Tuesday, 31. May 2016
14.04.2010
 
 

Die Venus speit Feuer

Andreas von Rétyi

Neue Sondierungen der Venus-Oberfläche zeigen einige glühende Punkte auf der inneren Nachbarwelt unserer Erde. Die seit dem 11. April 2006 im Orbit kreisende europäische Raumsonde »Venus Express« tastete die Wärmestrahlung des in dichte Wolken gehüllten Planeten ab und fand dabei erstaunliche Hinweise auf immer noch aktive Vulkane.

Derzeit ist sie als gleißend heller »Stern« gut am frühen Abendhimmel zu sehen – die Venus. Sie strahlt in ruhigem, weißem Glanz über dem Westhorizont und dominiert dort augenblicklich die Dämmerung, während der momentan ganz in der Nähe stehende, viel schwächere Merkur noch weiter westlich erst nach angestrengter Suche auffällt.

Selbst in großen Teleskopen zeigt Venus sich ohne bemerkenswerte Details als helle Planetenkugel, und auch die ersten Raumfahrzeuge haben zuerst nicht viel mehr enthüllt – bis dann vor allem die sehr kosteneffizient konzipierte amerikanische Sonde Magellan umfangreiche Radarkarten der Venus-Oberfläche zur Erde funkte.

Durch frühere Landeeinheiten waren die mehr als nur »unwirtlichen« Bedingungen auf der sonnennahen Welt allerdings schon länger bekannt. So lieferten die sowjetischen Venera-Sonden zwischen 1961 und 1983 erstaunliche Daten und entlarvten jenen an unserem irdischen Himmel so überirdisch glänzenden Planeten als regelrechte »Hölle am Himmel«. Der Atmosphärendruck am Boden würde uns sofort zerquetschen, ein einziger Atemzug unsere Lungen verätzen und die kochende Hitze unsere Leiber im Nu aufzehren. Nicht einmal die speziell für diese harte Umgebung konzipierte Technik der Landeeinheiten hielte diesen Strapazen längere Zeit stand. Trotz umfangreicher Gegenmaßnahmen überdauerten die Sonden maximal 127 Minuten auf der Oberfläche.

Die aus dem NASA-Ersatzteillager stammende Sonde Magellan schwenkte im August 1990 in den Venusorbit ein und hielt sich in sicherer Distanz, um über Jahre hinweg die genauesten Radarkarten der Oberfläche zu erstellen. Schon damals kartografierte die Sonde sehr zahlreiche vulkanische Strukturen, doch glaubten die Wissenschaftler bis vor Kurzem, diese Glutberge seien bereits vor langer Zeit erloschen. Jetzt belegen neue Bilder das Gegenteil.

Mithilfe des Infrarot-Detektors VIRTIS, dem Visible and Infrared Thermal Imaging Spectrometer, dringen die künstlichen Augen der ESA-Sonde Venus Express bis zum Boden der kochenden Welt vor und fangen Wärmestrahlung aus verschiedenen Höhenbereichen auf. Dabei entdeckten die Planetologen bisher neun besonders heiße Regionen, Hot Spots, unter denen sich ganz offenbar gewaltige Magmakammern erstrecken.

Der deutscher Forscher Jörn Helbert, der am VIRTIS-Projekt mitarbeitet, bestätigt: »In ganz bestimmten Bereichen sehen wir das Glühen der Oberfläche.« Dort können auch echte Vulkanausbrüche stattfinden. Abweichungen von theoretischen Vorhersagen lassen sich möglicherweise durch unterschiedliche Gesteinszusammensetzungen erklären. Vor allem die bis zu 2,5 Kilometer über die Ebenen ansteigenden Regionen von Imdr, Themis und Dione kommen als aktive Vulkangebiete in Frage. Dies genau zu klären ist wegen der dichten Wolkendecke des Planeten nicht so einfach: Trotz aller Technik müssen sich die Wissenschaftler hier wie durch eine Nebelbank tasten! Um bessere Vergleiche anstellen und genauere Rückschlüsse ziehen zu können, errichten sie nun ein eigenes Labor, in dem bald verschiedenste Gesteine auf venustypische Temperaturen von 500 oder gar 600 Grad Celsius erhitzt werden sollen. Wie verhalten sich die unterschiedlichen Proben bei so hohen Temperaturen und welche Emissionen zeigen sie? Die Ergebnisse werden anschließend mit den Messdaten von Venus Express verglichen. Damit lassen sich die denkbaren Varianten sinnvoll einengen.

Erkenntnisse über die Venus sind besonders interessant, denn dieser Planet ähnelt unserer Erde vor allem in der Größe beinahe schon wie ein Zwilling dem anderen, teils auch im Aufbau bestehen deutliche Übereinstimmungen. Dennoch besitzt sie vorwiegend völlig abweichende Eigenschaften, die nicht allein durch den geringeren Sonnenabstand erklärbar sind. Was also geschah einstmals, dass sich diese grundsätzlich recht ähnlichen Welten so stark auseinander entwickelten? Um Rätsel dieser Art wird es künftig bei der Auswertung der Venus-Express-Daten gehen, damit wir nicht zuletzt auch mehr über unsere eigene kosmische Heimat in Erfahrung bringen können.

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