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Aus der Traum? – Florida in schwerem Krisensturm

Michael Grandt

Sonne, Sand, Senioren. So kennen wir den US-Bilderbuchstaat Florida. Doch die Weltwirtschaftskrise hat auch hier zugeschlagen – viel früher als anderswo sonst. Aber niemand hat es ernst genommen.

Nicht nur für uns ist Florida ein beliebtes Reiseziel. Aus allen Teilen der Welt reisen jährlich Millionen von Menschen in den Sunshine-State, um sich zu erholen und das tolle Land zu erleben. Aber in diesem Jahr sind die Boote und Jeeps der Reiseveranstalter halb leer.

Seit 1940 hat sich die Bevölkerung in Florida auf 18,3 Millionen Menschen verzehnfacht. Menschen kamen, liebten das schöne Wetter und blieben. Die Einheimischen verkauften ihnen Häuser, richteten ihre Zähne wieder her, boten ihnen Jakobsmuscheln an und der Staat verdiente sich eine goldene Nase mit Immobiliensteuern. So war es bis vor Kurzem. Aber wenn sich der Zustrom verlangsamt, ist es schwieriger Häuser zu verkaufen. Die Folge: Die Wirtschaft lahmt.

 

Insolvenzen, Arbeitslosigkeit, Immobiliencrash

Florida hat es schwer. Trotz seiner vielen Attraktionen, wie beispielsweise Disney World, Delphin-Schwimmen und dem Space-Center, sind in diesem Jahr 10,6 Prozent weniger Touristen gekommen, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die seit fast einem Jahr anhaltende Weltwirtschaftskrise zwingt die Menschen, den Urlaub aufzuschieben oder gar ganz abzusagen. Und jene, welche kommen, geben weniger aus. Das trifft die Einheimischen hart.

Inzwischen ist auch Floridas Immobilien-Blase mit einem gewaltigen Knall geplatzt. Tausende leere Eigentumswohnungen reihen sich an der Ostküste entlang. Der Mittelpreis einer Immobilie in Fort Myers ist seit dem Jahr 2006 um zwei Drittel gefallen. Die landesweite Arbeitslosenquote hat sich verdreifacht und ist auf 10,2 Prozent gestiegen. Unter den Arbeitslosen befinden viele Bauarbeiter wie Maurer, aber auch Reiseleiter und Angestellte in Disney-World, die jetzt ihre Mickey-Mouse-Masken abnehmen können.

Unternehmen kämpfen ums nackte Überleben oder sind schon insolvent. Viele, darunter auch Reiseveranstalter, haben ihre Preise drastisch gesenkt. Andere sind kreativer. Die Seaschool for merchant sailors in Sankt Petersburg zum Beispiel veranstaltet Kurse zum Umgang mit somalischen Piraten. Erfindungsgeist allein aber wird den Staat nicht aus der tiefen Krise bringen.

Eine weitere Gefahr droht vom Wetter. Einige der schönsten Häuser in Florida werden in regelmäßigen Abständen durch Wirbelstürme zerstört. Vor zwei Jahren beschwerten sich die Haus- und Wohnungseigentümer über immer höhere Versicherungsprämien, bis der Gouverneur versprach, diese zu subventionieren und die Tätigkeiten privater Versicherungen einzuschränken. Aber umsonst ist nichts. Denn jeder Hurrikan, der jetzt über das Land hinwegfegt und Verwüstungen anstellt, kostet jetzt den Steuerzahler viel Geld, nicht mehr die Versicherer.

 

Zeichen nicht erkannt

Man hat die Anzeichen einer drohenden Katastrophe nicht rechtzeitig erkannt oder verdrängt. Denn Floridas Rezession begann früher als in den anderen US-Bundesstaaten.

Mark Wilson, der Chef der Handelskammer von Florida, weist darauf hin, dass er bereits im Jahr 2007 einen Artikel im Wall Street Journal gelesen hatte, der titelte: »Ist es aus mit Florida?« Schon damals warnte das Blatt davor, dass der Sunshine-State nicht mehr nur auf Migration setzen solle, um dadurch das wirtschaftliches Wachstum anzukurbeln. Mark Wilson stimmt dem zu: »Wir haben schon vor 30 Jahren gewusst, dass es mit Florida vorüber ist.« Das hätte hellhörig machen sollen, hat es aber nicht. Dennoch hat der Staat eine Chance, aus dem Schlamassel wieder rauszukommen.

 

Gibt es einen Ausweg aus der Krise?

Experten meinen, Florida, dessen Wirtschaft auf Tourismus, Bau- und Landwirtschaft basiert, muss zu einem High-Tech-Land werden und dadurch viele neue Arbeitsplätze schaffen. Dieser Traum ist nicht abwegig, denn die amerikanische Weltraumbehörde NASA ist ein wichtiger Bestandteil eines High-Tech-Floridas, das viele Wissenschaftler aus der ganzen Welt anlockt.

Der Überhang an Senioren und Rentnern erhöht den Bedarf an Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen. Und Floridas Bildungssystem lässt zu wünschen übrig und benötigt dringend eine Erneuerung. Es gäbe also genug zu tun, um Investitionen zu tätigen und die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Obwohl die Krise in Florida erbarmungsloser als in vielen anderen US-amerikanischen Regionen zugeschlagen hat, ist die Chance groß, dass die Regierung es selbst schafft, aus dieser Situation wieder herauszukommen.

So viel Sonne, Strand und Senioren haben eben nicht viele Staaten zu bieten.

 

Montag, 13.07.2009

Kategorie: Wirtschaft & Finanzen

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