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Ausverkauf: China gehört ein großer Teil der USA

Michael Grandt

Die USA sind de facto pleite. Ausgerechnet der ehemalige »Klassenfeind« China ist nun ihr größter ausländischer Geldgeber.

Die USA brauchen aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise und dem immer noch andauernden Irak-Einsatz dringend ausländisches Geld, denn de facto ist der Staat pleite.

 

China finanziert die USA

Fast die Hälfte (44 Prozent) des gesamten US-Kapitals ist bereits in ausländischen Händen.

China ist nun seit September 2008 der größte ausländische Gläubiger der Vereinigten Staaten. Sein Anteil an US-Staatsanleihen beträgt 20,45 Prozent (585 Milliarden Dollar). Die chinesische Zentralbank sitzt auf einem riesigen Berg von Währungsreserven, der vor allem aus amerikanischen Staatsanleihen besteht. Somit finanzieren die Chinesen die Haushaltsdefizite der amerikanischen Regierung größtenteils mit.

Japan ist der zweitgrößte Gläubiger der Vereinigten Staaten mit 20,04 Prozent (573,2 Milliarden Dollar) Anteil an den US-Staatsanleihen, gefolgt von Großbritannien mit 11,83 Prozent (338,4 Milliarden Dollar) und den ölexportierenden Ländern mit 6,37 Prozent (182,2 Milliarden Dollar). (1)

 

Wie konnte es so weit kommen?

Das Defizit in der US-Leistungsbilanz resultiert daraus, dass die Amerikaner mehr konsumieren, als sie selbst herstellen. Die USA müssen deshalb den zusätzlichen Bedarf über die Einfuhr decken, seien es nun Spielwaren aus China und Taiwan oder Öl aus Saudi-Arabien und Venezuela; zudem verstärkt der Irak-Krieg die Verschuldung rasant. Ein Großteil des Kapitals für diese Einkäufe stammt daher von ausländischen Investoren, die das Geld in der Hoffnung auf eine gute Verzinsung an die US-Börse tragen oder in Direktinvestitionen stecken.

 

Der Irak-Krieg wird nur noch mit Krediten finanziert

Bisher finanzierten die USA ihre Kriege durch Ausgabenkürzungen, Kredite und Steuererhöhungen. Damit die US-Bürger aber die enormen Kosten zunächst nicht am eigenen Leibe verspüren, wird der Irak-Einsatz ausschließlich mit Krediten finanziert und die Kosten somit auf die nächste Generation abgewälzt. 

Robert Hormats, Vizepräsident der New Yorker Investmentbank Goldman Sachs, warnt in einem Memorandum für den Kongress: »Wir erleben eine Entwicklung, wie wir sie nie zuvor in der Kriegsgeschichte der USA gesehen haben. Jetzt sind Kredite die einzige Form Finanzierung.« (2)

Und die Ausgaben für diesen Krieg sind enorm: Bei Kriegsbeginn im März 2003 hieß es im Weißen Haus, der Feldzug würde etwa 50 Milliarden Dollar kosten. Zwischenzeitlich ist er nach Vietnam zum zweitlängsten Krieg der US-Geschichte geworden und das Verteidigungsministerium veranschlagte die militärischen Kosten bis jetzt auf  406 Milliarden Dollar. Der Wirtschaftsausschuss im Kongress errechnete in einem Gutachten sogar 1,3 Billionen Dollar an »direkten Kosten«, Veteranen- und Hinterbliebenenrenten noch nicht eingerechnet.  

 

Die USA verschulden sich immer mehr

Als Folge schnellt das Budgetdefizit in die Höhe. Das Haushaltsloch hat im Budgetjahr 2008  438 Milliarden Dollar erreicht, im letzten Jahr waren es noch 162 Milliarden Dollar.

Da der US-Kongress im Oktober ein Rettungspaket über 700 Milliarden Dollar beschloss und der zukünftige Präsident Barack Obama zudem ein Konjunkturpaket in Höhe von weiteren 700 Milliarden Dollar angekündigt hat, wird die Verschuldung weiter gehen, denn die Regierung finanziert ihre höheren Ausgaben weitgehend über neue Schulden, d.h. sie muss sich das Geld über Anleihen am Kapitalmarkt beschaffen.

China hingegen fuhr auch im Oktober 2008, trotz weltweiter Wirtschafts- und Finanzkrise, einen Rekord-Handelsbilanzüberschuss in Höhe von 35,2 Milliarden Euro ein.

Seither gaben China, Japan und die ölexportierenden Länder einen großen Teil ihrer Handelsbilanzüberschüsse als Kredite über Staatsanleihen an die USA. Das könnte sich allerdings bald ändern, denn diese Staaten brauchen das Geld im Zuge der Wirtschaftskrise nun selbst, d.h. die Käuferschar für US-Staatsanleihen wird vorübergehend kleiner.

Da jedoch davon auszugehen ist, dass diese Länder ein weit geringeres Defizit erwirtschaften werden (wenn überhaupt), wird der Ausverkauf Amerikas in den nächsten Jahren weitergehen.

Vielleicht gehört dem »Klassenfeind« China ja in 20 Jahren schon der größte Teil der Vereinigten Staaten?

 

__________

Quellen:

(1) Department of the Treasury/Federal Reserve Board: Major Foreign Holders of Treasury Securities, November 18, 2008

(2) ZEIT online 

Freitag, 12.12.2008

Kategorie: Allgemeines, Geostrategie, Wirtschaft & Finanzen, Politik

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