Die Kreuz-Retter kommen: Italiener schlagen vereint gegen die EU zurück
Immer mehr Menschen klagen über den »Werteverfall« in ihrer Umgebung. Apathisch und achselzuckend fragen sie sich, was man denn schon dagegen tun könne. Die Italiener machen es in diesen Tagen vor. Das ganze Land rebelliert, steht auf wie ein Mann und bietet der EU die Stirn. Beim Kampf ums Kreuz verstehen die Italiener nämlich keinen Spaß.
Das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte hat in Italien erreicht, was tausende Prediger nicht zu erreichen vermochten: Es hat alle Menschen im Land unter dem Kreuz vereint. Ein christliches Kreuz in einem staatlichen Klassenzimmer, so die EU-Richter, verletzte die Religionsfreiheit der Schüler. Seither tobt Italien. Kirche und Staat wittern eine Frontalattacke auf das christliche Brauchtum. Die Straßburger Entscheidung hat nun zu einem landesweiten Wettbewerb im Aufhängen von neuen Kreuzen geführt – das Gegenteil von dem, was die Straßburger Richter erreichen wollten.
Die Linie gab der italienische Verteidigungsminister Ignazio La Russa in einer Fernseh-Diskussion vor: »Alle Kreuze bleiben hängen«, schrie der Verteidigungsminister, »sollen sie (die Kreuzgegner – d. Red.) doch sterben, samt diesen internationalen Schein-Institutionen!« Seither werden das Land und die christlichen Werte verteidigt. Und die Armee hat damit gedroht, jeden zu erschießen, der dem Befehl des Verteidigungsministers nicht folgt. Eines solchen drastischen Befehls hätte es gar nicht bedurft. Denn vor allem die Bürgermeister sehen endlich eine Gelegenheit, es den verhassten EU-Teufeln mal so richtig zu zeigen.
In San Remo im Nordwesten Italiens hat Bürgermeister Maurizio Zoccarato ein zwei Meter hohes Kreuz ins Rathaus gestellt. Und er hat alle Schulleiter dazu aufgefordert, Kreuze in den Schulklassen anzubringen. In der Stadt Busto Arsizio nahe Mailand setzte die Gemeindeverwaltung die EU-Flaggen an den Amtsgebäuden auf Halbmast. Ein großes, völlig neues Kruzifix prangt auf der Fassade des Bellini-Theaters von Catania in Sizilien. Immer mehr italienische Gemeinden bestellen neue Kreuze für ihre Schulen. Beispiel Sassuolo in der Provinz Modena in Norditalien: Dort orderte die Stadt 50 neue Kruzifixe. Sie sollen in all jene Schulzimmer gehängt werden, in denen es noch keine gibt.
Die 10.000-Seelen-Gemeinde Montegrotto Terme – elf Kilometer südwestlich von Padua – kündigt auf Leuchtschriften an: »Noi non lo togliamo« – Wir nehmen es nicht ab. Gemeint ist das Kreuz. Der Bürgermeister der Stadt Treviso im Nordosten Italiens brachte die Situation auf den Punkt: »Wir befinden uns im Reich des Wahnsinns, das ist eine Entscheidung, die nach Rache schreit. Das Gericht soll wegen des Verbrechens, das es begangen hat, gegen sich selber prozessieren!«
Der Bürgermeister von Assisi schlug vor, zu den Kreuzen in den Schulzimmern auch Weihnachtskrippen zu stellen. Und der Bürgermeister von Triest teilte mit, dass alles so bleiben werde, wie es ist – die Kreuze bleiben hängen. Die Handelskammer von Rom ersucht alle Geschäftsleute, deutlich sichtbar Kruzifixe aufzuhängen. In der Gemeinde Abano Terme – wo jener zugewanderte Atheist wohnt, der gegen das Kruzifix geklagt hatte – gibt es nun Demonstrationen vor den Schulen für das Kreuz Christi. Der Bürgermeister von Galzignano Terme in der Provinz Padua, Riccardo Roman, befahl das sofortige Aufhängen von Kreuzen in allen öffentlichen Gebäuden – nicht nur in Schulen, auch im Rathaus und in Museen. Die Polizei wird regelmäßig nachprüfen, ob der Befehl ausgeführt wurde, ansonsten drohen 500 Euro Strafe. Und Bürgermeister Maurizio Bizzarri von der Gemeinde Scarlino in der südlichen Toskana verhängt 500 Euro Strafe gegen jeden, der in öffentlichen Gebäuden ein Kreuz abhängt.
In der Stadt Trapani im äußersten Westen Siziliens bestellten Präsident und Beisitzer der Provinzregierung auf eigene Kosten 72 Kreuze. Und in der Stadt Neapel liest man auf Hauswänden nun das Graffiti: »Reiß das Kreuz ab, dann reiß ich Dir die Hand ab!« Es gibt keine Gemeinde in Italien mehr, die nicht Widerstand gegen das Urteil der Straßburger Richter leistet. Ganz Italien ist vereint. Und der Werteverfall ist derzeit in Italien ganz sicher kein Thema – im Gegenteil, man hat wieder zu seinen traditionellen Werten zurückgefunden. Dafür müsste man den Straßburger Richtern eigentlich dankbar sein.
Freitag, 13.11.2009
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