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Die EU – die neue »Super-Sowjetunion«?

Thomas Mehner

Die Iren haben das scheinbar Unmögliche fertig gebracht – den EU-Reformvertrag abgelehnt. Nun taucht Frankreichs Sarkozy, den manche Zeitgenossen schon als zweiten (Möchtegern-)Napoleon bezeichneten, auf der Bildfläche auf und will die Bewohner der Grünen Insel davon überzeugen, nochmals ein Referendum durchzuführen. Deutlicher kann man sich nicht outen, Herr Sarkozy!

Da hat ein Volk, das dereinst für seine Unabhängigkeit gekämpft hat, dem Moloch EU gezeigt, dass man nicht widerspruchslos bereit ist, sich irgendein unausgegorenes Vertragswerk überstülpen zu lassen, und da kommen Sie, Herr Sarkozy, und meinen, man müsse solange abstimmen, bis das Ergebnis EU-konform ist – also passt im Sinne der Betonköpfe! Wo leben wir eigentlich? In einer Demokratie? Oder in einer Diktatur? Oder in einem Gemisch aus beiden – einer Demokratur? Sie, Herr Sarkozy (und im Übrigen auch Sie, Frau Merkel), haben den Willen des (irischen) Volkes zu akzeptieren und ihre Politik danach auszurichten – nicht umgekehrt. Im Übrigen steht das irische Volk für all jene Völker Europas, die nicht abstimmen durften, weil deren politisch Verantwortliche den Souverän (das Volk) scheinbar fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Irlands Menschen haben in demokratischer und völlig legitimer Wahl ihre Entscheidung gefällt, an der es nichts mehr zu rütteln gibt. Aber ganz offensichtlich brauchen die Protagonisten des EU-Molochs Nachhilfeunterricht in Sachen Demokratie – und zwar schleunigst!

Wie ich schon bei anderer Gelegenheit betonte, ist das Prinzip, die Völker Europas mit einer Stimme sprechen zu lassen, vom Prinzip her richtig. Aber bitte nicht unter solchen diktatorischen Vorzeichen. Apropos (Vor-)Zeichen. Ist denn noch niemandem aufgefallen, unter welchen Zeichen sich die Europäer vereinen sollen? Sehen Sie sich doch einmal die EU-Flagge an. Was die Symbolik angeblich bedeuten soll, hat man schon offiziellerseits erklärt. Wie heißt es aber schon in der Bibel: Wer’s glaubt, wird seelig! – Das Problem ist nämlich, dass »rein zufällig« alle benutzten Farben und Symbole freimaurerischer Tradition entstammen. Blau und gelb sind Freimaurerfarben – und erst recht der Stern! Man kann zu den Freimaurern stehen, wie man will – es bleibt die Frage, was ihre Symbolik auf der EU-Flagge zu suchen hat. Nun werden einige Zeitgenossen (und auch -genossinnen) meinen, das von mir Geäußerte sei lupenreine Verschwörungstheorie. Schön wär’s. Schon Jesus wusste, dass man seine Augen zum Sehen und nicht zum Wegsehen benutzen solle. Also machen Sie die Augen auf – und sehen Sie, was da auf uns zukommt: nämlich eine quasi-sozialistisch geprägte »Super-Sowjetunion«, in der die europäischen Völker zusammengepfercht werden sollen, ob es ihnen passt oder nicht. Und Abstimmungen, wie jene in Irland, sind da natürlich nur hinderlich. Des Volkes Wille ist unerwünscht – und damit auch der mündige Bürger. Man soll die Menschen anhand ihrer Taten beurteilen – und genau das tue ich.

Kommen wir zurück zu Nicholas Sarkozy. Der kleine Mann, der beim G-8-Gipfel leicht angeheitert vor die Medien-Mikrofone trat (eine Schande für einen Politiker!, das kannte man bisher nur von Jelzin), ist ja als Hardliner bekannt. Nun, als Vertreter der französischen Pharma-, Atom- und Öllobbyisten kann auch nichts anderes von ihm erwartet werden. Er muss seine Rolle spielen, sonst werden die Fäden, an denen er hängt, gekappt. So muss auch nicht verwundern, wenn Sarkozy für eine 60.000 Mann starke EU-Eingreiftruppe eintritt, die in Krisengebieten agieren soll – wo immer die auch liegen mögen. Spätestens jetzt muss klar werden, dass am Horizont die Drohung einer neuen, kurios zusammengewürfelten – und deshalb für viele schwer durchschaubaren – und mit feudalistischen, frühkapitalistischen und vor allem sozialistischen Elementen versehenen Ordnung – diesmal allerdings mit High-Tech-Charakter – heraufdämmert, versehen mit einem Expeditionsstreitheer nach dem Vorbild der einstigen kolonialen Weltmacht Großbritannien. Krisengebiete werden dann überall dort ausgemacht werden, wo europäische Wirtschafts- und Politikinteressen (besonders jene der Öl-, Atom- und Pharmalobby) gefährdet sind bzw. wo die Bevölkerung aufbegehrt – natürlich auch im EU-Inneren.

Herr Sarkozy: Mit 60.000 Mann können Sie rein gar nichts erreichen, wenn es hart auf hart kommt. Bedenken Sie bitte: Dauert der Einsatz länger, fallen die Deutschen – sollten sie denn dabei sein – ohnehin aus, sind die doch mit vorschriftsmäßiger Müllentsorgung und der Einhaltung der TÜV-Bestimmungen für ihre Fahrzeuge beschäftigt. Auch dem Rest der Truppe wird es nicht gelingen, »Ordnung zu schaffen«. Man siehe in den Irak, wo die Amerikaner (in heutiger Einschätzung kampferprobte und gut ausgerüstete Soldaten) die Lage nicht in den Griff bekommen. Ja, kann sein, dass Sie dann mit Frankreichs Atomwaffen drohen, wenn die Situation eskaliert. Ihr Vorgänger hat das auch schon getan. Eine Aktion zieht aber immer eine Reaktion nach sich und man stelle sich einmal vor, was geschieht, wenn in Paris im Extremfall eine schmutzige Atombombe zur Explosion gebracht wird. Die Zentren der westlichen Welt sind extrem leicht verwundbar und das Chaos, das danach ausbricht, wird jede europäische Regierung in die Knie zwingen. Und offenbar haben Sie die Russen vergessen, die es niemals zulassen werden, dass Sie nicht nur mit dem Säbel rasseln, sondern diesen auch benutzen. Wer im Glashaus sitzt, sollte also nicht mit Steinen werfen.

Im Moment sieht es danach aus (und viele Fakten sprechen dafür), dass Europa zwangsgeeint werden soll, um mit den Vereinigten Staaten von Amerika ein neues Bündnis zu gestalten – gegen den Rest der Welt. Immerhin: Einigkeit macht stark, und dieser Stärke bedarf es angesichts der Bedrohungen in Gegenwart und Zukunft: knapp werdende Ressourcen, Überbevölkerung, ungelöstes Energieproblem etc. Da die europäischen Bürgerinnen und Bürger das Ganze so (meist noch) nicht sehen, muss man ihnen die Richtung vorgeben, sprich den Marsch blasen – und viel Angst erzeugen, um die EU, die eine Art neuer »Super-Sowjetunion« werden wird, aus dem Boden zu stampfen.

Gespannt sein darf man auf den »Rest der Welt«. Glaubt man in Europa wirklich, dass Asien und Afrika freiwillig die Rolle großer Quasi-Kolonien spielen werden? So etwas kann man nur annehmen, wenn man nichts von Kulturgeschichte und Philosophie versteht. Viele Philosophen sagten voraus, dass »die große Kraft« aus dem Osten kommen werde. Im Osten liegen große Teile Russlands, Indien und China. Wer will dieser Macht, sollte sie sich einigen, entgegentreten? Europa, das am Tropf der russischen Öl- und Gaslieferungen hängt? Lächerlich! Die Russen drehen die Hähne zu und in Europa wird es dunkel und kalt! Die Vereinigten Staaten von Amerika? Vielleicht. Aber nur im Anfall vollkommener geistiger Umnachtung der politischen und militärischen Führung sowie des Wunsches, den endgültigen Vernichtungsschlag – den ja die zahlreichen Katastrophenfilme, die dortzulande produziert werden, geradezu herbei zu wünschen scheinen – zu erhalten.

Die europäischen Nationen und ihre Bürger müssen begreifen, dass das Diktat der EU Interessen dient, die nicht in ihrem ureigenen Sinne sind. Frau Merkel und Herr Sarkozy glauben offenbar, ihr Heil in einer starken EU zu sehen, die sich Amerika anschließt. Gut, wir haben Glaubensfreiheit. Ich meine allerdings, dass »die große Kraft aus dem Osten« das ausschlaggebende Element sein wird und dass sich Europa als Teil des eurasischen Kontinents auf seine Wurzeln und seine Abhängigkeiten besinnen muss, um den richtigen künftigen Weg einzuschlagen. Die Zukunft liegt im Osten – ob es uns passt oder nicht. Und auf alle Strukturen, die eine »Super-Sowjetunion« installieren wollen, können wir getrost verzichten, weil diese gegen das, was die Zukunft bringt, kaum etwas auszurichten vermag.

 

Donnerstag, 19.06.2008

Kategorie: Allgemeines, Geostrategie, Politik

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