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ALARMSTUFE ROT: Die Sicherungseinlagen der deutschen Finanzinstitute belaufen sich auf nur 4,6 Milliarden Euro!

Thomas Mehner

Die gegenwärtige Finanzkrise, ausgelöst durch das Platzen der Immobilienblase in den Vereinigten Staaten, hat auch hierzulande Opfer gefordert. Bekanntestes Beispiel: die IBK-Bank, eine Privatbank mit staatlicher Beteiligung. Finanzminister Steinbrück sah sich in ihrem Falle gezwungen, mehr als eine Milliarde Euro in das marode Unternehmen zu pumpen, um Schlimmeres zu vermeiden: einen Dominoeffekt und ein Zerbrechen des finanziellen und politischen Systems in diesem Lande – und nicht nur hier …

Natürlich wurde das in der von mir soeben dargestellten drastischen Form niemandem gesagt. Man redet gern schön hierzulande. Ich halte aber mehr von Klartext. Und die Kuh ist noch lange nicht vom Eis.

Das Problem besteht nicht in der IKB-Bank, sondern in der Tatsache, dass weitere deutsche Finanzinstitute in Schieflage sind bzw. geraten können. Gut informierte Fachleute sprechen mittlerweile von 18 Milliarden Euro, die der Wahnsinn allein Deutschland, sprich die öffentliche Hand, kosten kann. Und unsere Politiker tun so, als sei dies die normalste Sache der Welt. Oder sie kommentieren es gar nicht, gibt es doch wichtigere Probleme, die man der Öffentlichkeit vorhält, beispielsweise das der Steuerhinterzieher.

Otto Normalverbraucher fragt sich indes, wie es möglich ist, dass die Steuergroschen des deutschen Michels in ein Fass ohne Boden versenkt werden, ohne dass die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Während die einen von der Steuerfahndung gejagt werden, nehmen die anderen ihren Hut in der Gewissheit, für die Zukunft bestens versorgt zu sein. Wo der Hartz-IV-Empfänger die ganze Härte des staatlichen Systems zu spüren bekommt, wenn er 3,50 Euro unversteuert in die Tasche zu stecken versucht, passiert rein gar nichts, wenn die staatlich legalisierte Steuerhinterziehung einschreitet und eine private Bank rettet. (Hat der Staat je einen von der Pleite bedrohten Selbständigen oder Mittelständler davor bewahrt?) Noch weniger geschieht, wenn man sich die Ignoranz und Unfähigkeit der Vorstände und Aufsichtsräte der betroffenen Banken anschaut: Sie haben offensichtlich bis zum letzten Tag, dem Tag der Wahrheit, des Nachts noch gut geschlafen – was zeigt, dass sie von dem, was sie eigentlich tun und können müssen, keinerlei Ahnung haben. Sie agieren wie einst Goethes Zauberlehrling mit dem Besen. Ein deutscher Autor gab ihnen daher schon vor Jahren den Titel »Nieten in Nadelstreifen«. Die wahren Zustände sind aber noch viel, viel schlimmer und so verwundert es nicht, dass bereits erste Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen eingegangen sind. Man kann nur hoffen, dass weitere folgen werden, denn die Straftatbestände der Untreue und des Betruges sind eindeutig erfüllt. Zudem: Es gab genügend Warnungen, es gab genügend Hinweise, dass das US-Immobiliengeschäft auf heißer Luft in einem ständig wachsenden Ballon beruhte und dieser irgendwann innerhalb kürzester Zeit platzen würde. Hinweise und Warnungen wurden jedoch nicht zur Kenntnis genommen, schließlich schien ja alles in bester Ordnung zu sein – wenn man in Richtung USA sah und den Beteuerungen der Federal Reserve Glauben schenkte.

 

Die Verantwortlichen haben es eilig – und verlassen das sinkende Schiff …

 

Ich möchte an dieser Stelle nicht die Ausführungen meines Redaktionskollegen F. William Engdahl wiederholen, der in seinen Darstellungen über den »finanziellen Tsunami« versucht hat, die Tücken des Systems aufzuzeigen. Fakt ist: Es wurde massiv manipuliert. Fakt ist: Die Verantwortlichen wussten und wissen bis heute nicht, was sie tun. Fakt ist auch: Das System ist undurchschaubar (gemacht) geworden. Wie in der Natur auch, neigen hochkomplexe Systeme dazu, unter bestimmten Bedingungen Krebs zu erzeugen – um sich schließlich selbst zu zerstören. Genau das ist geschehen. Das Weltfinanzsystem hat Krebs – und der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Um den Rest zu retten, müsste man den Kopf abschneiden. Aber keine Sorge, das wird nicht geschehen. Man hat ja schließlich alles im Griff …

Interessant – und höchst erschreckend – ist nun folgendes: Vor wenigen Tagen musste Deutschlands Finanzminister auf einer Sitzung, in der er wegen seiner Rettungsmaßnahme für die IKB heftig attackiert wurde, bildlich gesprochen die Hosen herunterlassen. Seine Kritiker hatten ihm vorgeworfen, private und genossenschaftliche Finanzinstitute sowie Sparkassen zu wenig gedrängt zu haben, sich an der Sanierung der IKB zu beteiligen. Diese hatten sich mit der Bereitstellung von Finanzmitteln tatsächlich auffällig zurückgehalten. Warum, wurde nun klar: Die Sicherungseinlage aller deutschen Banken beläuft sich auf mickrige 4,6 Milliarden Euro. Das bestgehütetste Geheimnis der deutschen Finanzwelt ist nun keines mehr.

4,6 Milliarden Euro sind Peanuts, wenn man bedenkt, mit welchen Summen deutsche Banken jeden Tag zu tun haben, wie hoch die Spareinlagen in Deutschland sind und welche Vermögen durch die Unternehmen in diesem Land verwaltet werden. Sie sind aber auch ein an Deutlichkeit nicht mehr zu überbietendes Zeichen, dass das Finanzsystem faul ist und auf hauchdünnen tönernen Füßen steht. Im Falle eines richtigen Börsenkrachs, der einen Einbruch der weltweiten Aktienkurse um beispielsweise 20 bis 30 Prozent nach sich zieht, dürften wohl diejenigen, die ihr Vermögen den deutschen Kreditinstituten anvertraut haben, in ein von mir so bezeichnetes Finanzielles Schwarzes Loch (FSL) schauen, das seinesgleichen sucht. Daher ist jeder Bewohnerin und jedem Bewohner dieses Landes dringend zu empfehlen, die bisherigen Geldanlage- und Spargewohnheiten zu überprüfen, was heißen soll: Sollten Sie mehr als 20.000 Euro auf dem Konto haben, bringen Sie diesen Überschuss in Sicherheit! Kaufen Sie Silber, kaufen Sie Gold, kaufen Sie andere Edelmetalle – wenn Sie an einer langfristigen Sicherung Ihres Vermögens interessiert sind. Freilich lässt sich mit günstig zu erwerbenden Aktien und anderem nutzlos bedruckten Papier in günstigen Fällen schnell Rendite erwirtschaften – langfristig sind aber diese »Bäume der Finanzwelt« noch nie in den Himmel gewachsen. Und was geschieht, wenn die Kernschmelze des Finanzsystems einsetzt? Dreimal dürfen Sie raten, wer da in die Röhre schaut: Sie!

In den 1990er-Jahren lernte ich über einen Bekannten einen wohlhabenden Bürger aus Amsterdam kennen. Der Mann kam aus dem Bankengeschäft und tat, was damals alle Banker taten: Er schwatzte seinen Kunden Aktien auf. Der Banker, selbst jüdischer Herkunft, praktizierte für sich selbst aber eine ganz andere Form der Anlage. Er sah weniger auf die Rendite als vielmehr auf den Werterhalt seines Vermögens: In seinem Allerheiligsten, dem Wohnzimmer, befand sich hinter einem alten Ölgemälde, das an der Wand hing, ein in diese eingelassener Safe, indem sich – ich werde den Anblick nie vergessen – eine braune Ledertasche befand, ähnlich jenen, die im 19. Jahrhundert die amerikanischen Ärzte mit sich nahmen, wenn sie zu ihren Patienten gingen. In dieser Ledertasche befand sich das, was der Mann für wichtig hielt: Goldmünzen und viele Brillanten. Er meinte, dies sei – im Falle eines Falles – seine Lebensversicherung: sofort entnehmbar und transportabel …

Wann wacht der deutsche Michel endlich auf?

Was Ihre eigene Vermögensplanung anbetrifft, so kann ich nur raten, sich selbst mit dem Thema auseinanderzusetzen, verschiedene Meinungen zu hören, sich aber nicht irre machen zu lassen, und dann eine konservative Anlageform zu wählen. Ich traue schon seit Jahren keinem Banker mehr über den Weg. Ich erinnere mich noch gut daran, dass vor längerer Zeit mein (damaliger) Bankberater mir vom Erwerb des »toten gelben Metalls« dringend abriet, als ich dafür Interesse zeigte. Ich habe ihn damals ausgelacht, und tue das auch heute noch. Die Zahl der wirklichen Finanzspezialisten ist äußerst gering, was man immer dann erkennen kann, wenn das System in die Krise gerät: Sie verstecken sich hinter ihren Bildschirmen, telefonieren nervös und hoffen, dass alles nicht so schlimm kommen möge. Die Hoffnung allerdings hat noch niemals jemanden geholfen, einer Krise zu entkommen. Und höre ich dann noch, dass der Ex-Fed-Chef Alan Greenspan nun als Berater für ein deutsches Bankinstitut arbeitet, dann frage ich mich ernsthaft, was in diesem Lande vor sich geht. Mich erinnert das Ganze an ein Szenario, wie es schlimmer nicht mehr kommen kann: Der Wolf bewacht die Schafherde. Gute Nacht, Deutschland!

 

Freitag, 07.03.2008

Kategorie: Allgemeines, Enthüllungen, Wirtschaft & Finanzen

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