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Banker erschießen?

Michael Grandt

Den Bankern, die im Volksmund mittlerweile auch »Bankster« genannt werden, wird die Schuld in Bezug auf die Weltwirtschaftskrise zugesprochen. Und mit Milliarden-Boni-Auszahlungen ziehen sie erneut den Unmut der Menschen auf sich. Der Londoner Bürgermeister fragte sich nun, wen die Leute zuerst erschießen würden – einen Banker oder einen Politiker?

Banker hatten und haben es in den letzten zwei Jahren wirklich nicht leicht. Ihnen wird die Schuld an der Weltwirtschaftskrise, am Vermögensverlust und an steigender Arbeitslosigkeit vorgeworfen. Das ist nicht von der Hand zu weisen, denn schließlich waren es Banken, die faule Kredite umstrukturierten und verkauften, was schließlich zu der Lage führte, in der wir uns heute befinden. Mit Milliarden Staatshilfen, sprich Steuergeldern des kleinen Mannes, müssen die Kreditinstitute gestützt werden, damit sie nicht Pleite gehen.

Aber auch die Politiker versagen, denn trotz allen Versprechungen und Ankündungen ist eine wirksame Kontrolle des Finanzmarktes bis jetzt noch nicht in Sicht. Banker und Politiker haben sich in diesen Zeiten zu den unbeliebtesten Personengruppen gemacht.

Und anstatt aus ihren Fehlern zu lernen, machen die Banker etwas anderes: Sie genehmigen sich erneut Milliarden-Boni. Genau dieses fehlende Fingerspitzengefühl ärgert nicht nur US-Präsident Barack Hussein Obama, sondern auch die Menschen auf der Straße.

Nun hat sich der Londoner Bürgermeister Boris Johnson zur Wort gemeldet und sich die Bankster vorgeknöpft. In der seriösen britischen Zeitung Telegraph stellt er die Frage: »Wenn man dem Mann auf der Straße ein Gewehr in die Hand geben und ihn zwingen würde, zwischen einem Politiker und einem Banker zu wählen, wen würde die Kugel treffen?«

Politiker oder Banker?

Die Politiker in Großbritannien haben ihren Ruf durch Spesenskandale verloren, die Banker durch ihre scheinbar nicht zu stillende Gier auf Boni.

Dennoch ist sich Johnson sicher, dass am Ende die Kugel den Banker treffen würde.

Die Finanzbranche verliert weltweit ihre letzte moralische Unterstützung und ist selbst Schuld daran. Denn wie, in Gottes Namen, kann man in dieser Situation Milliarden-Boni an die Manager auszahlen, die uns den ganzen Schlamassel erst eingebrockt haben?

Der einfache Mann bekommt erst jetzt langsam die Auswirkungen der Rezession zu spüren und muss um seinen Job bangen, während Banker schon wieder Milliardengewinne verzeichnen, die ohne Rückendeckung des Staates (sprich des Steuerzahlers) niemals möglich gewesen wären.

Die Umverteilung von Steuergeldern in Sportwagen, Villen und Yachten bringt den Volkszorn also berechtigt zum Kochen – ein Grund zum Erschießen ist das allerdings nicht.  

 

Dienstag, 29.12.2009

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