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Altägyptische Geheimnisse und eine japanische Universität

Andreas von Rétyi

Seit 40 Jahren spüren Ägyptologen der japanischen Waseda-Universität alten Rätseln am Nil nach. In den kommenden Monaten zeigt eine Jubiläumsausstellung einige interessante Funde – auch der Chef der Altertümerverwaltung in Kairo äußert sich begeistert. Doch wie begeistert ist man dort wirklich, wenn Forscher etwas finden, was nicht im Einklang mit der etablierten Lehre steht?

»Können Sie etwas sehen?« – »Ja, wunderbare Dinge!« – Dieser kurze Dialog zweier Entdecker macht bis heute seine Runde um die Welt. Es waren die Worte, welche Howard Carter mit seinem Finanzier Lord Carnarvon bei der Öffnung des Grabes von Tutanchamun wechselte. Als Carter die Kerze durch ein kleines Mauerloch hielt und in die jahrtausendelang im Dunkel verborgene Kammer blickte, sah er unglaubliche Reichtümer aus der alten Zeit. Heute wird dieser kostbarste Schatz unseres Planeten im Ägyptischen Museum in Kairo präsentiert.

Wunderbare Dinge zeigt auch eine dortige Sonderausstellung, die sich den Funden der japanischen Waseda-Universität widmet. Sie führte über die vergangenen vier Jahrzehnte ausgiebige archäologische Grabungen an mehreren bedeutenden Stätten altägyptischer Kultur durch. Die Ausstellung zeigt fünf Dutzend bislang nie gezeigter Exponate aus der Nekropole von Abusir, aus Dashur und aus Malkata an Luxors West Bank. Fantastische Kunstwerke lassen menschliche Schicksale und Lebensart der Pharaonenkultur lebendig werden, Fayence-Schmuck von Amenophis III. und seines Enkels Tutanchamun, goldene Ringe aus Amarna, Ushebti-Behälter aus Keramik, mit Hieroglyphen bedeckte Skarabäen, Terrakotta-Statuen mit dem Namen von König Khufu und zahlreiche andere Gegenstände hüllen den Besucher der Ausstellung wie eh und je in die verzauberte Aura des alten Ägypten. Rätselhaft sind auch Sandstein-Scherben mit hieroglyphenartigen Schriftzeichen, deren Ursprung niemand so recht erklären kann. Fachleute vermuten, bei diesen Fragmenten könnte es sich um einfache Hilfsmittel gehandelt haben, um die Anwesenheit von Arbeitern auf einfache Weise zu kontrollieren. Jene Bauleute waren in Deir el-Medina untergebracht, einem kleinen Dorf nahe dem grandiosen Felsentempel der Königin Hatschepsut und dem Tal der Könige.

Begeistert von der aktuellen Schau zeigt sich auch Dr. Zahi Hawass, Chef der ägyptischen Antikenverwaltung: »Dies ist eine einzigartige Ausstellung, die uns Geschichten aus dem Sand erzählt.« Hawass hebt die Leistungen der japanischen Forscher hervor, vor allem auch von Sakuji Yoshimura, der sein Leben der ägyptischen Kultur verschrieben hat. Yoshimura führte moderne Techniken in die Ägyptologie ein, wendete geologische Messinstrumente an, darunter auch ein spezialisiertes Untergrund-Radar, und er analysierte Satellitenbilder, um unterirdische archäologische Relikte aufzuspüren. Mit elektromagnetischem Bodenradar stieß Yoshimura unter anderem auf das zweite Sonnenboot des Cheops.

Die Waseda-Wissenschaftler fanden eine ganze Reihe hoch interessanter Hinweise im Untergrund. Sie entdeckten einen Anomalie, die unter der Großen Pyramide in südliche Richtung geradlinig nach außen verläuft. 1987 schon begann eine Forschergruppe der Waseda-Universität mit der Suche nach geheimen Kammern in der Pyramide. Auch der Sphinx war Gegenstand dieser spannenden Arbeit. Dabei fanden sie etliche Hinweise auf unbekannte Gänge und Hohlräume. Eigentlich sensationell! Was aber geschah daraufhin? Wurden die Funde weithin publik gemacht? Mitnichten!

Die heißen Spuren der Waseda-Wissenschaftler bekamen die kalte Schulter der federführenden Ägyptologie gezeigt. Damals machten sogar einige bissige Bemerkungen die Runde, und manche scheuten sogar nicht davor zurück, die Entdeckungsmeldungen der Japaner als geschickte Werbeaktion oder gar Pseudowissenschaft zu titulieren! Bald sprach niemand mehr von den bemerkenswerten Messdaten und all den Hinweisen auf geheime Kammern und Schächte. Heute auch nicht. Da nützen auch die überschwänglichen Lobeshymnen nichts, die nun aus dem Büro des Antikenchefs zu vernehmen sind. Im Grunde geht es jetzt wohl eher um Publicity. Doch von den wirklich bemerkenswerten Entdeckungen erfahren die Besucher der Ausstellung nichts – wie eben meistens. Denn manches davon könnte vielleicht ein fest gefügtes Schema in Frage stellen und das Bild der ägyptischen Geschichte nachhaltig verändern.

 

Montag, 17.08.2009

Kategorie: Allgemeines, Wissenschaft

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