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Die Antwort der Politiker auf soziale Unruhen und Wirtschaftskrise: Mehr Kotz- und Tränengas fürs Volk

Udo Ulfkotte

Das diesjährige Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos ist ein Spiegelbild des Verfalls. Und während die dort versammelten Politiker, Wirtschaftsführer und Journalisten krampfhaft bei Lachsschnittchen und Champagner die »Welt für die Zeit nach der Krise gestalten« wollen (so das offizielle Motto), haben die Regierungschefs in ihren Heimatländern einen von den Medien ausgeblendeten Geheimauftrag erteilt: die Vorräte der staatlichen Sicherheitsorgane an Tränen- und Kotzgas müssen aufgefüllt werden, denn man erwartet überall in Europa schwere soziale Unruhen. Seit Freitag gehen nun auch in Großbritannien landesweit die Arbeiter auf die Strasse. Und die Regierenden bekommen zunehmend Angst vor der eigenen Bevölkerung. Die Berichterstattung darüber ist politisch nicht korrekt. Deshalb schauen deutsche Medien lieber erst einmal krampfhaft weg.

Wenn Sie wissen wollen, wie krampfhaft sich deutschsprachige Medien in diesen Tagen vereint darum bemühen, die aufkeimenden sozialen Unruhen in Europa derzeit noch von Ihnen fern zu halten, dann geben Sie einmal den Suchbegriff »Davos"«in eine typische Suchmaschine ein. Sie finden dann als Suchergebnisse nur journalistischen Einheitsbrei, der Ihnen platte Allgemeinheiten, eine in Davos entfernte Tibet-Flagge und einen wütenden türkischen Ministerpräsidenten präsentiert. Das wars. Das ist verständlich, weil Journalisten es ja gewohnt sind, vorformulierte Pressemitteilungen abzuschreiben. Die bislang wichtigste Nachricht aus Davos sucht man in den deutschsprachigen Medien bislang schlicht vergeblich: Die einflussreichsten Gewerkschaftsführer der Welt, die mehr als 168 Millionen Mitglieder in 158 Ländern repräsentieren, haben in den westlichen Ländern bevorstehende schwere Unruhen angekündigt, die angeblich sogar zum »Ende der Demokratien« führen könnten. Und den Worten folgten sofort Taten, die den britischen Premier Gordon Brown in Davos in die Knie zwangen.  

Guy Ryder, Generalsekretär der International Trade Union Confederation (ITUC), sprach von einer explodierenden »sozialen Zeitbombe«, von bürgerkriegsähnlichen »Unruhen« und einem prognostizierten »Anstieg der Kriminaliät«. Guy Ryder, der einflussreichste Gewerkschaftsführer der Welt, sagte der Times: »We are on the road to serious social instability, which could be extremely dangerous in some countries to democracy itself.« Guy Ryder hat in vielen Zeitungsinterviews hervorgehoben, dass die Unruhen von Athen, Riga, Budapest und Großdemonstrationen wie jetzt in Frankreich nur der Anfang einer Bewegung sein werden, die den »Kasino-Kapitalismus« zum Zusammenbruch führen werde.

Kaum waren die Worte des mächtigen Gewerkschaftsführers veröffentlicht, da passierte in Großbritannien etwas bis dahin Unvorstellbares: Spontan streiken Briten gegen ausländische Arbeitnehmer in Großbritannien: Am Freitag morgen legten hunderte britische Arbeiter in einem Dutzend Raffinerien und Kraftwerken gemeinsam die Arbeit nieder. Es gab später Protestkundgebungen, bei denen Tausende Vorrang für britische Arbeiter bei der Arbeitsplatzvergabe forderten. Immer mehr Briten ärgern sich darüber, dass Arbeiter aus anderen Staaten ihnen die Arbeit wegnehmen. Zwei Millionen Briten sind derzeit arbeitslos. Und jeder zweite Brite hat Angst davor, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Das sorgt für erhebliche soziale Spannungen. "Briten streiken gegen Ausländer" - diese Schlagzeile dürfte in Davos an den Lachsschnittchen-Theken bei den Politikern für Verwirrung gesorgt haben. In Schottland, Wales, Nordirland und überall in England gab es am Freitag "spontane" Demonstrationen gegen ausländische (nicht-britische) Arbeitnehmer. Völlig unerwartet gingen an 17 verschiedenen Orten auf einmal tausende Briten auf die Strasse. Und die "Times" erinnerte sich sofort an die sechziger und siebziger Jahre, als aus solchen wilden Streiks plötzlich gewalttätige Strassenschlachten wurden.  Die britische Regierung war verunsichert. Und Premier Gordon Brown musste in Davos eine Sympathie-Erklärung für die streikenden Briten und für ihre Ängste abgeben.

Deutsche Qualitätsmedien blenden diese Entwicklung bislang einfach aus. Der Spiegel, einst als Nachrichtenmagazin für investigative Berichte gerühmt, hat selbst am Samstag morgen (siehe Screenshot vom Samstag 7 Uhr links)  - einen Tag nach dem Beginn der landesweiten Streiks in Großbritannien - , nur belanglose journalistischen Agenturgeschichten über eine abgehängte Flagge in Davos und einen wütenden türkischen Ministerpräsidenten. Von den britischen Streiks und einem in Davos schwer angeschlagenen Premier Gordon Brown erfahren Spiegel-Leser wie auch die Konsumenten anderer deutscher "Qualitätsmedien" bei der Davos-Berichterstattung zunächst einfach nichts. 

Solche Journalisten verdrängen auch, dass sich in Athen in diesen Tagen jetzt sogar schon Polizisten und Staatsbedienstete auf den Straßen pügeln. Dabei hätten die anhaltenden Unruhen in Griechenland und die sich abzeichnenden Unruhen in anderen westlichen Staaten für deutsche Jounalisten doch sogar einen ungeheuer positiven Nachrichtenwert: Sie sichern immerhin deutsche Arbeitsplätze. Seit Dezember 2008 berichten zahlreiche Medien darüber, dass deutsche Unternehmen das Tränengas liefern, welches in Ländern wie Griechenland von den Sicherheitskrärften gegen die Demonstranten eingesetzt wird. Die Produktion läuft auf Hochtouren – überall wird darüber berichtet; nur deutsche Medien haben davon bislang nichts mitbekommen. Sie üben sich derweilen in der Hofberichtsterstattung aus dem Schweizerischen Davos und machen sich Gedanken darüber, wie man die Probleme der Zukunft mit jenen Politikern lösen könnte, die zu ihrer Entstehung beigetragen haben. Genau diese Politiker haben eine ganz einfache Lösung für die aufmüpfige europäische Bevölkerung - Gas. Genauer gesagt: Tränengas und Kotzgas. Überall in Europa wird die Produktion derzeit hochgefahren, weil der Bedarf deutlich steigen wird.

Das aus Deutschland etwa jüngst nach Athen gelieferte Aerosol heißt fachlich korrekt »2-Chlorbenzyliden-Malonsäuredinitril« und wird kurz CS-Gas genannt. Einer der vielen bekannten Anbieter für reizende Gase ist die chemische Fabrik Carl Hoernecke im baden-württembergischen Oberstenfeld. Dort liefert man Qualität seit 1896. Wie es aussieht, werden deutsche Unternehmen wie die chemische Fabrik Carl Hoernecke neue Arbeitskräfte einstellen können, denn die Produktion von Reizgas dürfte ganz sicher eine europäische Wachstumsbranche werden.

 

Freitag, 30.01.2009

Kategorie: Allgemeines, Wirtschaft & Finanzen, Politik

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