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Der „Doomsday Seed Vault“ der NATO in der Arktik nutzt den Klimamythos, um den Saatenreichtum der Welt zu übernehmen

F. William Engdahl

In dem umstrittenen „Doomsday Seed Vault“ (zu deutsch etwa: Saatgut-für-den-Weltuntergang-Tresor), einem atombombensicheren Bunker, der sich im NATO-Land Norwegen tief in einem Berg auf Svalbard nahe dem Polarkreis befindet, hat man jetzt mit der Sammlung der Saatproben aus aller Welt begonnen, die dort tiefgefroren gelagert werden sollen. Die BBC hat diese Anlage, die u.a. von der Bill und Melinda Gates- Stiftung zusammen mit der Rockefeller-Stiftung, der Monsanto Corporation, der Syngenta Foundation und der Regierung von Norwegen errichtet worden ist, bereits als „Doomsday Seed Bank“ (Samenbank für den Weltuntergang) bezeichnet. Die Anlage befindet sich auf der norwegischen Insel Spitzbergen, die zur Gruppe der Svalbard-Inseln gehört. Jetzt sind an dem Projekt beteiligte Wissenschaftler in aller Welt ausgeschwärmt, um Saatproben aller bekannten Arten einzusammeln, mit dem verlogenen Argument, als Schutz vor der Erderwärmung Proben der Kulturpflanzenvielfalt auf der Erde erhalten zu müssen. Die Tragweite dieser ganzen Sache ist möglicherweise gefährlicher als die Bedrohung eines Atomkrieges.

Der angebliche Klimawandel wird jetzt nicht nur als einer der Gründe für die in die Höhe schnellenden Nahrungsmittelpreise angegeben; gegenwärtig sammelt der Global Crop Diversity Trust (etwa: Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt) auch Saatgut von Aserbaidschan bis Nigeria ein, um angeblich die Merkmale herauszufinden, die die Weltlandwirtschaft vor den Auswirkungen kommender Veränderungen schützen können. Merkmale wie Dürrebeständigkeit bei Weizen oder Salzbeständigkeit bei Kartoffeln werden, so die Behauptung der Vertreter dieses Fonds, in Zukunft zu wichtigen Faktoren, da sich die Kulturpflanzen weltweit auf neue klimatische Bedingungen einstellen müssen, die von der Erderwärmung verursacht würden.


Seit dem vergangenen März werden über 200 000 Kulturpflanzensorten aus Asien, Afrika, Lateinamerika und dem Mittleren Osten – aus den reichen Sammlungen der Consultative Group on International Agricultural Research (CGIAR, Beratungsgruppe für internationale Agrarforschung) – zu dem obengenannten Svalbard Global Seed Vault (SGSV) gebracht; in dieser Anlage können sie ihre Vitalität über mehrere tausend Jahre erhalten.

 

Weltweit werden Samen gesammelt, die in dem NATO-Saatentresor in der Arktis aufbewahrt werden sollen. Der Mythos vom Klimawandel dient als Vorwand für das Projekt.

Weltweit werden Samen gesammelt, die in dem NATO-Saatentresor in der Arktis aufbewahrt werden sollen. Der Mythos vom Klimawandel dient als Vorwand für das Projekt.


Das Saatgut kommt von verschiedenen Sorten an Reis, Weizen, Bohnen, Hirse, Süßkartoffeln, Linsen, Kichererbsen und vielen anderen Nahrungs- und Futtermittelpflanzen aus der Land- und Forstwirtschaft. Das Saatgut wird in der Anlage aufbewahrt, die als „letztmögliches Lager für das landwirtschaftliche Erbe der Menschheit“ geschaffen wurde. Der Tresor wurde ursprünglich von der norwegischen Regierung als Dienst für die Weltgemeinschaft errichtet und eine NGO (nicht-staatliche Organisation) mit Sitz in Rom, der Global Crop Diversity Trust, wird für den Betrieb aufkommen. Offiziell eingeweiht wurde dieser Tresor am 26. Februar 2008.

Inoffiziell ist dieser Samenbunker eine der bislang größten Maßnahmen der wenigen GVO-Agrobusiness-Multis wie Monsanto Corporation, Syngenta aus Basel, der Rockefeller-Stiftung zusammen mit der Gates-Familienstiftung, der größten privaten Stiftung der Welt, zu der auch das Geld von Warren Buffett gehört. Wie ich in einem am 3. Januar d.J. verfassten Aufsatz Der „Tresor des Jüngsten Gerichts“ in der Arktis geschrieben habe, scheint das Projekt von dem unschuldigen humanitären Unterfangen, als das es seine Befürworter beschreiben, weit entfernt zu sein. Die beteiligten Organisationen haben ein zu langes Sündenregister von Schwindel, Einschüchterung und zweifelhaften Methoden, mit denen sie offenbar die Verbreitung von patentiertem Genverändertem Saatgut über die weltweite Nahrungskette erzwingen wollen.

Leser, die mehr über die GVO-Unternehmen, die sogenannten „Vier Reiter der Saat-Apokalypse“ – Monsanto, Syngenta, Dow Chemical und DuPont – wissen möchten, sollten mein Buch Saat der Zerstörung: Die dunkle Seite der Gen-Manipulation lesen. Dort beschreibe ich den jahrzehntelangen Hintergrund der Rockefeller-Stiftung, die in enger Zusammenarbeit mit Monsanto und anderen Institutionen die wissenschaftlich fehlerhafte Technologie entwickeln, den wichtigsten Kulturpflanzen der Welt fremde Eigenschaften zu verleihen und damit Patentrechte für den Verkauf allen Saatguts für Mais, Reis, Kartoffelsorten, Sojabohnen und zahllosen anderen Grundkulturpflanzen wie auch Baumwolle zu beanspruchen. GVO ist eine wissenschaftlich wenig haltbare Technik, deren Langzeitwirkung auf die Gesundheit von Menschen und auch Tieren noch nie von irgendeiner Regierung einer unabhängigen Prüfung unterzogen worden ist.

Das ist ein Ergebnis einer bewussten US-Politik, die 1992 vom damaligen US-Präsidenten George H.W. Bush in Absprache mit führenden Vertretern von Monsanto in Gang gesetzt wurde. Damals unterzeichnete Bush senior eine Exekutivanordnung, die die verantwortlichen US-Bundesbehörden wie das Landwirtschaftsministerium, die Food and Drug Administration und andere Regierungsstellen verpflichtete, die genetisch veränderten Saaten NICHT unabhängig auf möglicherweise schädliche Wirkung untersuchen zu lassen, sondern sie als „substanziell äquivalent“ zu herkömmlichem Mais, Sojabohnen, Reis usw. zu betrachten. Dieser politische Schwindel ermöglichte es Monsanto, GVO-Saatgutarten zur Freigabe für den kommerziellen Anbau einzureichen, allein auf der Grundlage von Tests, die Monsanto selbst durchgeführt hatte und die den „Beweis“ erbrachten, dass dies Saatgut sicher sei. Das war nur der Beginn einer Politik böswilliger Vernachlässigung seitens der US-Regierung über die Gefahren der GVOs.


Giftig für menschliche Embryos

Die Gefahren wurden dadurch verschlimmert, dass sich die US-Regierung außerdem weigerte, die möglicherweise schädlichen Auswirkungen der patentierten chemischen Unkrautvernichtungsmittel, die zusammen mit dem GVO-Saatgut von Monsanto, DuPont oder anderen Herstellern verkauft werden mussten, auf das Grundwasser sowie auf Menschen und Tiere unabhängig untersuchen zu lassen. Das Saatgut wurde in der Tat patentiert, um die Landwirte zu zwingen, ausschließlich die Unkrautvernichtungsmittel des Patentinhabers zu kaufen.

So hielt beispielsweise Monsanto ursprünglich die Patentrechte auf ein sehr wirksames Unkrautvernichtungsmittel, Roundup®, das heute das weltweit meistverwendete Unkrautvernichtungsmittel ist. Monsanto entwickelte auch einen Sojabohnensamen und ließ ihn patentieren, der Roundup Ready® genannt wurde. Roundup Ready Sojabohnen sind „ready“ (passend) für das Unkrautvernichtungsmittel Roundup. Die Monsanto-Sojabohne wurde extra so entwickelt, dass sie gegen das Unkrautvernichtungsmittel Roundup resistent ist, denn Roundup vernichtet alles, womit es in Berührung kommt. Diese Verbindung von Unkrautvernichtungsmitteln und Saatgut sichert die Unternehmen, die das GVO-Produkt vermarkten, doppelt ab: beim Verkauf der patentierten Saaten und beim Verkauf des passenden Unkrautvernichtungsmittels. Alle großen GVO-Saatguthersteller waren ursprünglich Chemieunternehmen.

Noch beunruhigender ist jedoch, dass zahlreiche Studien weltweit ergeben haben, dass die GVO-Kulturpflanzen auf längere Sicht mehr und nicht weniger Unkrautvernichtungsmittel brauchen, denn das Unkraut entwickelt eine besondere Resistenz und wird zum „Super-Unkraut“.

Darüber hinaus legt eine bislang aus der öffentlichen Diskussion herausgehaltene Studie die Vermutung nahe, dass die aktiven Bestandteile des meistverkauften Unkrautvernichtungsmittels der Welt, Roundup von Monsanto, giftig sind und in das Grundwasser und in die menschliche Nahrungskette gelangen. Die Studie hat ergeben, dass Roundup eine messbare Wirkung auf die menschlichen Embryonal- und Plazentazellen hat.

Bei der im November 2006 in der Zeitschrift Archives of Environmental Contamination and Toxicology veröffentlichten wissenschaftlichen Studie hatte eine Wissenschaftlergruppe unter der Leitung von N. Benachour und G.E. Seralini von der Universität Caen in Frankreich umfangreiche Tests mit Ratten unternommen, die mit Roundup behandelten Pflanzen gefüttert worden waren, dessen aktiver Bestandteil Glyphosat ist. Die Forscher stellten fest: „Wir können daraus schließen, dass die Nichterwägung der kombinierten Wirkung ... zweifellos dazu führen wird, die mögliche schädliche Wirkung zu unterschätzen, besonders auf der Ebene der endokrinen Störung, und somit falsche Schlussfolgerungen bei der Zulassung über die bestehenden Risiken nach sich zieht.“ Die Forscher kamen zu dem Schluss: „Somit wird die toxische oder hormonale Wirkung chemischer Mischungen in Produkten (von Roundup – W.E.) anscheinend unterschätzt.“ Weiterhin erkannten die Wissenschaftler der Universität Caen, dass die toxische Wirkung von Roundup „somit mit der Zeit verstärkt“ wurde; „in ihrer Gesamtheit deuten die Daten darauf hin, dass der Kontakt mit Roundup auf die menschliche Reproduktion und die Entwicklung des Fötus im Fall einer Kontamination eine Wirkung ausüben kann.“ ¹


Die NATO erhält Saatproben aus aller Welt

Die Tatsache, dass GVOs von der Rockefeller-Stiftung mit in Gang gesetzt wurden – einer Organisation, die seit den 1920er Jahren die weltweit führende Organisation zur Verbreitung der rassistischen Eugenik-Pläne und Verfechter einer Verminderung der Weltbevölkerung einschließlich Zwangssterilisationen an Frauen in Puerto Rico, Nicaragua und anderen Entwicklungsländern ist –, ist für die möglichen Pläne der Interessen von Belang, die einen weltweiten Saatentresor auf dem Territorium eines NATO-Landes errichtet haben, wo er von den neugierigen Blicken der Öffentlichkeit weit entfernt ist.

 

Mit Geldern von Monsanto, Syngenta, Bill Gates und Rockefeller wurde dieser „Global Doomsday Seed Vault“ in der Arktis gebaut.


Das Bild wird im Gesamtkontext des Arctic Seed Vault mit Rockefeller-Stiftung, Gates, Monsanto und anderen Interessen noch beunruhigender. Die Samen für den Doomsday Seed-Tresor werden in ausgesuchten Saatenbanken, die die CGIAR weltweit errichtet hat, eingesammelt. Zur ersten Lieferung der CGIAR-Sammlung werden Duplikate aus internationalen Forschungszentren in Benin, Kolumbien, Äthiopien, Indien, Kenia, Mexiko, Nigeria, Peru, den Philippinen und Syrien gehören. Insgesamt verfügen die CGIAR-Zentren über mehr als 600 000 Pflanzenarten in Zuchtpflanzen-Samenbanken, die als Basis weltweiter Bestrebungen zum Erhalt der landwirtschaftlichen Artenvielfalt gelten. Die Saatenbanken sollen angeblich vor Versuchen von Monsanto und anderen Interessen geschützt werden, die versuchen könnten, die Samen für ihre Patentierungsbestrebungen zu nutzen. Es gibt aber bereits dokumentierte Fälle, bei denen Samenproben illegal an Monsanto und andere GVO-Unternehmen weitergegeben wurden, um GVO-Eigenschaften zu entwickeln. Wenn jetzt alle möglichen Samenarten vor den neugierigen Augen der Öffentlichkeit versteckt in der Arktis gesammelt werden, dann haben Monsanto und andere Saatguthersteller, die Teil des Svalbard Doomsday Seed Vault-Projekts sind, zumindest theoretisch die Möglichkeit, diese Samen an sich zu nehmen und die wichtigsten davon für ihre Verbreitung von GVOs über die ganze menschliche Nahrungskette patentieren zu lassen.

„Wir sind versucht zu sagen, niemand, der seine fünf Sinne beisammen hat, würde diese Dinge je benutzen“, sagte Professor Steven Block, Biophysiker von der Stanford University, der über eine jahrelange persönliche Erfahrung mit geheimer biologischer Forschung durch das Pentagon und die US-Regierung verfügt. „Aber“, so Block wörtlich, „ nicht jeder hat eben seine fünf Sinne beisammen....“ ²

Das Svalbard-Projekt verdient weit mehr öffentliche Aufmerksamkeit und Wachsamkeit.

 


¹ N. Benachour u.a., Time- and Dose-Dependent Effects of Roundup on Human Embryonic and Placental Cells, 20. November 2006, Archives of Environmental Contamination and Toxicology, Jahrg. 53, S. 126-133

² Prof. Steven Block, zitiert in Mark Shwartz, „Biological Warfare Emerges as 21st-Century Threat“, Stanford Report, http://news-service.stanford.edu/news/2001/january17/bioterror-117.html , 11.  Januar 2001.

Dienstag, 23.09.2008

Kategorie: Allgemeines, Enthüllungen, Wissenschaft

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