Alles Schlechte kommt von oben: immer mehr Überwachung der Bürger aus der Luft
Drohnen sind unbemannte Luftfahrzeuge, die einst von Militärs für die gefahrlose Erkundung feindlicher Gebiete entwickelt wurden. In immer mehr EU-Staaten setzt die Polizei insgeheim Drohnen ein, um die eigene Bevölkerung zu überwachen.
Das britische Verteidigungsministerium hat unbemannte Flugzeuge erfolgreich in Afghanistan getestet. Nun sind sie perfekt zur Überwachung feindlicher Gebiete – und sollen nach dem Willen des Londoner Innenministeriums künftig im Inselreich zur Überwachung der eigenen Bevölkerung eingesetzt werden. Der Polizei soll damit in »Echtzeit« geholfen werden, Kriminelle aufzuspüren. Man weiß, dass dieses Vorhaben wieder einmal Schlagzeilen über den Überwachungsstaat bewirken wird. Doch das wird die britische Regierung wohl kaum stören. Denn andere EU-Staaten haben die Drohnen zur Überwachung der eigenen Bevölkerung längst eingeführt – allerdings ganz still und ganz leise. Beispiel Frankreich: In den von Zuwanderern bewohnten Vorstädten (»Banlieus«) kommt es immer wieder zu schweren Unruhen. Bis Dezember 2007 wurden Hubschrauber zur Überwachung der Trabantenstädte eingesetzt. Das aber bekamen die Bewohner mit. Und sie reagierten aggressiv. Seit 15. Dezember 2007 regelt »ELSA« das Problem. ELSA steht für »Engin Léger de Surveillance Aérienne«, auf Deutsch »Leichtes Gerät für die Luftüberwachung«. Es handelt sich um eine nur 600 Gramm schwere Drohne mit einer Miniaturkamera. Die Ermittler brauchen nicht in den Trabantenstädten vor Ort zu sein, um Bilder oder Informationen aus erster Hand zu bekommen. Die Bilder werden direkt in eine Kommandozentrale übertragen. Auch in Dänemark, Spanien und in Italien gibt es schon Drohnen, die dort in den Ballungsgebieten zum Einsatz kommen. In Israel überwacht man inzwischen sogar den Straßenverkehr mit Drohnen und ahndet Verkehrsverstöße mithilfe der Aufnahmen. Und wer im amerikanischen Florida weilt und dort Miami besucht, der wird garantiert von einer der zahlreichen Drohnen aufgenommen (produziert werden sie dort von Honeywell).
Es gibt Drohnen, die sehen aus wie Flugzeuge. Mit ihnen wird etwa die Grenze zwischen den USA und Mexiko überwacht (Bild rechts). Und andere haben die Form kleiner Hubschrauber oder fliegender Untertassen. Man hat allerdings überall das gleiche Problem: der Luftraum über den Ballungsgebieten ist ziemlich voll. Und weil niemand mitbekommen soll, wann welche Drohne über welchem Wohngebiet welche Bevölkerungsgruppe überwacht, besteht immer das Risiko, dass ein Rettungshubschrauber oder ein kleiner Privatflieger den Weg der Drohne kreuzt – mit ungeahnten Folgen.
Mittwoch, 25.02.2009
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