Es gibt allerdings scharfe Kritik an Obamas Plänen, da einige der Bodengutachten fast 30 Jahre alt sind. Zum anderen seien die ökologischen Auswirkungen der Bohrungen größer als die Erträge, die man erzielen würde, sagen die Gegner dieser Strategie.
Mit seinem für viele Beobachter überraschenden Entschluss vollzieht Obama eine drastische politische Kehrtwende, die den Versprechungen in seinem Wahlkampf diametral entgegenstehen und den Republikanern in die Hände spielen. Aber es geht nur vordergründig um Öl.
Kampf um den US-Dollar
Seit einigen Jahren tobt hinter den Kulissen der Weltwirtschaft ein unerbittlicher globaler Kampf mit dem Ziel, den US-Dollar als globale Reservewährung immer mehr zu untergraben. In dieser Auseinandersetzung spielt Öl eine zentrale Rolle. Da das »schwarze Gold« hauptsächlich in US-Dollar valutiert wird, sind die Vereinigten Staaten keinem Wechselkursrisiko ausgesetzt. Aber dieser Vorteil schwindet, denn aufgrund der schwachen Dollarpolitik der Federal Reserve wurde das Öl zum Geldersatz für jeden, der sich gegen einen möglichen Dollarverfall absichern wollte.

Deshalb ergibt es einen Sinn, dass Washington sich nun Wege sucht, um seine eigenen Ölreserven noch mehr zu fördern, meinen Befürworter der Pläne. Da aber alle anderen »Global Player« sich bereits ebenfalls in diese Richtung bewegen, kommt Obamas Ansinnen mehr als einen Tag zu spät, wenn es darum geht, die Claims weltweit abzustecken. Und nicht nur das: Mit dem rasanten Anstieg der amerikanischen Schulden wird es nicht leichter, den Handel erfolgreich zu festigen und auszubauen. Das fällt umso schwerer, wenn die übrige Welt den Dollar für immer anfälliger hält.
Betrachtet man diese Tatsachen, wird klar: Ein weiterer Bohrstopp vor der US-Küste ist zu teuer, weil die dadurch entstehenden Einnahmen dringend fehlen. So kostet die Vereinigten Staaten jeder Tag, an dem kein Öl gefördert wird, eine enorme Menge Geld.
Absturz einer Weltmacht
Der »große Bruder« braucht nur über den Teich nach Großbritannien zu schauen, um zu erfahren, wie es ist, als Weltmacht abzustürzen: Am Ende des Ersten Weltkrieges waren die Briten die mächtigste Nation der Welt und rühmten sich, eine stabile Wirtschaft und eine gesunde Währung zu besitzen. Geld floss reichlich, und das Pfund Sterling avancierte schnell zur wichtigsten Reservewährung rund um den Globus.
Im Jahr 1939 änderte sich dies jedoch drastisch: Großbritannien hatte sich verausgabt und das Pfund wurde mehr und mehr von der internationalen Bankengemeinschaft und den Märkten gemieden. Um einem kompletten Währungskollaps entgegenzuwirken, wurden schließlich strikte Wechselkurskontrollen entwickelt, die die Situation, auch mit der US-Hilfe im Zweiten Weltkrieg, etwas besserte, die Verschuldung aber erhöhte. Anfang der 1970er-Jahre war Großbritannien fast bankrott und nicht mehr in der Lage langfristige Regierungsanleihen zu verkaufen. Dann kam völlig überraschend der Aufschwung. Aber wie geschah dies? Viele Historiker behaupten, die eiserne Führung durch Margret Thatcher und die dynamische Zunahme des »Thatcherismus« hätten dazu beigetragen, das Land wieder international konkurrenzfähig zu machen.
Doch die Wahrheit ist, dass der Grund für die Wende im Vereinigten Königreich die Ölfelder in der Nordsee waren, welche Ende der 1970er-Jahre angezapft wurden. Ihr Ertrag führte schließlich zu einem Handelsüberschuss, der das Pfund an den internationalen Märkten wieder nach oben puschte.
Ähnlich könnte es auch für den Dollar kommen. Das Entscheidende ist, dass Präsident Obamas scheinbar überraschender Strategiewechsel nichts mit der Sicherung von Energiequellen oder einem ökologischen Anliegen zu tun hat, sondern stattdessen ein Versuch ist, die massiv ansteigenden Schulden mit dem einzigen Schmierstoff auf den Planeten, der geeignet ist, inflationäre Spannungen auszugleichen, zu begrenzen – dem Öl.
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Quelle:
http://moneymorning.com/2010/04/02/obama-offshore-drilling/
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