China schockiert die USA mit unbemerktem U-Boot-Durchbruch
Jahrelang haben sich Washingtons Strategen damit beruhigt, dass China zwar als wirtschaftlicher Riese aufsteige, dass es aber Jahrzehnte dauern werde, ehe das Land eine wirkliche Herausforderung für Amerikas Herrschaft über die Weltmeere sein könne.
Also hat sich Washington China gegenüber darauf beschränkt, solch vitale Meerespassagen wie die Straße von Malakka oder Birma zu kontrollieren. China seinerseits hat sich fieberhaft um »Ölquellen vor Ort« in Afrika, Venezuela, dem Iran und praktisch jedem anderen politischen Brennpunkt des Planeten bemüht.
Nun hat die chinesische Marine signalisiert, dass sie weit moderner ist als amerikanische Experten des Pentagon dies für möglich hielten. Vor einigen Tagen entdeckte die USS Kitty Hawk – ein dreihundert Meter langer Super-Flugzeugträger mit 4.500 Mann an Bord –, dass ein chinesisches U-Boot inmitten eines amerikanischen Konvois und von allen unentdeckt aufgetaucht war – und dies in Reichweite für Torpedos oder Raketen. Eine NATO-Quelle bezeichnete diesen Vorfall als einen »Schock, vergleichbar mit dem Start des russischen Satelliten Sputnik«.
Das chinesische U-Boot, ein 50 Meter langes Gefährt der Song-Klasse und angetrieben von diesel-elektrischen Motoren, erzwingt eine vollständige strategische Neuorientierung innerhalb der NATO und des Pentagon bezüglich des Bedrohungspotenzials der chinesischen Marine. China besitzt mindestens zwei U-Boote innerhalb seiner rasch wachsenden Flotte, die Nuklearwaffen-tragende Raketen abfeuern können. Schätzungen zufolge verfügt China über 13 U-Boote der Song-Klasse, und deren Zahl wächst wahrscheinlich rasch. Dieser Schock kam kurz nach einem ersten erfolgreichen chinesischen Abschuss eines Satelliten in der Umlaufbahn.

Bild: Chinas leise U-Boote der Song-Klasse können sich der Ortung entziehen.
Unvermittelt war die Selbstzufriedenheit des Pentagon bezüglich aller Illusionen militärischer globaler Überlegenheit – einer Dominanz im gesamten Spektrum – erschüttert. Dies wird gravierende geopolitische Auswirkungen in Bezug auf die künftige chinesische Außenpolitik haben, die Bedeutung der Shanghai-Kooperation, in der China und Russland mehrere Militärmanöver abhielten, um der NATO zu signalisieren, dass sie diese Euro-Asiatische Region für souverän betrachten und nicht als Teil eines ausufernden NATO-Netzwerkes von Militärbasen.
Wie ich in meinem Werk Apocalypse Jetzt! beschreibe, basiert die starke Rolle Amerikas in der Welt auf der einzigen verbliebenen Stütze: seiner bisher unübertroffenen militärischen Stärke. Über Jahrzehnte hinweg hat es sich so seinen Weg bahnen können, auch um Konzessionen etwa von Japan im Werte von hunderten von Milliarden Dollar zu erlangen, allein um den schwächelnden Dollar zu stützen. Im Februar 2007 stellte sich Russlands Putin klar gegen die Pläne des Pentagon, amerikanische Raketen in Polen und Radarstationen in der Tschechischen Republik zu installieren. Auf der Münchener Wehrkundetagung bezeichnete Putin die amerikanischen Pläne als eine »unverschämte Provokation«. Und nun hat China die als unangreifbar geltende amerikanische Flotte und ihre Flugzeugträger als keineswegs unangreifbar, sondern als sogar höchst verletzbar entlarvt.
Ich sage voraus, dass die chinesische Außenpolitik künftig immer selbstsicherer in der Wahrnehmung nationaler Interessen werden wird. Kürzlich gab es einen kurzen Hinweis darauf von einem hochrangigen chinesischen Mitglied der Zentralbank, das zu verstehen gab, China könne seine Reserven von US-Dollar eventuell neu anpassen, sollte der Dollar weiterhin schwach bleiben. Zur Zeit besitzt China die atemberaubende Summe von mehr als 1,4 Billiarden Dollar in Form von ausländischen Währungsreserven – den Großteil in Dollar und in der Form von US-Schatzbriefen.
Würde China seine Dollar-Reserven auflösen, um die damit verbundenen Risiken zu minimieren, würden die USA einem wahrhaften finanziellen Tsunami gegenüberstehen. Dann befände sich der Dollar in einem freien Fall, und die Zentralbank müsste die Zinsen auf eine dramatische Höhe anheben in dem Versuch, den Dollar zu retten. In Anbetracht der bisher ungelösten Hypothekenkrise würde das Zusammentreffen dieser beiden Faktoren die amerikanische Wirtschaft in eine Depression stürzen, wie das bisher nur in den 1930-er Jahren der Fall war.
Washington und die Wall Street befinden sich in ihrer tiefsten Strategie-Krise seit Gründung der Nation. Wie Lyndon Johnson gern zitierte: »Hühner kehren auf ihre Stange zurück« oder »Alles fällt auf den Urheber zurück«. Mehr als drei Jahrzehnte verfehlter Wirtschafts- und Außenpolitik, seit Nixon im August 1971 die Golddeckung des Dollar aufhob, bringen uns schließlich an die physischen Grenzen.
Beunruhigend ist vor allem, dass außer einem republikanischen Kongressabgeordneten aus Texas, Ron Paul, kein einziger bedeutender amerikanischer Präsidentschaftskandidat bisher auch nur ein einziges Wort über das Ausmaß dieser nationalen Krise verloren hat.
Montag, 17.12.2007
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