Ahmadinejads provozierende Prophezeiung: Israels Zusammenbruch ist nicht mehr fern
Der iranische Staatspräsident Mahmoud Ahmadinejad ist als geschickter Taktiker bekannt. Manche bezeichnen ihn gar, was seine Vorgehensweise anbetrifft, als verschlagen. …
Auf der einen Seite zeigte er sich gelegentlich verhandlungsbereit, wenn es um das iranische Atomprogramm ging, auf der anderen Seite provozierte und provoziert er regelmäßig die Vereinigten Staaten und Israel durch mitunter sehr klare, stellenweise aber auch recht vieldeutige Äußerungen. Wie die israelische Tageszeitung Haaretz am 30. Januar berichtete, hat Ahmadinejad bei einer Rede in der südiranischen Hafenstadt Busher den nicht mehr abzuwendenden »Zusammenbruch Israels« vorausgesagt und den Westen in diesem Zusammenhang aufgefordert, diesen Sachverhalt als Faktum anzuerkennen. Er forderte die westliche Politik weiterhin auf, damit aufzuhören, »die Zionisten zu unterstützen«, da ihre Nation die letzte Etappe ihrer Existenz erreicht habe: »Akzeptiert, dass das Leben der Zionisten früher oder später zu Ende gehen wird.« Und fügte kurz darauf hinzu: »Was wir im Moment vor uns sehen, ist das letzte Kapitel, dem die Palästinenser und die Staaten in der Region entgegentreten werden und das sie letztlich zugunsten Palästinas wenden werden.«
Offensichtlich spielt Ahmadinejad damit u.a. auf die Ereignisse im Gaza-Streifen an. Die israelische Politik hatte versucht, durch eine Energie- und Versorgungsblockade den aus dem Gaza-Streifen heraus erfolgenden Beschuss israelischen Bodens mit Raketen zu verhindern. Daraufhin wurde in einer von langer Hand vorbereiteten Aktion, über die israelische Sicherheitsbehörden informiert waren, ihr aber nichts entgegenzusetzen hatten, der Grenzzaun nach Ägypten in Teilen zerstört, so dass die Palästinenser nach Ägypten gelangen konnten, um sich mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen. Die Bilder gingen dieser Tage um die Welt. Damit wurde – betrachtet man die Situation ganz nüchtern – die Taktik der Israelis umgangen, ja unterminiert.
Dass die israelische Politik stets nur die der Stärke war, ist allgemein bekannt. Doch zeigt sich in letzter Zeit, dass jene Taktiken, die früher zum Erfolg führten, heute nicht mehr so recht funktionieren wollen. Das erste Teildesaster ereignete sich im Libanon-Krieg 2006, der zwar in der israelischen Propaganda zunächst als Sieg verkauft wurde, sich letztlich aber als Fehlschlag erwies – mit unangenehmen Folgen für Olmert.
Israel geriet weiter unter Druck, als US-Präsident Bush, ein enger Verbündeter der israelischen Führung, die jüngste Nationale Geheimdiensteinschätzung (NIE) überreicht bekam, in der klar zum Ausdruck gebracht wurde, dass der Iran sein militärisches Atomprogramm gestoppt habe. In der Medienberichterstattung ging unter, dass NIE ein Quasi-Putsch der US-Geheimdienste gegen die Bush-Politik darstellt, denn George W. hat nunmehr ein erhebliches Problem, seine bisher vorgetragene Argumentationskette weiter aufrecht zu erhalten. Weshalb soll man militärisch gegen eine Nation vorgehen, wenn diese keine Atomwaffe herstellt, sondern lediglich Anreicherung betreibt, um Brennstäbe für Kernkraftwerke zu produzieren? Gewiss, das Thema »iranische Kernwaffe« ist nicht vom Tisch, die US-Geheimdienste sehen aber im Moment keinen Handlungsbedarf – eine Aussage, die den US-Falken um Bush so gar nicht in den Kram zu passen scheint. Und schon gar nicht den verantwortlichen Hardlinern in Israel, die sich einer massiven Bedrohung ausgesetzt sehen.
So verwundert es auch nicht, wenn in den Tageszeitungen Israels sowohl gegen den Iran als auch gegen NIE weiter Front gemacht wird. Das hat seinen Grund: Ministerpräsident Ehud Olmert hat vor etwas mehr als zwei Wochen vor dem Außen- und Sicherheitspolitischen Ausschuss der Knesset nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Israel keinesfalls bereit sei, einen »atomaren« Iran zu dulden. Was man darunter zu verstehen hat, bleibt der persönlichen Auslegung überlassen: Es könnte bedeuten, dass eine militärische Nuklearmacht Iran nicht geduldet wird, es könnte aber genauso gut heißen, dass auch ein Iran, der Kernenergie für friedliche Zwecke benutzt, nicht akzeptiert wird.
Wie dem auch sei: Olmert betonte jedenfalls, dass im Zusammenhang mit einem »atomaren« Iran alle Optionen in Erwägung gezogen würden. »Alle Optionen« bedeutet auch einen Krieg, der vielleicht sogar mit nuklearen Komponenten geführt wird. Olmert sollte vorsichtig sein: entsprechende Planungen in Bezug auf den Irak, die einst ebenfalls bestanden und über die gut unterrichtete Quellen bereits andeutungsweise informierten, waren nicht realisierbar. Glauben die israelischen Verantwortlichen allen Ernstes, dass Moskau und der Kreml einem Angriff auf den Iran tatenlos zusehen werden? Olmert spielt mit dem (atomaren) Feuer. Insofern könnte Ahmadinejad recht haben: ein Angriff Israels auf den Iran würde automatisch das Ende Israels bedeuten.
Freitag, 01.02.2008
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