. Wir setzen uns in die verschiedensten Gefährte und verlassen uns weithin auf die Technik, deren Umsetzung auf praktischen Experimenten, aber auch wissenschaftlichen Theorien und Prinzipien beruht. Wir nutzen ständig Produkte der Wissenschaft – und sie funktionieren. Nun gut, in der Regel, sofern wir eben ein wenig Glück haben… Und die Zeitmaschine Universum, was hat sie Neues zu bieten? Astronomen haben mit Hubble jetzt  einen Blick in eine Zeit geworfen, die 13 Milliarden Jahre zurück liegt.

 

Ungeachtet aller Diskussion um die Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit bewegen sich Lichtteilchen offenbar immer zuverlässig und ziemlich gleich bleibend mit eben dieser einen enormen Rate vorwärts. Uns erscheinen die 300.000 Kilometer pro Sekunde unfassbar schnell, das ist immerhin über siebenmal in einer Sekunde um die Welt oder fast schon zum Mond. Im Weltraum allerdings schrumpft die Schnelligkeit bald auf Schneckentempo, wenn es nur weiter hinausgeht. Von der Sonne dauert es dann doch schon achteinhalb Minuten zur Erde, einige Lichtstunden bis zu den äußeren Planeten. Und wenn man dem Licht ein Jahr Zeit lässt, kommt dabei eine in Kilometern natürlich völlig unvorstellbare Strecke heraus, die als das Lichtjahr bekannt ist. Jeder Blick zum Nachthimmel führt uns bereits die kosmische Zeitmaschine vor. Wir sehen die nächsten Sterne so, wie sie vor einigen Jahren beschaffen waren – eben wegen der Lichtlaufzeit. Kosmische betrachtet sind ein paar Jahre natürlich gar nichts. Selbst einige Jahrmillionen sind noch nicht der Aufregung wert. Verrückt: Wir können die Andromeda-Galaxie, ein riesiges Sternsystem, gerade noch mit bloßem Auge am Himmel sehen. Und die schwebt sage und schreibe fast drei Millionen Lichtjahre weit draußen durchs All. Jeder, der sie »heute Nacht« ins Visier nimmt, sieht sie, wie sie vor drei Millionen erschien. Sehen wir heute einen Stern dort explodieren und grell aufleuchten, dann geschah das vor drei Millionen Jahren. Die Zeitmaschine funktioniert. Und Hubble geht wirklich an die Grenzen. Jetzt gelang es dem Weltraumteleskop, eine wirklich extrem ferne Milchstraße abzubilden, die Galaxie A1689-zD1. Sie zeigt Strukturen, die mit keinem anderen Teleskop sichtbar sind. Die Nah-Infrarot-Kamera mit Multi-Objekt-Spektrometer (NICMOS) an Bord von Hubble zeigt eine junge, ungestüme Galaxie, die einen regelrechten Feuersturm der Sternentstehung erlebt – in einem Maß, wie es die Astronomen nicht erwartet hätten. Die Galaxie ist überraschend hell für ihre Entfernung. Sie zählt zu den ersten Sterneninseln, die begannen, das Universum mit Licht zu erfüllen, nachdem die dunkle Ära (»dark ages«) von kaltem Wasserstoff dominiert war, der das All als dichter Nebel durchzog und somit die Ausbreitung von Licht großteils verhinderte, so glauben heute die meisten Fachleute. Wenn von überraschender Helligkeit die Rede ist, dann muss man diese Aussage anhand der Distanz relativieren. Absolut ist A1689-zD1 extrem lichtschwach und erscheint sogar auf lediglich anders konfigurierten Hubble-Aufnahmen nicht. Nur weil die Schwerefelder des vorgelagerten Galaxienhaufens Abell 1689 (daher auch der »Vorname« der Galaxie) wie eine Linse wirken und ihr Licht konzentrieren, wird sie erkennbar. Noch genauere Beobachtungen der jungen Galaxie und damit auch des Universums vor fast 13 Milliarden Jahren sollen in näherer Zukunft möglich werden – wenn das neue große Weltraumauge, das James Webb Space Telescope (JWST) hoffentlich erfolgreich ins All geschossen wird.

 

Freitag, 07.03.2008

Kategorie: Allgemeines

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