Deutschland: Energiesparlampen als Mogelpackung?
Weil die Strompreise hoch sind, suchen Verbraucher nach effizienten Wegen, um Energie zu sparen. Einer der Tipps lautete bislang: Energiesparen mit Energiesparlampen. Angeblich sparen sie bis zu 80 Prozent Strom. Die Elektronik-Industrie ist derzeit ziemlich ungehalten über die Zeitschrift »Öko-Test«, denn die hat unschöne Testergebnisse über Energiesparlampen veröffentlicht.
Annegret-Claudine Agricola ist Bereichsleiterin Energieeffizienz im Elektrizitätsbereich bei der Deutschen Energie-Agentur. Sie teilt mit, dass Energiesparlampen bis zu 80 Prozent Energie gegenüber einer herkömmlichen Glühbirne sparen. Tatsächlich haben Energiesparlampen eine hohe Lichtausbeute. Sie verwandeln etwa 25 Prozent der eingespeisten elektrischen Leistung in Licht. Im Vergleich dazu haben konventionelle Glühbirnen, bei denen der Strom einen Draht zum Glühen bringt, lediglich eine Lichtausbeute von fünf Prozent – und zudem 95 Prozent Wärmeverlust. In Australien und Kalifornien sind Glühbirnen seit längerer Zeit schon verboten und dürfen dort nicht mehr verkauft werden. Auch deutsche Discounter wie Lidl und Aldi haben angekündigt, die klassichen Glühbirnen demnächst vom Markt zu nehmen und durch Energiesparlampen zu ersetzen.
Die Zeitschrift Öko-Test hat nun Energiesparlampen getestet – und kommt zu einem interessanten Urteil: Energiesparlampen sind danach weniger sparsam als versprochen und schonen sowohl den Geldbeutel als auch die Umwelt nicht in dem Ausmaß, wie vonseiten der Hersteller kommuniziert. Die Zeitschrift schreibt: »Sie sollen eigentlich das Klima retten. Jetzt die große Überraschung in unserem Test: Die Einsparmöglichkeiten von Energiesparlampen sind viel geringer als versprochen. Zudem erzeugen die Öko-Leuchten Elektrosmog und eine schlechte Lichtqualität.« Was viele Bürger zudem einfach nicht wissen: Energiesparlampen enthalten im Gegensatz zu konventionellen Glühbirnen Quecksilber – und gehören zum Ende ihrer Lebenszeit auf den Sondermüll. Im Gegensatz dazu können konventionelle Glühbirnen mit dem normalen Hausmüll entsorgt werden (nicht im Glascontainer!).
Öko-Test hat 16 verschiedene warmweiße Energiesparlampen nach den Kriterien Helligkeit, Lichtqualität, Haltbarkeit, Energieeffizienz, Elektrosmog und Material untersucht. Das enttäuschende Ergebnis spart bei keinem der Punkte an Kritik: Nur vier Modelle könnten es in punkto Helligkeit mit einer 60-Watt-Glühbirne aufnehmen, wegen der schlechten Lichtqualität seien Energiesparlampen ein biologischer Risikofaktor und die Haltbarkeit sei trotz höherer Angaben nicht zufriedenstellend.
Die Elektronikindustrie ist nun entsetzt. Jürgen Waldorf, Geschäftsführer des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), hebt hervor: »Wir finden es verantwortungslos, dass die Zeitschrift Öko-Test vom Kauf von Energiesparlampen als Ersatz für Glühlampen abrät. Energiesparlampen sind selbst nach den Öko-Test-Ergebnissen die durchgängig bessere Lösung und damit eindeutig eine ökologisch sinnvolle Alternative zu Glühlampen.«
Die Qualität der in Deutschland verkauften Energiesparlampen war zuletzt von der Stiftung Warentest im Februar 2008 geprüft worden. Dabei wurde nur jede dritte Energiesparlampe mit »gut« bewertet.
Dienstag, 30.09.2008
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