Das Gespenst der Inflation kehrt zurück, denn die immense Ausweitung der Geldmenge bedroht die Stabilität der Preise. Schon warnt Sandro Marino, Ökonom bei der Großbank UBS: »Die drastisch erhöhte Geldmenge in den USA ist die größte Inflationsgefahr.« (1)
Und wahrlich, die Amerikaner haben ihre Geldmenge im Zuge der Weltwirtschaftskrise in gigantischem Maß erhöht: von 2008 bis 2009 um über 100 Prozent! Die Euro-Länder kommen immerhin auf rund 30 Prozent. (2) Das hat dramatische Auswirkungen: In Deutschland beträgt die Inflation seit 1990 47 Prozent (3) und seit der Einführung des Euro im Jahre 1999 hat dieser rund 20 Prozent an Wert verloren. (4) Weltweit nimmt die Geldmenge viel stärker zu, als das Wirtschaftswachstum.
Verstärkt wird die Inflationsgefahr zusätzlich dadurch, dass viele Staaten riesige Schuldenberge aufgetürmt haben. Die Versuchung wird also immer größer, diese Lasten mit einer schleichenden Inflation zu drücken.
Edwin Truman, der viele Jahre lang die Abteilung Internationale Finanzen bei der US-Notenbank Fed leitete, ist der Ansicht, dass eine vorsichtige Erhöhung des Inflationsziels helfen könnte, die Geldpolitik handlungsfähiger zu machen, und auch der Chefökonom des IWF, Olivier Blanchard, glaubt, dass mit einem Inflationsziel von vier Prozent der Zinsspielraum für die Notenbanken erhöht werden könnte. Das birgt aber auch Gefahren. Truman dazu: »Natürlich besteht das Risiko, dass es bei vier Prozent nicht bleibt und man die Sache nicht mehr stoppen kann.« (5)

Eine schleichende Inflation ist dem Bürger politisch gut zu »verkaufen«, weil er diese nicht so drastisch spürt, sie ist aber für das Ersparte mit hohen Verlusten verbunden. Ein Beispiel: Wenn 100.000 Euro unverzinst zurückgelegt werden, sinkt deren Wert bei nur zwei Prozent Inflation pro Jahr nach 25 Jahren auf circa 60.953 Euro. Nahezu 40 Prozent des Vermögens fallen damit der schleichenden Inflation zum Opfer. (6)
William White war Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Er hält das Szenario, dass Regierungen ihre Schulden durch Inflation senken könnten, durchaus für realistisch: »Wenn die Verschuldungskrise die klassische makroökonomische Politik überfordert, müssen andere, schwierigere Wege eingeschlagen werden. Wenn dabei die politische Entschlossenheit fehlt, wächst die Gefahr, dass die Regierungen versuchen, die Probleme über einen Anstieg der Inflation zu lösen. Das gilt vor allem für die USA, wo der Druck von Finanzministerium und Parlament auf die Notenbank wächst, und wo ein großer Teil der Gläubiger, die den Schaden hätten, im Ausland sitzt. Es gibt viele historische Beispiele dafür, dass per Geldentwertung tatsächlich Verschuldung abgebaut werden kann. Aber in wenigen Fällen ist das gelungen, ohne in eine Hyperinflation hineinzurutschen.« (7)
Wenn ein Staat mit dem Rücken zur Wand steht, wird er drastische Mittel einsetzen, um seinen Bankrott abzuwenden. Diese waren in der Vergangenheit immer gleich: Zugriff auf das Privatvermögen, Inflation, Währungsreform.
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(1) Handelsblatt vom 22.03.2010
(2) Wirtschaftswoche vom 11.04.2009
(3) Spiegel online vom 06.01.2010
(4) www.wirtschaft.t-online.de/kaufkraft-euro-nur-noch-80-cent-wert/id_21394704/index
(5) Handelsblatt vom 22.03.2010
(6) Prof. Dr. Bernd-Thomas-Ramb: Vor der nächsten Währungsreform, Hamburg o.J., S. 59f.
(7) Ebenda
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