Amerikanischer Biosprit fällt der Depression zum Opfer
Wenn es bei der sich immer noch weiter verschärfenden weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise etwas Gutes gibt, dann dies: Die vor zwei Jahren noch boomenden selbstmörderischen Pläne für den Ausbau von Biosprit sind jetzt ebenfalls in die Krise geraten, vor allem in den Vereinigten Staaten. Nahrungsmittelpflanzen wie Mais, Sojabohnen oder Raps anzubauen und dann als Treibstoff zu verbrennen, ist nicht nur wissenschaftliche Spinnerei, es ist darüber hinaus auch umweltschädlich, und zwar in viel größerem Maße als das bei herkömmlichen Treibstoffen der Fall ist. Diese Pläne waren aber auch Teil eines »Großen Eugenik-Plans« führender Kreise in den USA und in der EU, die das ganze Trara um den Biosprit ausnutzen wollten, um die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe zu treiben – und das insbesondere für die Ärmsten auf der Welt. Dadurch wollten diese Kreise ihrem Plan zum »Verkleinern der Herde« – so hat es der britische Kronprinz Charles einmal entlarvend genannt – Auftrieb verleihen. Jetzt meldet die US-Regierung düstere Aussichten für den zweitgrößten Biosprit-Markt der Welt.
Laut einem soeben veröffentlichten Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) liegen heute 15 Prozent der bestehenden Produktionskapazitäten für Biosprit brach – es war also nichts mit dem boomenden Markt für den Bau von entsprechenden Raffinerieanlagen, wie noch im Jahr 2008 erwartet.
Die amerikanische Ethanol-Industrie ist nach Angaben des Ministeriums infolge der gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen unter erheblichem Finanzdruck. Laut Bericht haben der sinkende Benzinverbrauch und die niedrigeren Preise in den vergangenen Monaten die Anreize für die Beimischung von Ethanol vermindert. Die Terminpreise für Rohöl sind von dem Rekordhoch von 147 Dollar pro Barrel im letzten Sommer auf derzeit etwa 45 Dollar gefallen.
Die Energy Information Administration (EIA, Informationsbehörde für Energiefragen), die Prognosen für die US-Regierung für Energie abgibt, hat vergangenen Monat ihre Schätzung über den Ölbedarf im Jahr 2009 um 400.000 Barrel pro Tag (bpd) gesenkt; als Grund wurde die verlangsamte Weltwirtschaft genannt. Die EIA erwartet, dass der weltweite Ölbedarf in diesem Jahr gegenüber dem Wert von 2008 um 1,17 Millionen bpd auf 84,70 Millionen fallen wird; 2007 war mit 85,9 Millionen bpd der Höchststand erreicht worden.
Der zweitgrößte Ethanolproduzent der USA, die VeraSun Energy Corp., war gezwungen, wegen der hohen Maispreise und mangelnder Finanzmittel Gläubigerschutz zu beantragen. Das Unternehmen hat eingewilligt, fünf Produktionsstätten für 280 Millionen Dollar an die führende amerikanische Erdölraffinerie Valero Energy Corp. zu verkaufen. Weitere Schließungen auf diesem Gebiet sind nach Angaben des USDA-Berichts zu erwarten, da aufgrund des langwierigen Prozesses von der Entscheidung zum Bau eines Ethanolwerkes über das Genehmigungsverfahren bis hin zur Fertigstellung die Werke, deren Bau im Jahre 2007 begonnen hat, noch vor der Fertigstellung stehen, was für den Ethanolmarkt mehr als ein Überangebot bedeutet.
Nach Angaben des amerikanischen Verbands für Erneuerbare Treibstoffe liegt die derzeitige Produktionskapazität bei 12,4 Milliarden Gallonen [knapp 50 Mrd. Liter], einschließlich der gegenwärtig nicht betriebenen Anlagen; Kapazitäten für weitere 2,1 Milliarden Gallonen sind im Bau oder befinden sich im Prozess der Ausweitung. Schätzungen zufolge sind Produktionsanlagen für mindestens 2,0 Milliarden Gallonen stillgelegt worden. Das US-Landwirtschaftsministerium subventioniert die Ethanol-Produktion; außerdem besteht in den USA die gesetzliche Verpflichtung, in den nächsten Jahren dem herkömmlichen Benzin einen steigenden Anteil von Ethanol beizumischen. Diese Verpflichtung bedeutet, dass ein bestimmter Mix von Biosprit verbrannt werden muss. Man geht davon aus, dass steigende Biospritanteile die Nachfrage und den Preis für Mais im Vermarktungsjahr 2009/10, das am 1. September beginnt, stützen werden.
Die US-Regierung verlangt verstärkten Einsatz von Ethanol
Die US-Regierung hat per Gesetz verfügt, dass Treibstoffen bestimmte Mengen von Ethanol beigemischt werden, eine unsinnige Formel, die darauf angelegt ist, dass der Preis für Getreide weltweit wieder in die Höhe schießt, wie das schon im Jahr 2008 der Fall war. Im Mai 2008 ergab eine von der Weltbank entworfene Studie, dass damals ganze 75 Prozent des dramatischen weltweiten Preisanstiegs für Getreide, d.h. für Mais, Sojabohnen, Reis und Weizen, direkt auf die Subventionen der US- und EU-Regierungen, Getreide für die Verbrennung als Treibstoff anzubauen, zurückzuführen war. Die Studie wurde auf Anweisung der Bush-Regierung unterdrückt, weil sie angeblich ihre Bemühungen beim damaligen UN-Welternährungsgipfel in Rom durchkreuzte, GVO-Landwirtschaft als »Antwort auf die globale Nahrungsmittelkrise« zu präsentieren. Diese Krise war »Made in USA«“, und zwar durch die
Subventionen der Bush-Regierung an Landwirte, die auf ihren Äckern Pflanzen für Biosprit anbauen.
Hinter dem Biosprit-Schwindel steht die mächtige Lobby der amerikanischen Agrobusiness-Unternehmen im Verein mit den großen Ölmultis, die eine goldene Profit-Chance wittern, wenn sie Biosprit in ihre Produktpalette aufnehmen.
Der verordnete Einsatz von Ethanol steigt von 10,5 Milliarden Gallonen im Jahr 2009 auf zwölf Milliarden Gallonen 2010. Das bedeutet, dass 14 Prozent mehr Mais für die Biosprit-Produktion angebaut werden müssen. Bei vorausberechneten 4,1 Milliarden Bushel sind dies 33 Prozent der gesamten Maisproduktion des erwarteten Mais-Verbrauchs im Zeitraum 2009/10, ein Anstieg gegenüber den bisher geschätzten 30 Prozent im laufenden Vermarktungsjahr.
Die amerikanische Energy Policy Research Foundation, Inc. (EPRINC, Stiftung zur Energiepolitikforschung) hat jetzt einen Bericht herausgegeben, in dem die Folgen der Steigerung von Ethanol im US-Benzinpool über das gegenwärtige Niveau heraus auf den Treibstoff für den US-Transportsektor untersucht werden. Zurzeit liegen die Werte für Ethanol bei etwa zehn Prozent der Gesamttreibstoffmenge. Ein weiterer Anstieg von Ethanol ist durch ein US-Bundesgesetz vorgeschrieben. Aufgrund dieser gesetzlichen Vorschrift muss dem Gesamttreibstoff über zehn Prozent Ethanol beigemischt werden, das Verhältnis soll sogar noch steigen. Diese verordnete Menge könnte laut Einschätzung von EPRINC in den nächsten zwei bis drei Jahren die Benzin- und Destillatpreise leicht um zehn bis 25 US-Cents pro Gallone erhöhen.
Die Ethanolwirtschaft ist eingebrochen
Wäre der Großhandelspreis für Benzin bei über drei Dollar pro Gallone geblieben und die Nachfrage gleichermaßen gestiegen, dann hätten die vom US-Kongress verlangten Ethanol-Anteile zu relativ gemäßigten Kosten geliefert werden können. Aber jetzt beginnt in der US-Wirtschaft eine Phase negativer Nachfrage nach Transport-Treibstoffen, und die Großhandelspreise für Benzin werden auch weiterhin deutlich unter 1,50 Dollar pro Gallone liegen. In diesem Marktumfeld werden zusätzliche Mengen von Ethanol für den Benzinpool wahrscheinlich einen erheblichen Preisanstieg für E-10- und Dieseltreibstoffe erforderlich machen, denn die Raffineriebetreiber und Vermarkter müssen höhere Kosten verkraften, wenn sie diese Forderung erfüllen wollen. Diese höheren Kosten entstehen durch die geringere Auslastungsrate der amerikanischen Raffinerien und die höheren Verteilungskosten für Ethanol. Die Raffineriebetreiber müssen möglicherweise einen Dollar oder mehr pro Gallone Ethanolmischung für den Transporttreibstoffsektor zurückbekommen.
Ursache der steigenden Kosten sind laut EPRINC die teuren und vorhersagbaren Verrenkungen der gesetzlichen Bestimmungen.
Montag, 09.03.2009
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