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Deflations-Finanzkrise schlägt nun massiv auf die Realwirtschaft durch. Retten Sie Ihr Geld!

Günter Hannich

Noch vor wenigen Wochen wurde behauptet, die Finanzkrise würde nur auf die Bankenwelt beschränkt bleiben. Nun wirkt sich die Krise massiv auf die Realwirtschaft aus …

Autoindustrie bricht ein

Inzwischen habe alle Autobauer extreme Probleme mit dem Absatz eingeräumt. BMW – die bisher in jeder Rezession relativ ungeschoren durchkamen – rief sogar die größte Krise der 80 jährigen Unternehmensgeschichte aus. Die jetzigen Probleme seinen schlimmer als die Ölkrise Anfang der 1970er-Jahre. Im dritten Quartal hat BMW operativ fast kein Geld mehr verdient: Im Autosegment schmolz der Gewinn vor Steuern im Vorjahresvergleich um 98 Prozent auf 18 Millionen Euro zusammen. Die Geschäfte mit Finanzdienstleistungen und Motorrädern gerieten in die Verlustzone. Der Hauptgrund für die Misere sind hohe Schäden im Leasing- und Autokreditgeschäft.

 

Daimler warnt vor Kreditklemme

Der Daimler Vorstandschef Dieter Zetsche warnte bereits vor dramatischen Folgen einer anhaltenden Kreditklemme für die Autoindustrie. Die EZB habe zwar die Leitzinsen gesenkt, aber die Geschäftsbanken leiteten den Liquiditätsfluß nicht weiter, damit verhielten sich die Banken »wie verunsicherte Sparer«: Das Geld werde bei der EZB »unters Kopfkissen gelegt«, anstatt es am Markt zu investieren. Auch der Autohandel sei von dem Liquiditätsengpass bedroht – immerhin seien bis zu 80 Prozent aller Neuwagenkäufe kreditfinanziert. »Eine funktionierende Autoindustrie braucht einen funktionierenden Finanzsektor«, mahnte Zetsche.

 

Von der Finanzkrise in die deflationäre Depression

Damit bestätigt der Daimler-Vorstand, dass wir in eine Deflation geraten. Nur in einer Deflationskrise kommt es zu einer »Kreditklemme«, also den Umstand, dass Banken keine neuen Kredite mehr vergeben – oder wenn, dann nur unter sehr hohen Hürden. Mit den einbrechenden Kreditraten jedoch kommt die ganze Wirtschaft ins Trudeln, da der Geldfluss stockt.

Dem kann auch die Notenbank wenig entgegensetzen: Sie kann Notenbankkredite über niedrigere Zinsen zwar verbilligen, doch wenn die Geschäftsbanken diese niedrigeren Zinsen nicht weitergeben, kommt davon in der realen Wirtschaft nichts an.

Und hier wird auch deutlich, warum momentan die Gefahr einer Inflation beinahe ausgeschlossen ist: Selbst wenn die Notenbanken Geld drucken würden (sie tun es gar nicht, wie oft behauptet wird) könnten sie es nicht in Umlauf bringen, weil die Geschäftsbanken es nicht in Form von Krediten weitergeben.

 

Parallele zur japanischen Deflationskrise

Wie wenig ein Staat oder eine Notenbank gegen eine Deflation ausrichten kann, dafür ist Japan das beste Beispiel. Als Anfang der 1990er-Jahre die dortige Immobilien- und Aktienblase platzte, versank das Land – analog zur heutigen Krise – in einer Deflation.

Sowohl Notenbank als auch Staat versuchten dann alles, um aus dieser Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und zurückgehendem Konsum wieder herauszukommen. Die Notenbank senkte den Zinssatz auf null Prozent und der Staat verdoppelte mit unzähligen »Konjunkturprogrammen« seine Staatsschulden, ohne dass auch nur irgendein Effekt erzielt wurde.

 

Die jetzige Deflationskrise wird lange Jahre dauern

Damit wird eines deutlich: Gegen eine deflationäre Depression kann kein Staat etwas tun, und vor allem wird klar, dass solche Deflationskrisen sehr lange dauern.

Viele haben heute die Vorstellung von einem »Ende mit Schrecken«, also einer plötzlichen »Währungsreform« aus dem Nichts heraus. Doch es wird viel mehr den »Schrecken ohne Ende« geben, als die kurze, schmerzlose Variante.

Während die Hyperinflation von 1923 gerade wenige Monate dauerte, wirkte die Deflation von 1930 beispielsweise in den USA noch zehn Jahre permanent nach und zerstörte das Vermögen der Bevölkerung. Erst mit dem Zweiten Weltkrieg ging die Konjunkturphase wieder in den inflationären Bereich über.

 

Währungsreform droht momentan nicht

Es gibt keinen Grund, warum es heute anders als in den 1930er-Jahren oder in Japan ablaufen sollte. Noch nie hat es eine »Währungsreform« in der Deflation gegeben. Währungsreformen gibt es immer dann, wenn die Währung zerrüttet ist, wenn sie so durch eine Hyperinflation so weit entwertet wurde, dass sie niemand mehr haben will – wie eben 1923 oder 1948. Doch diesen Umstand haben wir heute gar nicht. Im Gegenteil: Egal ob Banken, Staat oder Verbraucher, alle klagen über Geldmangel und der Euro erfreut sich größter Nachfrage. Noch nie hat es in solch einer Krise wie heute eine plötzliche Währungsreform gegeben.

 

Nur Geld ist Schuldentilgungsmittel

Was nun passiert ist genau das Gegenteil einer Inflation: Geld (soweit noch verfügbar) wird aufgewertet werden!

Das kommt daher, dass in der gegenwärtigen Krise vor allem Schulden ungemein drücken. Schulden können jedoch nur in Form von Geld getilgt und bedient werden – Geld ist das einzige Schuldentilgungsmittel. Da immer mehr Menschen ihre Schulden tilgen und bedienen müssen, entsteht eine enorme Nachfrage nach diesem ausschließlichen Schuldentilgungsmittel – und entsprechend werden Geld und damit in Folge auch Schulden aufgewertet.

 

Deflationsspirale verstärkt sich selbst

Doch mit jeder Schuldentilgung sinkt die Geldmenge noch weiter! Jedem Euro Geld steht heute ein Euro Schulden gegenüber. Wenn in einer Deflation vermehrt Schulden getilgt werden müssen und keine neuen Schulden dazukommen, dann führt das zu einer weiter sinkenden Geldmenge. Damit verstärkt sich die Deflationsspirale von selbst, ohne dass eine Notenbank oder ein Staat etwas dagegen unternehmen könnten.

 

Retten Sie Ihr Vermögen – Gold schützt nicht vor einer Deflation

Kaum jemand heute kann mit einer deflationären Depression umgehen bzw. überhaupt mit dem Begriff etwas anfangen. Die letzte große Weltwirtschaftskrise liegt über 70 Jahre zurück. Menschen, die das damals bewusst miterlebten, gibt es kaum noch und entsprechend unwissend sind die »Experten«. Ein bloßer Edelmetallkauf schützt nicht vor einer Deflation, da Edelmetalle in der Folge der Industriemetalle ebenfalls verfallen. Die Industriemetalle haben inzwischen in nur einem Jahr teilweise um bis zu 80 Prozent an Wert verloren!

Wie schnell das gehen kann, dafür sind die beiden Edelmetalle Platin und Palladium ein Beispiel, deren Werte sich in nur wenigen Monaten halbierten bzw. drittelten.

 

Abb.: Verfallende Edelmetalle am Beispiel von Platin

 

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Edelmetalle dem folgen werden, vor allem dann, wenn immer mehr Leute Edelmetalle verkaufen müssen, um das universelle Schuldentilgungsmittel Geld zu bekommen. Edelmetalle zur Risikostreuung sind sinnvoll – allerdings nicht in dem Stil, der heute vielfach empfohlen wird. Viel wichtiger ist eine flexible Strategie, wie ich sie meinen Büchern Staatsbankrott oder Deflation, die verheimlichte Gefahr beschrieben habe.

 

Sehen Sie auch das neue n-tv-Interview mit Günter Hannich:

http://de.youtube.com/watch?v=9V1Ldj8iSCc

 

Freitag, 14.11.2008

Kategorie: Gastbeiträge, Wirtschaft & Finanzen

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