Saturday, 30. July 2016
09.04.2010
 
 

Die Quadratur des Kreises

Michael Grandt

Angela Merkel gibt sich als »eiserne Lady«, die kein deutsches Geld für Griechenland geben will und verweist auf den IWF. Doch letztlich erhält der Währungsfonds das Geld von der Bundesbank. Wird der deutsche Steuerzahler also wieder einmal hinters Licht geführt?

Frank Wiebe ist ein scharfzüngiger Kolumnist und schreibt regelmäßig für das Handelsblatt. In einem erst kürzlich erschienenen Artikel schreibt er: »Der IWF besorgt sich bei einem Kredit für Athen Geld bei der Bundesbank und leitet es weiter. Anders gesagt: Die Griechen können sich ihr Geld gleich in Frankfurt drucken lassen.«

Und so könnte das funktionieren:

Der Internationale Währungsfonds kann keine Euro-Reserven verleihen. Er muss sich das Geld selbst besorgen. Da die größte Notenbank im Euro-Raum die Deutsche Bundesbank ist, wird sich der IWF mit großer Wahrscheinlichkeit nach Frankfurt wenden.

Im Gegenzug für die Euro-Reserven erhält die Bundesbank dann vom IWF sogenannte »Sonderziehungsrechte« (SZR), die eigentlich als Devisenersatz für Weichwährungsländer gedacht sind. Das Sonderziehungsrecht ist eine Recheneinheit des IWF, die feste Beträge der vier wichtigsten Weltwährungen US-Dollar, Euro, Yen und britisches Pfund enthält. Es wird täglich neu festgesetzt. Ein SZR entspricht gegenwärtig rund 1,12 Euro.

Jedes Land hat demnach mit den SZR ein Guthaben gegenüber dem IWF, mit dem es seine Schulden gegenüber Gläubigerländern tilgen kann, weil sich die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet haben, Zahlungen mit SZR zu akzeptieren. Aber die SZR sind auch ein Teil der Währungsreserven eines Landes. Das bedeutet, dass jeder Staat das Recht hat, gegen Herausgabe von SZR andere Währungen zu kaufen.

Doch die Bundesbank kann mit den SZR nichts anfangen und wird sie lediglich auf die Aktivseite ihrer Bilanz (als Ausgleichsposten) buchen, damit sie auf der Passivseite die Euro-Guthaben für den IWF bereitstellen kann.

Der Währungsfonds wird das Geld anschließend nach Athen überweisen. Nach den Statuten sollte er im Gegenzug dann die heimische Währung erhalten. Doch die Drachme ist seit 2001 vom Euro abgelöst worden, demzufolge wird Griechenland kurzfristige Staatspapiere an den IWF geben.

Frank Wiebe lässt im Handelsblatt nun diesen komplizierten Umweg über den Internationalen Währungsfonds weg, was ehrlicher ist und das ganze Ausmaß der Volksverdummung aufzeigt: »In diesem Fall würde die Bundesbank die Euro-Guthaben direkt den Griechen zur Verfügung stellen und dafür Staatspapiere bekommen. Anders gesagt: Die Bundesbank kauft griechische Staatspapiere an und schafft im Gegenzug neues Geld. Noch einfacher gesagt: Sie druckt Geld.«

Die Gefahr besteht darin, dass andere, größere Staaten wie etwa Spanien auf eine Gleichbehandlung beim IWF pochen und indirekt ebenfalls Geld drucken lassen. Dann bekommt das Problem (das heißt Inflation) schon eine ganz andere Dimension.

Die Ironie des Ganzen liegt wohl darin, dass unsere »eiserne« Kanzlerin die Kreditwünsche der Griechen zurückweist, ihnen aber einen weitaus sündhafteren Weg zeigt, die Quadratur des Kreises: Athen kann im Endeffekt sein Geld selbst drucken und dafür auf dem Umweg über Washington die Bundesbank in Anspruch nehmen.

__________

Quellen:

Handelsblatt vom 07.04.2010

http://www.imf.org/external/np/exr/facts/deu/sdrd.htm

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