Unausweichlich ist der Marsch von der Finanz- in die Staatsbankrottblase erfolgt. Für viele Politiker und Notenbanker ist die Flucht in die Inflation die vermeintlich bequemste Lösungsstrategie. Natürlich sprechen das nur Wenige offen aus.
Historisch hohe Schulden
Doch Tatsache bleibt, die Fed hat die Märkte seit Krisenbeginn im Jahr 2008 mit Milliarden überschwemmt. Eine höhere Inflation und neue Spekulationsblasen können die Folgen sein. David A. Paterson, Gouverneur von New York, warnt: »Zentralbanken, die eigentlich nur ein bisschen Inflation wollten, könnten am Ende sehr viel mehr Inflation bekommen.«

Massenarbeitslosigkeit (im Zuge der Krise gingen bisher acht Millionen Arbeitsplätze verloren), die Rekordzahl an Privatinsolvenzen, die Klemme bei den Konsumentenkrediten, die gestiegene Sparrate, der Ausfall des Konsummotors und die tief gefallenen Hauspreise bringen die USA in immer größere Schwierigkeiten.
Die Verschuldung der Vereinigten Staaten ist historisch einmalig und gigantisch: rund 12,5 Billionen Dollar. Täglich wächst der Schuldenberg um 1,7 Milliarden Dollar an. Die Staatsschuldenquote erhöhte sich von 70,7 Prozent im Jahr 2008 auf aktuell 75,5 Prozent. 2011 soll sie bei 87,7 Prozent liegen, 2030 sogar bei 140 Prozent des BIP.
Die Gesamtverschuldung (Staat, Haushalte, Unternehmen) beträgt rund 50 Billionen Dollar. Im Jahr 2019 werden 700 Milliarden Dollar allein für den Schuldendienst benötigt. Damit würden 17 Prozent der gesamten Budgeteinnahmen für die Schuldentilgung aufgewendet – mehr als das Doppelte von heute.
Für Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff sind die Staatsschulden »das schwerste Erbe der Finanzkrise«. Fred Bergsten, Chef des Peterson-Institutes, mahnt: »Wenn wir das in den nächsten fünf Jahren nicht korrigieren, dann ist unsere weltweite Rolle tatsächlich in Gefahr.«
China ist der Dealer für die Amerikaner
China entpuppt sich (noch) als Retter in der Not, denn es kauft täglich eine Milliarde Dollar an. Mehr als der Rest der Welt zusammen. In meinem Artikel »Ausverkauf: China gehört ein großer Teil der USA« habe ich bereits darauf hingewiesen, dass ohne Peking in den USA praktisch nichts mehr geht. Mark Calabria vom wirtschaftsliberalen Cato Institute sieht diese Abhängigkeit noch viel dramatischer: »China ist der Heroin-Dealer, und wir sind die Süchtigen.« Süchtige, die den Ausgang nicht finden, setzen sich irgendwann den goldenen Schuss.
Auch die Sozialkassen stehen vor schweren Zeiten: Ihnen geht in den nächsten fünf Jahren unweigerlich das Geld aus. Andrew Biggs vom American Enterprise Institute mahnt: »Wenn wir das Kostenproblem nicht in den Griff bekommen, dann geht es uns wie Griechenland.«
Schulden als Angelegenheit der nationalen Sicherheit
Nicht umsonst warnte US-Außenministerin Hillary Clinton bereits im Februar vor dem Kongress: »Wir müssen das Defizit und die Schulden als Angelegenheit der nationalen Sicherheit betrachten, nicht nur als ökonomisches Problem.«
Schulden als Angelegenheit der nationalen Sicherheit – das sind wahrlich starke Worte und eröffnen eine neue und ganz andere Dimension der Auseinandersetzung. Das zeigt aber auch, wie groß die Angst vor einem Staatsbankrott in der politischen Führungsriege der Vereinigten Staaten schon ist.
40 Prozent aller US-Banken sind in ihrer Existenz bedroht
Und jetzt kommt auch noch eine neue Gefahr: »Tsunami an Kreditausfällen rollt auf die US-Wirtschaft zu«, schreibt das Handelsblatt. Und weiter: »Die Blase für Gewerbeimmobilien ist geplatzt. Jetzt droht wegen der Überschuldung der Bauherren vielen Banken die Pleite.«

Unternehmensberater Toni Wood sagt: »Wie nie zuvor in der Geschichte wird, in den nächsten drei Jahren eine riesige, hurrikanartige Welle fällig werdender Hypotheken hochverschuldeter Bauherren über die US-Wirtschaft hereinbrechen.« Experten fürchten, dass explodierende Insolvenzzahlen in der Baubranche zu weiteren Bankenzusammenbrüchen führen könnten. Harvard-Professorin Elizabeth Warren schlägt Alarm: »Bis zu 3.000 mittelgroße Banken haben eine gefährliche Konzentration von Gewerbeimmobilienkrediten in ihren Büchern.« Die Deutsche Bank rechnet damit, dass 65 Prozent der zur Refinanzierung anstehenden Hypotheken ausfallgefährdet sind. Somit wären 40 Prozent aller US-Banken in ihrer Existenz bedroht. Für sie geht es um alles oder nichts.
Ein amerikanischer Super-GAU scheint unausweichlich.
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Quellen:
http://zfacts.com/p/461.html
www.bundesfinanzministerium.de
Le Monde diplomatique: Atlas der Globalisierung, Berlin 2009, S. 63
Der Spiegel, 51/2009, S. 95
Handelsblatt vom 07.04.2010
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