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Banken finden Hypotheken nicht mehr

Michael Grandt

Es klingt unglaublich: US-Banken haben die Hypotheken so oft verschoben, dass sie jetzt nicht mehr wissen, welche Hypotheken zu welchen Schuldnern gehören. Ein Gericht erließ einer Schuldnerin jetzt sogar rund 500.000 Dollar – einfach so!

Ein großer Garten und spielende Kinder. Eine wahre Familienidylle. Aber für den Traum vom eigenen Haus haben sich viele Amerikaner hoch verschuldet. Hunderttausende von ihnen haben inzwischen ihre Arbeit, Ersparnisse und auch ihr Zuhause verloren, denn wer seine Schulden nicht bezahlen kann, fliegt raus. Das geht in den USA sehr schnell.

 

Banken wissen nicht mehr, wem die Hypotheken gehören

Jetzt allerdings gibt es Hoffnung für überschuldete Hausbesitzer, die ausgerechnet von den strengen Banken kommt, denn diese können oft nicht mehr nachweisen, wem die Hypotheken eigentlich gehören, die sie zu Paketen gebündelt und verkauft haben.

Als im Januar dieses Jahres die Kongressabgeordnete Marcy Kaptur aus Ohio eine Rede hielt, machten sich noch viele über sie lustig. Kaptur forderte die Menschen nämlich auf, im Fall einer Zwangsräumung in ihren Häusern zu bleiben, denn »sie müssen euch erst einmal beweisen, dass ihnen tatsächlich eure Hypothek gehört. Und bis sie nicht mit dem Finger auf das entsprechende Papier zeigen können, ist das nicht der Fall. Die finden eure Hypothek an der Wall Street überhaupt nicht mehr wieder!«

 

 

 

Das kapitalistische System legt sich selbst rein

Die, die damals lachten, tun das jetzt nicht mehr, denn Marcy Kapturs prophetische Worte sind nun Wirklichkeit geworden und demaskieren einmal mehr den Wahnsinn des gegenwärtigen kapitalistischen Systems. 

Dieses System legt sich nun selbst herein, denn in New York wurde einer Hauseigentümerin, die kurz davor stand, ihren Besitz zu verlieren und zwangsgeräumt zu werden, per Gerichtsbeschluss die Schulden von 461.263 Dollar einfach so erlassen! Begründung des Richters: Die Hypothek sei durch so viele Kanäle geschickt worden, dass nicht mehr festgestellt werden konnte, wem sie eigentlich gehörte. 

Sicherlich traf die Beklagte auf einen wohlwollenden Richter, aber das Urteil könnte dennoch maßgeblich für weitere sein, die noch folgen werden, denn fast jeder zehnte Hausbesitzer, der auf seine Immobilie eine Hypothek aufgenommen hat, ist mit der Ratenzahlung mindestens drei Monate im Rückstand. Betroffen davon sind rund fünf Millionen US-Haushalte – ein Rekord. Besonders schlimm sieht es in den Bundesstaaten Kalifornien, Florida, Arizona und Nevada aus.

 

Im Zweifel für den Angeklagten

Der Handel mit »verbrieften« Hypotheken gilt als eine der Hauptursachen für die derzeitige Immobilien-, Finanz- und Weltwirtschaftskrise.

Die Bündelung der Schulden funktionierte nach folgendem Muster: Banken sortierten Darlehen nach Ausfallwahrscheinlichkeiten und mixten sie zu einem Wertpapier zusammen, das sie an Investoren weiter verkauften. Dadurch erhielten sie mehr Eigenkapital und verteilten das Risiko des Verlustes auf mehrere Schultern.

Doch in vielen Fälle weiß nun keiner mehr genau, wem die Papiere eigentlich gehören, die rund um die Welt geschickt wurden. So auch im vorliegenden New Yorker Fall: Mal fehlte eine Unterschrift und mal waren die Verantwortlichen nicht mehr auffindbar. Somit wurde infrage gestellt, ob das entsprechende Institut überhaupt ein Recht auf einen Kredit hat. Wem die Hypothek tatsächlich gehörte, ließ sich nicht mehr eindeutig feststellen. Im Zweifel für den Angeklagten: die Frau behielt ihr Haus.

 

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Quelle: Welt am Sonntag vom 29.11.2009

 

Dienstag, 01.12.2009

Kategorie: Allgemeines, Wirtschaft & Finanzen

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