Der finanzielle Tsunami, Teil III: Greenspans große Strategie
Sieben Jahre der Volckerschen »Schocktherapie« hatten die gesamte Dritte Welt in eine Zahlungskrise gestürzt. Milliarden von Dollar, die in recykelten Petrodollar-Anleihen steckten – und die wiederum von den großen New Yorker und Londoner Banken verliehen wurden, um die Öleinfuhren nach den Ölpreissteigerungen der 1970er-Jahre zu bezahlen –, waren plötzlich nicht mehr zu bezahlen …
Die langfristigen Pläne Greenspans
Damit war die Bühne für die nächste Phase der finanziellen Deregulierungspläne Rockefellers vorbereitet. Sie sollte in Form einer Revolution in dem Bereich kommen, den wir als Geld bezeichnen – die »Neue Finanzrevolution« von Greenspan.
Viele Analysten der Greenspan-Ära konzentrieren sich auf die falsche Facette seiner Rolle und gehen davon aus, dass er in erster Linie ein Diener der Öffentlichkeit war, der Fehler machte, aber letztendlich immer erfolgreich war und die Wirtschaft und die Banken der USA durch außergewöhnliche Taten des finanziellen Krisenmanagements rettete und sich dafür die Bezeichnung »Maestro« erwarb. (1)
Der Maestro dient dem Money Trust
Wie jeder Vorstandsvorsitzende des Federal Reserve System war Greenspan ein sorgfältig ausgewählter loyaler Diener der eigentlichen Besitzer der Federal Reserve: des Netzwerkes privater Banken, Versicherungsgesellschaften, Investmentbanken, die die Fed gründeten und sie im Dezember 1913, kurz vor den Weihnachtsferien, durch einen fast verwaisten Kongress brachten. In dem Urteil »Lewis gegen die Vereinigten Staaten« entschied das Berufungsgericht für den Neunten Bezirk (Court of Appeals for the Ninth Circuit), dass »die US-Notenbanken (Reserve Banks) keine Institutionen des Bundes sind, … sondern unabhängige und lokal kontrollierte Unternehmen im Privatbesitz« (2).
Greenspan widmete seine gesamte Amtszeit als Vorstandsvorsitzender der Fed der Förderung der Interessen der amerikanischen Großfinanz, und das in einer Nation, deren Wirtschaft in den Jahren nach 1971 weitgehend zusammengebrochen war.
Greenspan wusste, wem er alles zu danken hatte, und er diente dem, was der US-Kongress 1913 als den »Money Trust« bezeichnet hatte, mit ganzer Hingabe. Es handelt sich bei dieser Organisation um eine Verschwörung von Finanzmagnaten, die das Vertrauen der Öffentlichkeit dazu missbrauchen, die Kontrolle über zahlreiche Industriezweige zu festigen.
Viele der an der Gründung der Federal Reserve im Jahre 1913 beteiligten Akteure sind heute maßgeblich innerhalb der »Verbriefungs-Revolution« involviert, z.B. die Citibank und J.P. Morgan. Beide besitzen Anteile an der wichtigen New Yorker Federal Reserve Bank, dem Herzen des Systems.
Ein weiterer, wenig bekannter Aktionär der New Yorker Fed ist die Depository Trust Company (DTC), die größte zentrale Depotbank der Welt. Sie hat ihren Firmensitz in New York und verwaltet mehr als 2,5 Millionen Dollar an amerikanischem und nichtamerikanischem Aktienkapital sowie Industrieschuldverschreibungen und Kommualobligationen im Wert von über 36 Billionen Dollar, die aus über 100 Ländern stammen. Sie und ihre Niederlassungen führen jedes Jahr über 1,5 Billarden Aktientransaktionen durch. Das ist nicht schlecht für ein Unternehmen, von dem die meisten Leute noch nie etwas gehört haben. Die Depository Trust Company verfügt über das alleinige Monopol in Hinblick auf solche Geschäfte in den USA. Sie kaufte einfach alle Konkurrenten auf. Das erklärt zum Teil, warum New York noch so lange in der Lage war, die globalen Finanzmärkte zu beherrschen, nachdem die amerikanische Wirtschaft bereits zu einer öden »nachindustriellen« Wüste geworden war.
Während Puristen des freien Marktes und dogmatische Anhänger von Greenspans verstorbenem Freund Ayn Rand den Vorstandsvorsitzenden der Fed als lupenreinen Interventionisten ansehen, gibt es in Wirklichkeit einen gemeinsamen Faktor, der sich wie ein roter Faden durch sämtliche größeren Finanzkrisen seiner 18 Jahre und der zusätzlichen Jahre als Vorstandsvorsitzender der Fed hindurchzieht. In den 18 Jahren als Leiter des mächtigsten Finanzinstitutes hat er jede einzelne Finanzkrise genutzt, um den Einfluss der in den USA zentrierten Finanzherrschaft über die Weltwirtschaft zu fördern und zu festigen, fast immer zum großen Nachteil der Wirtschaft und des allgemeinen Wohlstands der Bevölkerung.
Ob es sich nun um den Börsenkrach vom Oktober 1987, um die Asienkrise von 1997, den russischen Staatsbankrott von 1998 und den darauf folgende Zusammenbruch des LTCM bis zur Weigerung, technische Veränderungen an dem von der Fed kontrollierten Stock-Marge-Anforderungen einzuführen, um die dot.com-Börsenblase abzukühlen, oder um seinen Einsatz für ARM-Hypotheken mit variablem Zinssatz (als er wusste, dass die Sätze im Keller waren) handelte – Greenspan nutzte die aufeinanderfolgenden Krisen, von denen die meisten erst durch seine vielgelesenen Kommentare und seine Zinspolitik verursacht worden waren, um seine Pläne der Globalisierung der Risiken und der Liberalisierung der Marktregulierungen zu fördern und um ungehinderte Operationen der größeren Finanzinstitute zu ermöglichen.
Das Spiel mit der galoppierenden Krise
Das eben Dargelegte zeigt die wahre Bedeutung der Krise auf, die sich gegenwärtig auf den amerikanischen und globalen Kapitalmärkten entwickelt. Greenspans 18 Jahre Amtszeit kann man so beschreiben, dass er die Finanzmärkte von einer Krise in eine größere führte, um die alles beherrschenden Ziele des Money Trust zu verwirklichen. In diesem Moment kann man noch nicht sagen, ob Greenspan mit seiner Verbriefungs-Revolution einen Schritt zu weit ging und damit das Ende der globalen Dominanz des Dollars und der Kreditinstitute des Dollars auf Jahrzehnte hinaus einleitete.
Greenspans störrische Zurückweisung jedes Versuchs des Kongresses, eine minimale Regulierung des OTC-Derivatenhandels zwischen den Banken einzuführen; die On-Margin-Anforderungen für den Kauf von Aktien mit geborgtem Geld; seine ständige Unterstützung der Verbriefung von Sub-Prime-Hypothekenkrediten mit geringer Qualität und hohem Risiko; sein erbarmungsloser, jahrzehntelanger Kampf zur Schwächung und schließlich Abschaffung der Glass-Steagall-Einschränkungen für Banken in Bezug auf den Besitz anderer Banken und Versicherungsgesellschaften; seine Unterstützung für die radikalen Steuersenkungen von Bush, die das Staatsdefizit 2001 explodieren ließen; sein Einsatz für die Privatisierung des Sozialversicherungs-Treuhandfonds, um die Billionen von Dollar Cashflow seinen Freunden in der Wall Street zuzuschanzen – all dies war eine gut geplante Gesamtaktion, die einige heute als die Verbriefungs-Revolution bezeichnen: die Schaffung einer Neuen Finanzwelt, in der das Risiko von den Banken getrennt und über den Globus verteilt wird, und zwar so, dass niemand mehr erkennen kann, wo das wirkliche Risiko liegt.
Als Alan Greenspan 1987 wieder nach Washington kam, war er der Mann, der von der Wall Street und den Banken dazu ausersehen wurde, ihre »Große Strategie« zu realisieren – ein Berater an der Wall Street, zu dessen Klienten beispielsweise die einflussreiche Bank J.P. Morgan gehörte. Bevor er den Posten als Leiter der Fed übernahm, saß Greenspan ebenfalls im Vorstand einiger der mächtigsten Unternehmen in den Vereinigten Staaten, z.B. der Mobil Oil Corporation, Morgan Guaranty Trust Company und JP Morgan & Co. Inc. Seine erste Bewährungsprobe bestand in der Manipulation der Aktienmärkte durch die damals neuen Derivatenmärkte im Oktober 1987.
Das Greenspan-Paradigma von 1987
Es war nur wenige Tage später, als Greenspan nach dem Börsenkrach vom 20. Oktober 1987 eine Sanierung des Aktienmarktes durchführte, indem er riesige Summen in ihn hineinpumpte. Er tat dies, um die Aktien zu stützen und insgeheim Manipulationen des Marktes über Käufe von Derivaten des Chicago-Aktienindexes vorzunehmen, die heimlich durch Liquiditätsgarantien der Fed unterstützt wurden.
Seit jenem Ereignis vom Oktober 1987 machte die Fed den größeren Marktplayern klar, dass sie, um den Jargon der Fed zu benutzen, TBTF – »Too Big to Fail« (zu groß zum Scheitern) – wären. Es bestand also keine Gefahr, wenn eine Bank zehn Milliarden riskierte, um mit dem thailändischen Baht oder dot.com-Aktien zu spekulieren. Falls es zu einer Liquiditätskrise kommen sollte, so ließ Greenspan wissen, würde er da sein, um seinen Bankenfreunde aus der Patsche zu helfen.
Der Crash vom Oktober 1987, bei dem es zum steilsten Absturz des Down- Jones-Index in der gesamten Geschichte kam – er ging 508 Punkte nach unten –, wurde durch neue Computer-Handelsmodelle auf der Grundlage der sogenannten Black-Sholes-Option-Preistheorie verschlimmert. Hierbei handelte es sich um Aktien-Derivate, die jetzt gehandelt werden wurden wie früher Schweinehälften-Futures.
Der Crash von 1987 machte deutlich, dass es auf den Märkten keine wirkliche Liquidität gab, wenn man sie brauchte. Alle Fondmanager versuchten dasselbe zum gleichen Zeitpunkt: die Stockindex-Futures kurzfristig zu verkaufen, um so vergeblich zu versuchen, ihre Aktienposition abzusichern.
Stephen Zarlenga, während der Krise im Jahre 1987 Händler auf dem New Yorker Börsenparkett, sagte: »Sie schufen einen riesigen Diskont auf dem Markt für Futures ... Die Arbitragehändler, die zu einem großen Diskont von ihnen Futures kauften, verkauften die zugrundeliegenden Aktien, drückten die Kassamärkte, heizten den Prozess an und trieben den Markt schließlich in den Ruin.«
Zarlenga fuhr fort: »Einige der größten Firmen in der Wallt Street stellten fest, dass sie nicht verhindern konnten, dass ihre vorprogrammierten Computer automatisch in diesen Handel mit Derivaten einstiegen. Privaten Berichten zufolge mussten sie den Stecker ziehen oder die Kabel durchschneiden oder sich andere Methoden ausdenken, um die Stromzufuhr zu unterbrechen (es gab Gerüchte, dass man dafür die Feueräxte aus den Fluren benutzte), denn sie konnten nicht abgeschaltet werden und gaben Aufträge direkt ans Börsenparkett weiter.« – »Die New Yorker Börse erwog am Montag und Dienstag ernsthaft, für einige Tage oder Wochen ganz zu schließen und dies öffentlich zu verkünden ... Zu diesem Zeitpunkt machte Greenspan eine ganz unerwartete Ankündigung. Er sagte unmissverständlich, dass die Fed den Maklern Kredite zur Verfügung stellen würde, wenn sie sie benötigten. Dies war ein Wendepunkt, denn Greenspans kürzlich gemachte Ankündigung als Vorsitzender der Fed Mitte 1987 war ja einer der Gründe für die Verkäufe des Marktes.« (3)
Was an dem eintägigen Crash im Oktober 1987 von solcher Bedeutung war, war nicht das Ausmaß des Absturzes. Es war vielmehr die Tatsache, dass die Fed, ohne die Öffentlichkeit zu informieren, am 20. Oktober durch Greenspans New Yorker Bankfreunde bei der J.P. Morgan und anderswo intervenierte, um eine Aktienerholung durch die Verwendung neuer Finanzinstrumente, der Derivate, zu manipulieren.
Die sichtbare Ursache für die Markterholung vom Oktober 1987 bestand darin, dass die in Chicago ansässige MMI Future (MMI = Major Market Index) die Blue-Chip-Aktien der New Yorker Börse am Dienstagmittag zu einem Aufschlag handelte, und das zu einem Zeitpunkt, als eine Dow-Aktie nach der anderen für den Handel geschlossen wurde.
Der Abstieg wurde abgebremst. Die Arbitragehändler kauften die zugrundeliegenden Aktien, öffneten sie neu und verkauften die MMI-Futures mit einem Aufschlag. Später stellte man fest, dass nur etwa 800 Verträge für die MMI-Futures ausreichend waren, um den Aufschlag zu erzeugen und die Erholung einzuleiten. Greenspan und seine New Yorker Spießgesellen hatten eine manipulierte Erholung konstruiert, bei der sie dieselben derivaten Handelsmodelle benutzt hatten – nur umgekehrt. Es war der Beginn der Ära der finanziellen Derivate.
Den meisten von uns wurde beigebracht, dass die Rolle der Federal Reserve, des Präsidenten der US-Bankenaufsichtsbehörde und anderer darin bestehe, als unabhängige Aufsichtsbehörden für die Banken zu handeln, um die Stabilität des Bankensystems zu garantieren und eine Wiederholung der Bankenpanik der 1930er-Jahre zu verhindern, vor allem durch die Rolle der Fed als dem »Kreditgeber der letzten Instanz«.
Unter dem Greenspan-Regime wurde die Fed nach dem Oktober 1987 zunehmend zu einem »Kreditgeber der ersten Instanz«, als sie den Kreis der Kreditinstitute, die es verdienten, von ihr direkt gerettet zu werden – was der festgelegte Aufgabenbereich der Bankenaufsicht der Fed war – immer weiter vergrößerte – bis hin zur künstlichen Stützung der Aktienmärkte (wie im Jahre 1987) und der Sanierung der Hedgefonds (wie im Fall der Hedgefonds-Solvenzkrise im September 1998).
Greenspans letztes Vermächtnis wird darin bestehen, der Fed, und damit dem amerikanischen Steuerzahler, die Rolle des Kreditgebers der letzten Instanz aufzuzwingen, um nach dem Platzen seiner Multimilliarden-Dollar-Hypotheken-Verbriefungsblase die größeren Banken und Kreditinstitute, also den heutigen Money Trust, zu sanieren.
Bis zum Zeitpunkt der Abschaffung des Glass-Steagall-Gesetzes im Jahre 1999 – ein Ereignis von historischer Bedeutung, das jedoch sehr wenig Beachtung fand – hatte Greenspans Fed klargestellt, dass sie bereit wäre, die riskantesten und zweifelhaftesten neuen Transaktionen der US-Banken zu decken. Die Bühne für Greenspans Verbriefungs-Revolution war vorbereitet.
Das war in keinster Weise ein Zufall oder eine Ad-hoc-Entscheidung. Die Laissez-faire-Politik der Fed in Bezug auf die Aufsicht und die Bankregulierung nach 1987 war entscheidend für die Durchsetzung der breiteren Deregulierung und die Verbriefung durch Greenspan, wie er bei seiner ersten Aussage vor dem Kongressausschuss im Oktober 1987 andeutete.
Am 18. November 1987, nur drei Wochen nach dem Börsenkrach vom Oktober, teilte Alan Greenspan dem Bankenausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses mit, dass »… eine Aufhebung des Glass-Steagall-Gesetzes für bedeutende öffentliche Gewinne sorgen würde, mit einem vertretbaren Anstieg des Risikos« (4).
Im Oktober 1987 manipulierte Greenspan zusammen mit der J.P. Morgan Bank eine Börsenerholung mittels Derivaten.
Greenspan wiederholte dieses Mantra immer wieder, bis das Gesetz 1999 endgültig aufgehoben wurde.
Die Unterstützung der unregulierten Behandlung von Finanzderivaten durch die Fed nach dem Börsenkrach von 1987 war eine wichtige Voraussetzung für den globalen explosiven Anstieg des Nennvolumens im Derivatenhandel. Der globale Handel mit Derivaten stieg seit 1987 um 231,02 Prozent auf schwindelerregende 370 Billionen Dollar Ende 2006. Die Nennvolumen waren einfach unverständlich.
Beseitigung der der durch das Glass-Steagall-Gesetz bestehenden Einschränkungen
Eine der ersten Maßnahmen Greenspans als Vorstandsvorsitzender der Fed war es, die Abschaffung des Glass-Steagall-Gesetzes zu verlangen, wofür sich auch schon seine alten Freunde bei J.P. Morgan und der Citibank vehement eingesetzt hatten. (5)
Das Glass-Steagall-Gesetz, offiziell als »Banking Act« aus dem Jahre 1933 bezeichnet, schrieb die Trennung kommerzieller Banken von den Investmentbanken und -versicherungsgesellschaften der Wall Street vor. Das Glass-Steagall-Gesetz war ursprünglich dazu gedacht, drei größere Probleme zu verhindern, die zu der Welle von Bankenpleiten und der Depression der 1930er-Jahre geführt hatten.
Inmitten der Bankenkrise der 1930er-Jahre wurde das Glass-Steagall-Gesetz verabschiedet, um Interessenskonflikte bei den Banken zu verhindern.
Banken investierten ihr eigenes Vermögen in Wertpapiere. Im Falle eines Börsenkrachs mussten die kommerziellen Investoren und Sparer das Risiko tragen. Unsichere Kredite wurde von den Banken vergeben, um die Preise für bestimmte Wertpapiere oder die finanzielle Position von Unternehmen, in die eine Bank ihr Vermögen investiert hatte, künstlich hochzudrücken. Die finanzielle Beteiligung einer Bank am Besitz, Preis oder der Streuung von Wertpapieren veranlasste die Banken unweigerlich dazu, ihr Bankkonto dazu zu drängen, in Wertpapiere zu investieren, die die Bank selbst dringend verkaufen musste. Es handelte sich um einen enormen Interessenskonflikt und eine Einladung zum Betrug und Missbrauch.
Banken, die Investitionsdienstleistungen und offene Investmentfonds anboten, gerieten in einen Interessenskonflikt, und das führte dazu, dass ihre Kunden, einschließlich der Kreditnehmer, Einleger und Korrespondentenbanken, geschädigt wurden. Da es keine Einschränkungen durch das Glass-Steagall-Gesetz mehr gibt, sind Banken, die gegenwärtig verbriefte Hypothekenobligationen und ähnliche Produkte durch eigene Zweckgesellschaften anbieten – die sie gründen, um das Risiko »aus den Bankbüchern« zu bekommen – Komplizen bei dem, was wahrscheinlich als der größte Finanzschwindel aller Zeiten in die Geschichte eingehen wird – der Sub-Prime-Verbriefungsbetrug.
In seiner Geschichte über den Großen Bankenkrach (Great Crash) notierte der Wirtschaftswissenschaftler John Kenneth Galbraith: »Der Kongress war besorgt, dass Handelsbanken allgemein und Mitgliederbanken des Federal Reserve Systems im Besonderen den Niedergang der Börsen sowohl verschlimmert als auch durch ihn geschädigt wurden, zum Teil aufgrund ihrer direkten und indirekten Beteiligung am Handel und Besitz von spekulativen Wertpapieren.«
»Die legislative Geschichte des Glass-Steagall-Gesetzes«, fährt Galbraith fort, »zeigt, dass der Kongress ebenfalls die subtileren Gefahren im Auge hatte und sich wiederholt auf sie konzentrierte. Sie kommen auf, wenn eine Handelsbank über ihre Aufgabe als treuhänderische oder Führungsbank hinausgeht und entweder direkt ins Investmentbankgeschäft einsteigt oder eine Tochtergesellschaft gründet, die bestimmte Investments verwaltet und verkauft.« Galbraith bemerkte, dass »im Jahre 1929 eine Investmentfirma, die Goldman, Sachs & Company, Wertpapiere im Wert von fast einer Milliarde Dollar in drei miteinander verbundenen Investmenttrusts – der Goldman Sachs Trading Corporation, der Shenandoah Corporation und der Blue Ridge Corporation – verwaltete und verkaufte. Alle verloren praktisch ihren gesamten Wert.«
1998, am Vorabend seines Erfolges – der Abschaffung des Glass-Steagall-Gesetzes – fusionierte Sandy Weill seine Travelers Insurance mit der Citibank zur Citigroup.
Operation Rollback
Die größeren New Yorker Geschäftsbanken hatten schon lange nach einer Rücknahme des durch den Kongress beschlossenen einschränkenden Gesetzes von 1933 verlangt. Und Alan Greenspan als Vorstandsvorsitzender der Fed war für sie genau der richtige Mann. Die größeren Geschäftsbanken der USA, geführt von Rockefellers einflussreicher Chase Manhattan Bank und Sanford Weills Citicorp, gaben über 100 Millionen Dollar für die Beeinflussung von Kongressabgeordneten und für Wahlkampfspenden aus, um die Abschaffung der während der Depression beschlossenen Beschränkungen von Bankgeschäften und Aktienemissionen zu erreichen.
Die Rücknahme des Gesetzes öffnete die Schleusen für die Verbriefungs-Revolution nach 2001.
Innerhalb von zwei Monaten nach seiner Amtsübernahme am 6. Oktober 1987, nur wenige Tage vor dem größten Ein-Tages-Crash an der New Yorker Börse, teilte Greenspan dem Kongress mit, dass die US-Banken, die durch neue Technologien beeinträchtigt und in einer Gesetzesstruktur gefangen seien, die vor mehr als 50 Jahren entwickelt worden war, dabei seien, den Konkurrenzkampf gegen andere Kreditinstitute zu verlieren und neue Kraft benötigten, um das Gleichgewicht wiederherzustellen: »Die von den Banken gelieferten Grundprodukte – Beurteilung der Kreditwürdigkeit und Streuung des Risikos – sind weniger konkurrenzfähig als vor zehn Jahren.«
Zu diesem Zeitpunkt bemerkte die New York Times, dass »Mr. Greenspan lange Zeit viel positiver gegenüber der Deregulierung des Banksystems eingestellt war als Paul A. Volcker, sein Vorgänger bei der Fed« (6).
Die Zeugenaussage von Greenspan am 6. Oktober 1987 vor dem Kongress (seine erste als Vorstandsvorsitzender der Fed), hatte Signalwirkung, um die Kontinuität seiner Politik zu verstehen, die er bis zu Verbriefungs-Revolution der letzten Jahre durchsetzte – der »New Finance«-Verbriefungs-Revolution. Um noch einmal die New York Times zu zitieren: »Mr. Greenspan beklagte den Wettbewerbsverlust der Banken und wies auf die, wie er es nannte, ›zu starre‹ Gesetzesstruktur hin, die einen effizienten Kundendienst verhinderte und den Wettbewerb einschränkte. Aber dann verwies er noch auf eine weitere Entwicklung von ›besonderer Bedeutung‹ – die Art und Weise, wie die Fortschritte in der Datenverarbeitung und der Telekommunikation es anderen ermöglicht hatten, sich die traditionelle Rolle der Banken als Finanzvermittler anzueignen. Mit anderen Worten wird die wichtigste wirtschaftliche Aufgabe einer Bank gefährdet– ihr Geld als Kredite zu riskieren, wobei sie sich auf Informationen in Bezug auf die Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers verlassen muss.«
Die New York Times zitierte Greenspan bezüglich der Herausforderung dieser technologischen Veränderungen für das moderne Bankwesen: »Extensive On-Line-Datenbanken, enorme Rechnerkapazität und Telekommunikationsvorrichtungen bieten Kredit- und Marktinformationen, die praktisch sofort zur Verfügung stehen, und ermöglichen es dem Kreditgeber, seine eigene Analyse in Bezug auf die Kreditwürdigkeit anzustellen und komplexe Handelsstrategien zu entwickeln und durchzuführen, um sich gegen Risiken abzusichern.« Dies, so fügte Greenspan hinzu, führe zu einem permanenten Schaden »für die Konkurrenzfähigkeit der Kreditinstitute und wird den Wettbewerbsvorteil des Marktes für verbriefte Aktiva, z.B. kurzfristige unbesicherte Schuldtitel (›Mortgage Pass-Through Securities‹), und sogar Automobilanleihen stärken«.
Schließlich meinte Greenspan noch: »Unsere bisherigen Erfahrungen haben uns gelehrt, dass die effektivste Isolierung einer Bank von angeschlossenen finanziellen und kommerziellen Aktivitäten durch die Struktur einer Holdinggesellschaft erreicht wird.« (7) In einem Unternehmen mit Bankenbeteiligung, dem Federal Deposit Insurance Fund, würde ein Pool mit Beiträgen von zur Garantie von Bankeinlagen von bis zu 100.000 Dollar pro Konto nur die Hausbank betreffen, nicht die verschiedenen Tochtergesellschaften, die geschaffen wurden, um sich für exotische Hedgefonds oder andere Aktivitäten außerhalb der Bilanz zu engagieren. Das Ergebnis war, dass in einer Krise wie der des sich entwickelnden Verbriefungs-Zusammenbruchs, der ultimative Kreditgeber der letzten Instanz, der Versicherer für Bankenrisiken also, der amerikanische Steuerzahler ist.
Es war ein harter Kampf im Kongress, der bis zur endgültigen und vollständigen Abschaffung des Glass-Steagall-Gesetzes unter Clinton im Jahre 1999 führte. Clinton machte den Kugelschreiber, mit dem er im November 1999 das Rücknahmegesetz, das Gramm-Leach-Bliley-Gesetz, unterzeichnet hatte, Sanford Weill, dem mächtigen Vorstandsvorsitzenden der Citicorp, zum Geschenk. Dabei handelte es sich – um es milde auszudrücken – um eine sehr seltsame Geste für einen demokratischen Präsidenten.
Der Mann, der die entscheidende Rolle gespielt hatte, die Abschaffung des Glass-Steagall-Gesetzes durch den Kongress durchzusetzen, war Alan Greenspan. Bei seiner Aussage vor dem Ausschuss für Banken- und Finanzdienstleistungen erklärte Greenspan am 11. Februar 1999: »Wir unterstützen, wie wir es seit vielen Jahren getan haben, größere Veränderungen, z.B. jene, die im H.R. 10 zum Glass-Steagall-Gesetz und dem ›Bank Holding Company Act‹ enthalten sind, um die gesetzlichen Schranken gegen eine Integration der Bank-, Versicherungs- und Wertpapiergeschäfte zu beseitigen. Unter allen Betroffenen – privaten wie öffentlichen gleichermaßen – herrscht praktisch Einmütigkeit, nämlich dass diese Schranken beseitigt werden sollten. Die technologisch betriebene Weitergabe neuer Finanzprodukte, die eine Entflechtung von Risiken ermöglicht, hat die Eigenschaften der Bank-, Versicherungs- und Wertpapierprodukte zunehmend in ein einziges Finanzinstrument umgewandelt.« (Kursiv = Hervorhebung durch den Autor)
In derselben Zeugenaussage des Jahres 1999 machte Greenspan klar, dass eine Rücknahme des Gesetzes weniger, nicht mehr Regulierung der neu zugelassenen Finanzkonglomerate bedeutete, und die Schleusen für das gegenwärtige Fiasko geöffnet habe: »Während wir ins 21. Jahrhundert eintreten, werden die Überreste der Bankenprüfungsphilosophie allmählich verschwinden. Natürlich müssen Banken immer noch überwacht und reguliert werden, nicht zuletzt, weil sie sozusagen in ein soziales Netz fallen. Meine Meinung ist jedoch, dass die Art und das Ausmaß dieser Bemühungen mehr im Einklang mit den Realitäten des Marktes stehen sollten. Außerdem muss die Zugehörigkeit zu einer Bank nicht notwendigerweise bedeuten, dass Regulierungen, die für die Banken bestimmt sind, auch für Unternehmen gelten, die mit den Banken verbunden sind.« (8) (Kursiv = Hervorhebung durch den Autor)
Der Zusammenbruch der Unternehmen – die eine Bankenbeteiligung und einen inhärenten Interessenskonflikt aufwiesen –, der während der Depression der 1930er-Jahre Millionen Amerikaner in die Arbeitslosigkeit trieb und sie zwang, ihre Häuser zu verkaufen, war der wichtigste Grund, warum der Kongress das Glass-Steagall-Gesetz verabschiedet hatte.
»… Strategien, die vor einem Jahrzehnt undenkbar waren …«
Die New York Times beschrieb die Neue Finanzwelt, die durch die Abschaffung des Glass-Steagall-Gesetz erzeugt wurde, in einem Artikel über Goldman Sachs im Juni 2007, nur Wochen vor dem Ausbruch der Sub-Prime-Krise: »Während die Wall Street immer noch Geld damit macht, dass sie Unternehmen in Bezug auf Fusionen und den Börsengang berät, wird richtiges Geld – schwindelerregend viel Geld – mit dem Handel und Investieren von Kapital durch eine globale Palette von unglaublichen Produkten und Strategien gemacht, die vor einem Jahrzehnt noch unvorstellbar waren.« Diese Formulierung bezog sich auf die Verbriefungs-Revolution.
Die New York Times zitierte den Vorstandsvorsitzenden von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, in Hinblick auf die neue Welt der Finanzverbriefung, der Hedgefonds und der Derivate: »Wir haben einen vollständigen Kreis beschrieben, denn das ist genau das, was die Rothschilds oder J.P. Morgan in ihren großen Zeiten taten. Was die Abweichung verursachte, war das Glass-Steagall-Gesetz.« (9)
Blankfein sah, wie die meisten Wall-Street-Banker und Finanz-Insider, den New Deal als Verirrung an und verlangte offen nach einer Rückkehr zur guten alten Zeit der Mißbräuche, wie sie in den 1920er-Jahren üblich waren. Das Glass-Steagall-Gesetz, nach Blankfein eine »Verirrung«, wurde schließlich durch Bill Clinton beseitigt. Goldman Sachs war ein wichtiger Förderer des Präsidentschaftswahlkampfs von Bill Clinton, und schickte Clinton 1993 sogar seinen Vorsitzenden Robert Rubin, zuerst als »Wirtschaftszar« und dann, 1995, als Finanzminister. Heute ist ein anderer ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Goldman Sachs, Henry Paulson, Finanzminister unter dem Republikaner Bush. Die Geldmacht kennt eben keine Pause.
Robert Kuttner, Mitbegründer des Instituts für Wirtschaftspolitik, sagte im Oktober vor dem Ausschuss für Banken- und Finanzdienstleistungen des Kongressabgeordneten Barney Frank aus und beschwor das Gespenst der Großen Depression:
»Seit der Abschaffung des Glass-Steagall-Gesetzes im Jahre 1999, nach mehr als einem Jahrzehnt des Eindringens in neue Märkte, war es den Superbanken gelungen, dieselbe Art struktureller Interessenskonflikte zu schaffen, wie sie in den 1920er-Jahren herrschten – Kreditvergabe an Spekulatoren, Kredite arrangieren und verbriefen und sie dann im Groß- oder Einzelhandel verkaufen und für jede Kleinigkeit Gebühren kassieren. Und ein großer Teil dieser Papiere ist für die Bankprüfer noch undurchsichtiger als sie es für ihre Kollegen während der Zwanziger waren. Ein großer Teil davon ist überhaupt kein Papier, und der gesamte Prozess wird durch Computer und automatische Formulare überladen.« (10)
Thomas Kostigen, Kommentator des Market Watch von Dow Jones, schrieb in den ersten Wochen während der Entstehung der Sub-Prime-Krise darüber, welche Rolle die Abschaffung des Glass-Steagall-Gesetzes bei der Öffnung der Schleusen für Betrug, Manipulation und die Exzesse der Kreditverschuldung in der expandierenden Welt der Verbriefung spielte:
»Es gab eine Zeit, da Banken und Maklerfirmen getrennte Unternehmen waren, die sich nicht vereinigten, weil sie Angst vor Interessenskonflikten, einem finanziellen Zusammenbruch, einem Monopol der Märkte und all diese Sachen hatten.
Im Jahre 1999 wurde das Gesetz, dass den Zusammenschluss von Maklerfirmen und Banken verbot – das Glass-Steagall-Gesetz von 1933 – aufgehoben, und voilà, es entstanden die Supermärkte, die wir als Citigroup, UBS, Deutsche Bank usw. kennen. Aber jetzt, wo die Banken anscheinend über ihre eigenen schlechten Hypotheken gefallen sind, muss man sich vielleicht fragen, ob dies den Finanzmärkten so viel Schaden zugefügt hätte, wäre das Glass-Steagall-Gesetz nicht abgeschafft worden.
Vielfalt war immer der Weg zu einer Reduzierung des Risikos. Und das Glass-Steagall-Gesetz hat für die Vielfalt gesorgt, indem es die Finanzkompetenzen für Banken und Maklerfirmen aufgeteilt hat. Das Glass-Steagall-Gesetz wurde vom Kongress verabschiedet, um zu verhindern, dass die Banken die Aufgaben der Maklerfirmen übernehmen und umgekehrt, damit Bankinvestitionsgeschäfte, wie z.B. die Zeichnung von Firmen- oder Kommunalobligationen, nicht in Frage gestellt werden konnten, und auch, um Bankeinzahler vor dem Risiko eines Zusammenbruchs der Börse, wie dem bei der Großen Depression von 1929 zu schützen.
Aber da sich die Banken zunehmend auf Wertpapiergeschäfte einließen, indem sie Diskonthandel und Mutual Funds anboten, beklagten sich die Versicherungsunternehmen über unlauteren Wettbewerb. In dem entscheidenden Jahr 1999 endete also die ›Prohibition‹, und Finanzgiganten stürzten sich auf ihre Opfer. Wir mussten erleben, wie Smith Barney, Salomon Brothers, PaineWebber und eine Menge anderer bekannter Maklerfirmen geschluckt wurden.
In Maklerfirmen sollte es eigentlich Wände geben, die das Investmentbanking von den Handels- und Forschungsaktivitäten trennen. Diese Trennwände sollen verhindern, dass Händler ihre Analysten-Kollegen dazu drängen, ihren Kunden bessere Bedingungen einzuräumen, und all das, um ihre Profite zu steigern.
Nun, während der Blütezeit der Dot-Com-Ära haben wir ja gesehen, wie wirksam diese Wände waren, als lächerlich hohe Schätzungen in Bezug auf Firmen angestellt wurden, die von denselben Firmen unterschrieben wurden, die auch mit ihren Aktien handelten. Als diese Wände in den neuen Banken aufgestellt wurden, wiesen diese sehr schnell Risse auf, die vollkommen ignoriert wurden.
Niemand stellte die neue Mode in Frage, Bankenhypothekenschulden durch verschiedene Arten von Finanzinstrumenten abzusichern und diese dann durch eine andere Abteilung derselben Institution zu verkaufen.
Wenn Banken durch Wertpapieranalytiker dritter Parteien überprüft werden, dann werden mehr Fragen gestellt, als wenn die Überprüfung durch Leute durchgeführt wird, die in dieselbe Cafeteria gehen. Außerdem unterliegen Gebühren, Abmachungen usw. alle der Verkaufstechnik, was bedeutet, dass die Leute Preise aushandeln und die Dinge viel mehr in Frage stellen, um ihren eigenen Profit zu steigern – und nicht zusammenarbeiten, um ihren gemeinsamen Bonuspool zu vermehren.
Das Glass-Steagall-Gesetz hätte zumindest dafür gesorgt, was der erste Teil seines Namens aussagt: Transparenz. Und das wird am besten dadurch erreicht, indem man Außenseitern einen Einblick verschafft. Wenn alle von ihnen nach außen schauen, dann haben alle dieselbe Sicht. Das ist nicht gut, denn dann kann man nicht sehen, welche Dinge kommen (oder fallen), und wenn das Dach einstürzt, dann stürzt es auf alle.
Der Kongress ist jetzt dabei, das Subprime-Hypotheken-Debakel zu untersuchen. Der Gesetzgeber sieht sich nach Möglichkeiten um, die Kreditgesetze zu verschärfen und Schuldenaufkäufer für missbräuchliche Praktiken haftbar zu machen und auch einigen Hausbesitzern aus der Patsche zu helfen. Das sind jedoch nur behelfsmäßige Maßnahmen, die das, was bereits kaputt ist, nicht mehr heil machen können: das Konfliktpotential, das entsteht, wenn Verkäufer, Händler und Bewerter alle im selben Team arbeiten.« (11) (Kursiv = Hervorhebung durch den Autor)
Greenspans dot.com-Blase und ihre Folgen
Noch ehe die Tinte von Bill Clintons Unterschrift, mit der er das Glass-Steagall-Gesetz abschaffte, trocken war, war Greenspans Fed bereits voll damit beschäftigt, die nächste Krise anzuzetteln – die vorsätzliche Schaffung einer Aktienblase, die der von 1929 Konkurrenz machen sollte – eine Blase, die die Fed dann ebenso vorsätzlich platzen lassen würde.
Die asiatische Finanzkrise von 1997 und der daraus folgende russische Zahlungsverzug vom August 1998 erzeugte eine totale Veränderung in den globalen Kapitalflüssen zum Vorteil des Dollar. Korea, Thailand, Indonesien und die meisten aufstrebenden Märkte befanden sich in ernsten Schwierigkeiten nach einem koordinierten, politisch motivierten Angriff durch ein Trio von amerikanischen Hedgefonds, geführt von Soros Quantum Fund, Julian Robertsons Jaguar- und Tiger-Fonds und Moore Capital Management, sowie, nach einigen Berichten, der in Connecticut ansässige LTCM-Hedgefonds von John Merriweather.
Der Einfluss der Asienkrise auf den Dollar war spürbar und verdächtig positiv. Andrew Crockett, der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich – der in Basel ansässigen Organisation der führenden Zentralbanken der Welt – bemerkte, dass, während die ostasiatischen Länder im Jahre 1996 zusammen ein Kontokorrent-Defizit von 33 Milliarden Dollar aufwiesen, spekulatives heißes Geld hereinströmte. Zwischen 1998 und 1999 hatte das Kontokorrent einen Überschuss von 87 Milliarden Dollar. Bis zum Jahre 2002 hatte es die beeindruckende Summe von 200 Milliarden Dollar erreicht. Der größte Teil dieses Überschusses kehrte in Form von Käufen von US-Staatsobligationen durch asiatische Zentralbanken in die USA zurück und finanzierte damit eigentlich die Politik Washingtons, drückte die US-Zinssätze weit nach unten und nährte eine aufstrebende New Economy, den NASDAQ-DOT.COM-New-Economy-IT-Boom. (12)
Während des Höhepunkts der asiatischen Finanzkrise von 1997 bis 1998 weigerte sich Greenspan, zu handeln, um den finanziellen Druck zu mindern. Er behielt seine Haltung bei bis Asien zusammengebrochen und Russland im August 1998 nicht mehr in der Lage war, die Staatsschulden zu begleichen, und die Deflation von einer Region auf die nächste gesprungen war. Als Greenspan und die New Yorker Fed dann einsprangen, um den riesigen LTCM-Hedgefonds zu retten, der als Ergebnis der russischen Krise zahlungsunfähig geworden war, führte Greenspan zum ersten Mal eine ungewöhnlich starke Zinssenkung durch – um 0,5 Prozent. Dem folgte einige Wochen später eine weitere in Höhe von 0,25 Prozent. Das gab der im Entstehen begriffenen Dot.com-NASDAQ-IT-Blase einen schönen kleinen Schub.
In einer Rede nach der anderen lobpreiste Greenspan die dot.com-»New Economy« und verweigerte jede Kontrolle der Aktienspekulation, bis die Blase platzte.
Bis Ende 1998 – nach ständigen Senkungen der Zinssätze und dem Einpumpen riesiger Geldmengen – wurden die US-Börsenmärkte, angeführt von NASDAQ und NYSE, asymptotisch. In einem einzigen Jahr (1999), während die New-Economy-Blase voll im Aufstieg begriffen war, wurde ein schwindelerregender Anstieg des Wertes der Aktien, die sich im Besitz amerikanischer Haushalte befanden, von 2,9 Billionen Dollar verzeichnet. Das waren mehr als 25 Prozent des BIP, alles in Papierwerten.
Die Einschränkungen für die Banken und Investmentbanken, die die Aktien anboten und auf den Markt brachten, durch das Glass-Steagall-Gesetz (das 1933 entstanden war) waren nun verschwunden. Die Stock Promoters der Wall Street verdienten Zig-Millionen an Boni an der betrügerischen Überbewertung von Internet- und anderen Aktien, z.B. bei WorldCom und Enron. Das waren wieder die »goldenen« Zwanziger, aber diesmal mit einem elektronischen computerisierten Turbolader.
Die unglaubliche Rede vom März 2000
Im März 2000, auf dem Höhepunkt der dot.com-Börsenmanie, hielt Alan Greenspan eine Rede auf einer Konferenz über die New Economy am Boston College. Dort wiederholte er noch einmal seine Lobrede auf die IT-Revolution und den Einfluss der Finanzmärkte – Themen, die mittlerweile zu seinem persönlichen Standardmantra geworden waren. In seiner Rede ging er noch über seine bisherigen Lobeshymnen in Bezug auf die IT-Aktienblase und ihren vermeintlichen »Wohlstandseffekt« in Hinblick auf die Haushaltsausgaben hinaus, die, wie er behauptete, ein stabiles Wachstum der amerikanischen Wirtschaft bewirkt hätten.
»In den letzten Jahren wurde zunehmend klar, dass dieser Geschäftszyklus sich sehr stark von vielen anderen Zyklen unterscheidet, die die USA nach dem Zweiten Weltkrieg gekennzeichnet haben«, bemerkte Greenspan. »Die Expansion hat nicht nur eine Rekordlänge erreicht, sie tat es auch mit einem Wirtschaftswachstum, das stärker war, als wir erwartet haben.«
Er fuhr fort, und wurde dabei fast poetisch:
»Meine Bemerkungen heute beziehen sich besonders auf das, was offensichtlich die Quelle dieser spektakulären Leistung ist – die Revolution in der Informationstechnologie ... Wenn die Historiker in einem oder zwei Jahrzehnten auf die zweite Hälfte der neunziger Jahre zurückblicken, dann werden sie wohl zu dem Schluss kommen, dass wir jetzt in einer entscheidenden Phase der Geschichte der amerikanischen Wirtschaft leben ... Diese Neuerungen, besonders die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Internets, haben eine Flut von neuen Firmen gebracht, von denen viele behaupten, dass sie die Chance bieten, große Teile des Produktions- und Vertriebssystems der Nation zu revolutionieren und zu beherrschen. Und Teilnehmer an den Kapitalmärkten, die sich nicht wohl dabei fühlen, mit unregelmäßigen Verschiebungen in der Wirtschaftsstruktur umzugehen, suchen verzweifelt nach einer angemessenen Einschätzung dieser Unternehmen. Die außergewöhnliche Volatilität der Aktienpreise dieser neuen Firmen und ihre nach Ansicht einiger Leute übertriebene Bewertung sind ein Hinweis auf die Schwierigkeit, die besonderen Techniken und Firmenmodelle einzuschätzen, die in den kommenden Jahrzehnten vorherrschen werden.«
Dann kam der Maestro zum eigentlichen Thema, der Möglichkeit, das Risiko durch Technologie zu verteilen – wobei es sich um einen Vorläufer seiner Idee in Bezug auf das damals völlig neue Verbriefungsphänomen handelte:
»Der Einfluss der Informationstechnologie hat sich auf dem Finanzsektor der Wirtschaft stark bemerkbar gemacht. Die bedeutendste Innovation war vielleicht die Entwicklung von Finanzinstrumenten, die es ermöglichen, das Risiko auf Parteien umzuverteilen, die bereit und in der Lage sind, das Risiko zu tragen. Viele der neu geschaffenen Finanzprodukte, besonders die Finanzderivate, tragen wirtschaftlichen Wert bei, indem sie die Risiken entflechten und sie auf eine sehr kontrollierte Art und Weise verschieben. Obwohl diese Instrumente nicht das Risiko reduzieren können, das mit Immobilien verbunden ist, können sie es auf eine Art und Weise neu verteilen, die mehr Investitionen in Immobilien nach sich ziehen würden und somit eine höhere Produktivität und einen höheren Lebensstandard schaffen.
Die Informationstechnologie hat die Schaffung, Bewertung und den Austausch dieser komplexen Finanzprodukte auf globaler Ebene möglich gemacht ...
Historische Hinweise lassen darauf schließen, dass sich drei bis vier Cent von jedem zusätzlichen Dollar Aktienvermögen schließlich in erhöhten Konsumkäufen niederschlagen. Der steile Anstieg der Verbraucherausgaben im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen während der letzten Jahre und der entsprechende Abfall der Sparrate ist ein Zeichen für den Einfluss dieses sogenannten Wohlstandseffekts auf die Haushaltskäufe. Außerdem haben höhere Aktienpreise durch die Senkung der Kosten für Aktienkapital dazu beigetragen, den Boom in den Kapitalausgaben zu fördern.
Die Ausgaben, die durch Kapitalgewinne aus Wertpapieren und Immobilien verursacht wurden, zusätzlich zu den Erhöhungen des Einkommens, haben, so weit wir das beurteilen können, während des letzten halben Jahrzehnts durchschnittlich etwa einen Prozentpunkt zum jährlichen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes beigetragen. Dem zusätzlichen Anstieg bei den Ausgaben der letzten Jahre, das dieses Wohlstandswachstum begleitet hat, sowie weitere unterstützende Einflüsse auf die Wirtschaft stehen im gleichen Maße erhöhte Nettoimporte gegenüber, sowie Güter und Dienstleistungen, die durch neu eingestellte Arbeiter produziert wurden, die über den normalen Anstieg der Beschäftigung eingestellt wurden, einschließlich eines beträchtlichen Zustroms ausländischer Arbeiter.« (13)
Das vielleicht Unglaublichste war der Zeitpunkt der euphorischen Greenspanschen Lobrede in Bezug auf die Vorteile der IT-Aktienmanie. Er wusste ganz genau, dass durch die Ende 1999 veranlassten sechs Zinserhöhungen früher oder später der Kauf von Aktien mit geborgtem Geld nachlassen würde.
Die dot.com-Blase platzte eine Woche nach Greenspans Rede. Am 10. März 2000 erreichte der NASDAQ einen Spitzenwert von 5058 Punkten, mehr als das Doppelte seines Wertes ein Jahr zuvor. Am Montag dem 13. März fiel der NASDAX um auffällige vier Prozent.
Ab dem 13. März 2000 bis zum Kippen verlor der Markt Geld im Nennwert von 5 Billionen Dollar, während Greenspans Zinserhöhungen der Blase, die er erst im Nachhinein bestätigte, ein brutales Ende bereiteten. In Dollar gerechnet war der Zusammenbruch der Börse im Jahre 1929 vergleichsweise unbedeutend mit dem dot.com-Crash Greenspans.
Greenspan hatte die Zinssätze bis März sechs Mal erhöht, was eine brutal frostige Wirkung auf die kreditfinanzierten Spekulation in dot.com-Firmenaktien hatte.
Stocks on Margin: Bestimmung T
Greenspan war bei jedem Schritt der Entwicklung dabei, wenn es darum ging, die »irrationale Euphorie« der dot.com-Aktien zu schüren. Als selbst den ahnungslosesten Mitgliedern des US-Kongresses klar wurde, dass die Aktienpreise unkontrolliert anstiegen und dass Banken und Investmentfonds Zig-Milliarden an Krediten aufnahmen, um mehr Aktien »on margin« zu kaufen, erging ein Aufruf an die Fed, ihre Macht in Bezug auf die Kaufbestimmungen der Aktien-Margins wahrzunehmen.
Bis zum Februar 2000 hatte die »Margin Debt« 265,2 Milliarden Dollar erreicht. Das war eine Steigerung von 45 Prozent in nur vier Monaten. Ein großer Teil dieser Erhöhung stammte aus verstärken Kreditaufnahmen durch Online-Broker und wurde in die NASDAQ-Aktien der New Economy kanalisiert.
Auf Basis der »Verordnung T« hat die Fed als einzige die Befugnis, Anfangseinschuss-Anforderungen für den Erwerb von Kreditaktien festzulegen, die seit 1974 bei 50 Prozent lagen.
Sollte der Aktienmarkt ernsthaft abfallen, würden Margin Calls (Einforderungen von Einschüssen) eine leichte Abwärtstendenz in einen Absturz verwandeln. Der Kongress ist der Meinung, dass dies 1929 geschah, als die Margin Debt 30 Prozent des Börsenwertes entsprachen. Deshalb erteilte sie der Fed mit dem Aktiengesetz (»Securities Act«) aus dem Jahre 1934 die Befugnis zur Kontrolle der Anfangseinschuss-Anforderungen.
Die Anforderungen waren bis zu 100 Prozent hoch, d.h. dass kein Kaufpreis geliehen werden konnte. Seit 1974 blieb er unverändert auf 50 Prozent und erlaubte den Investoren damit, nicht mehr als die Hälfte des Kaufpreises von Wertpapieren direkt bei ihren Brokern zu borgen. Bis zum Jahr 2000 wirkte dieser Mechanismus wie Benzin, das man ins Feuer gießt.
Im Kongress wurden Anhörungen über dieses Thema durchgeführt. Investmentmanager wie Paul McCulley vom damals weltgrößten Rentenfonds, PIMCO, sagte dem Kongress: »Die Fed sollte dieses Minimum erhöhen, und zwar jetzt. Mr. Greenspan sagte natürlich ›Nein‹, denn 1) konnte er keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Veränderungen in den Marge-Anforderungen und Veränderungen in Bezug auf den Stand der Aktienmärkte sehen, und 2) würde eine Erhöhung der Marge-Anforderungen die kleinen Investoren benachteiligen, deren einzige Börsenkredit-Quelle ihr Margin-Konto ist.« (14)
Greenspans Fed hatte als einzige die Macht, die Börsenblase abzukühlen, indem sie die Marge-Anforderungen beim Kauf von Aktien erhöhte. Das ließ Greenspan nicht zu.
Auf der Kippe
Aber angesichts der offensichtlichen Börsenblase in den USA in den Jahren 1999 und 2000 weigerte sich Greenspan nicht nur wiederholt, die Aktienmarge-Anforderungen zu ändern; Ende der Neunziger begann der Vorsitzende der Fed, begeistert über die New Economy zu sprechen, wobei er einräumte, dass die Technologie die Produktivität mit erhöht hätte. Er förderte bewusst die »irrationale Euphorie« des Marktes.
Zwischen Juni 1996 und Juni 2000 stieg der Dow um 93 Prozent und der NASDAQ um 125 Prozent. Das allgemeine Verhältnis der Aktienpreise zu den Firmengewinnen erreichte Rekordhöhen, wie man sie seit den Tagen des Börsenkraches von 1929 nicht mehr erlebt hatte.
Dann, 1999, als die Inflation noch niedriger war als 1996, veranlasste Greenspan eine Reihe von Zinserhöhungen, und die Produktivität erhöhte sich noch mehr. Aber indem er sich weigerte, die Erhöhung der Zinssätze mit einer Erhöhung der Margin-Anforderungen zu verknüpfen – was eindeutig signalisiert hätte, dass es der Fed ernst war mit der Abkühlung der spekulativen Börsenblase –, belastete Greenspan die Wirtschaft mit höheren Zinssätzen, die offensichtlich darauf abzielten, die Arbeitslosigkeit zu erhöhen und die Arbeitskosten herunter zu drücken, um die Unternehmensgewinne weiter zu erhöhen, und nicht um den Kaufrausch der New Economy an der Börse zu bremsen. Dementsprechend ignorierte es auch die Börse.
Einflussreiche Beobachter wie George Soros und Stanley Fischer, der stellvertretende Direktor des Internationalen Währungsfonds, sprachen sich dafür aus, dass die Bundesbank die Luft aus dem Kreditboom ablassen solle, indem sie die Margin-Anforderungen erhöhe.
Greenspan verweigerte diese vernünftigere Strategie. Bei der Anhörung zu seiner Neubestätigung vor dem Bankenausschuss des Senats sagte er im Jahre 1996, dass er nicht Personen diskriminieren wolle, die nicht so reich wären und sich deshalb Geld leihen müssten, um an der Börse zu »spielen« (sic). Wie er wohl selbst am besten wusste, sind die Händler, die Stocks on Margin kaufen, nicht arm und bedürftig, sondern Profis, die ihr Schäfchen ins Trockene bringen wollen. Es ist jedoch interessant, dass es genau dieses Argument war, das Greenspan wiederholte, um sein Eintreten für die Kreditvergabe an Risiko-Kreditnehmer zu rechtfertigen, bei denen es sich um die ärmeren Bevölkerungsschichten handelte, die er am Boom des Wohnungsbaus teilhaben lassen wollte, den seine Politik nach 2001 erzeugt hatte. (15)
Der Börsenmarkt begann in der ersten Hälfte des Jahres 2000 zu wanken, nicht weil die Arbeitskosten stiegen, sondern weil die Grenzen der Leichtgläubigkeit der Investoren endlich erreicht waren. Die Finanzpresse, einschließlich des Wall Street Journals, das noch ein Jahr zuvor die dot.com-Manager als Pioniere der »New Economy« gefeiert hatte, machte sich nun über die Öffentlichkeit lustig, weil diese geglaubt hatte, dass die Aktien von Firmen, die niemals einen Gewinn abwarfen, für immer nach oben steigen würden.
Die »New Economy« sieht, wie es ein Journalist der Wall Street ausdrückte, »jetzt wie eine altmodische Kreditblase aus« (16). In der zweiten Hälfte des Jahres hielten sich die amerikanischen Konsumenten, deren Schulden-Einkommens-Verhältnis auf Rekordhöhe war, zurück. Die Weihnachtsverkäufe waren ein Desaster, und Anfang Januar 2001 machte Greenspan eine Kehrtwendung und senkte die Zinssätze. Durch zwölf aufeinanderfolgende Zinssenkungen brachte Greenspans Fed die sogenannte Fed funds rate*, die Sätze, die die kurzfristigen und andere Zinssätze in der Wirtschaft bestimmen, von 6 Prozent bis Juni 2003 auf ein Rekordtief von 1 Prozent.
Greenspan hielt die Zinssätze der Bundesbank auf einem historischen Tief, das man seit der Großen Depression nicht mehr erlebt hatte. Das Ganze ging so bis zum 30. Juni 2004, als er die erste von 14 aufeinander folgenden Zinserhöhungen einleitete, bevor er 2006 sein Amt niederlegte. Er erhöhte die Zinssätze der Bundesbank von 1 auf 4,5 Prozent innerhalb von 19 Monaten. Dabei ließ er die Blase platzen, die das wirkliche goldene Immobilien-Ei legte.
In einer Rede nach der anderen stellte der Vorstandsvorsitzende der Fed klar, dass sein ultraleichtes Finanzregime nach dem Januar 2001 das Hauptziel hatte, die Investitionen in Hypothekenschulden anzukurbeln. Das Sub-Prime-Phänomen – etwas, was nur in Zeiten der Verbriefung von Kreditforderungen und der Rücknahme des Glass-Steagall-Gesetzes, kombiniert mit dem unkontrollierten Handel mit OTC-Derivaten möglich war – war das vorhersehbare Resultat der Politik von Greenspan. Die sorgfältige Überprüfung der historischen Unterlagen macht dies unmissverständlich klar.
_____________________
(*) Zinssatz, der innerhalb des US-Bankensystems für kurzfristige Ausleihungen berechnet wird. Er gilt als Basiszinssatz für Kreditkosten; Anm. d. Übers.
(1) Woodward, Bob: Maestro: Alan Greenspan’s Fed and the American Economic Boom, November 2000. Woodwards Buch ist ein gutes Beispiel für die pflegliche Behandlung, die Greenspan durch die größeren Medien erfuhr. Woodwards Chefin in der Washington Post, Catharine Meyer Graham, Tochter des legendären Investmentbanker der Wall Street Eugene Meyer, war eine enge Freundin von Greenspan. Das Buch kann als kalkulierter Teil einer Greenspan-Mythenbildung durch die einflussreichen Kreise des Finanzestablishments angesehen werden.
(2) Lewis gegen die Vereinigten Staaten, 680 F.2d 1239 (9. Auflage 1982).
(3) Greenspan, Alan: Zeugenaussage vor dem Ausschuss für die Aufsicht von Kreditinstituten (Subcommittee on Financial Institutions Supervision) des US-Repräsentantenhauses, 18. Nov. 1987; fraser.stlouisfed.org/historicaldocs/ag/download/27759/Greenspan_19871118.pdf.
(4) Hershey jr., Robert D.: »Greenspan Backs New Bank Roles«, The New York Times, 6. Oktober 1987.
(5) Anderson, Jenny: »Goldman Runs Risks, Reaps Rewards«, The New York Times, 10. Juni 2007.
(6) Hershey, Op. Cit.
(7) Ebenda
(8) Greenspan, Alan: Aussage von Alan Greenspan, Vorstandsvorsitzender des Federal Reserve System, vor dem Ausschuss für Bankwesen und Finanzdienstleistungen, US-Repräsentantenhaus, 11. Februar 1999, Federal Reserve Bulletin (Amtsblatt der Regierung), April 1999.
(9) Anderson, Jenny: »Goldman Runs Risks, Reaps Rewards«, The New York Times, 10. Juni 2007.
(10) Kuttner, Robert: Zeugenaussage von Robert Kuttner vor dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen, Rep. Barney Frank, Vorsitzender, US-Repräsentantenhaus, Washington, D.C., 2. Oktober 2007.
(11) Kostigen, Thomas, »Regulation game: Would Glass-Steagall save the day from credit woes?«, Dow Jones MarketWatch, 7. September 2007, unter: www.marketwatch.com/news/story/would-glass-steagall-save-day-credit.
(12) Engdahl, F. William: »Hunting Asian Tigers: Washington and the 1997–98 Asia Shock«, unter: www.jahrbuch2000.studien-von-zeitfragen.net/Weltfinanz/Hedge_Funds/hedge_funds.html.
(13) Greenspan, Alan: »Die Revolution in der Informationstechnologie«; Rede vor der Konferenz über die New Economy, Boston College, Boston, Massachusetts, 6. März 2000.
(14) McCulley, Paul: A Call For Fed Action: Hike Margin Requirements!, Zeugenaussage vor dem Unterausschuss des Repräsentantenhauses für Nationale und Internationale Währungspolitik am 21. März 2000.
(15) Als Vorstandsvorsitzender der Fed behauptete Alan Greenspan wiederholt, dass es unmöglich sei zu behaupten, ob eine spekulative Blase existiert, während diese Blase gerade in der Entstehung begriffen ist. Im August 2002, nachdem seine klare Strategie der Zinserhöhungen für die Marktplayer offensichtlich wurde, wiederholte er das noch einmal: »Wir von der Federal Reserve haben uns mit einer Reihe von Fragen im Zusammenhang mit Vermögensblasen beschäftigt, d.h. dem Anstieg der Preise von Vermögenswerten auf unvertretbare Höhen. So wie sich die Dinge entwickelten, haben wir erkannt, dass es trotz unseres Verdachts sehr schwierig war, eine Blase schon vorher zu erkennen, d.h. erst wenn sie platzt, bestätigt sie dadurch ihre Existenz.« (Alan Greenspan: Bemerkungen von Alan Greenspan über wirtschaftliche Volatilität bei einem von der Federal Reserve Bank gesponserten Symposium in Kansas City, Jackson Hole, Wyoming, 30. August 2002).
(16) Faux, Jeff: »The Politically Talented Mr. Greenspan«, Dissent Magazine, Frühjahr 2001.
Dienstag, 19.02.2008
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