Durchbruch in der Kalten Fusion?
Alternative Energiequellen sind weiterhin ein Dorn im Auge der Ölindustrie. Zahlreiche anfangs viel versprechende Experimente mit neuen Energien führen meist schnell in eine Sackgasse – nicht realisierbar, unwissenschaftlich, fruchtlos. Zur Freude der Förderer des Schwarzen Goldes! So auch die Kalte Fusion. Ein sensationell scheinendes Forschungsergebnis zweier amerikanischer Physiker wurde vor 20 Jahren schnell als Unfug abgetan. Vielleicht, weil es unbegrenzte Energieressourcen in den Bereich des Möglichen rückte und Öl damit obsolet werden ließe. Doch jetzt behauptet ein japanischer Physiker, die erste Demonstration einer Kalten Fusion erfolgreich durchgeführt zu haben.
Sie könnte das lang ersehnte Ende der Abhängigkeit vom Öl bringen: die Kalte Fusion. Einziges Problem dabei: Sehnt sich denn wirklich jeder nach dieser Form der Unabhängigkeit? Das Gros der Öffentlichkeit ganz gewiss. Nur diejenigen, die in dieser Welt das Sagen haben, eher weniger. Die »Chemie« würde dann nämlich nicht mehr so richtig stimmen. Die rosigen Zeiten der Pharma- und Ölindustrie wären vorbei. Zurzeit steigen die Ölpreise im Stundentakt und bringen den Superreichen enorme zusätzliche Gewinne. Was bei den einen wie geschmiert läuft, lässt andere gefährlich ausrutschen. Dabei ist fraglich, wie es wirklich um die überall und ständig heraufbeschworene Ölknappheit bestellt ist, mit der sich so hervorragende Geschäfte machen lässt.
Schon 1973 produzierte die Macht-Elite unseres Planeten eine künstliche Ölkrise, indem sie mittels des Katalysators Kissinger den Yom-Kippur-Krieg entfesselte, die arabischen Ölfördernationen gegen sich aufbrachte und damit ganz nach Wunsch ein Embargo schuf, das den Ölpreis explosiv hochjagte. Alles genauestens besprochen auf dem damaligen Bilderberger-Treffen im schwedischen Salsjöbaden. Der ans Öl gekoppelte Dollar erlebte einen Aufschwung – genau das, was heute wieder erforderlich ist. Und alles, was zusätzlich in den Kassen der Scheichs landete, gelangte durch Interaktion geschickter Bankiers wieder in sichere US-amerikanische Häfen.
Mit Öl lässt sich heute mehr denn je viel Geld verdienen, und jede effektive Alternative gerät zur tödlichen Gefahr dieses gigantischen Geschäfts. Vor diesem Hintergrund ist keineswegs verwunderlich, wenn sich Verfechter alternativer Energien besonders schwer tun, ihre Konzepte an den Mann zu bringen. Auch die gegen Ende der 1980er-Jahre heiß diskutierte Kalte Fusion rechnet zu den Stiefkindern von Industrie und Wissenschaft. Vor nunmehr rund 20 Jahren hatten die beiden amerikanischen Chemiker Martin Fleischmann und Stanley Pons (beide von der Universität Utah) öffentlich verlautbart, die Fusion von zwei Kernen Deuterium (Schwerwasserstoff) unter sehr ungewöhnlichen Bedingungen bewirkt und beobachtet zu haben. Was am Ende herauskam, war der aus zwei Protonen und einem Neutron bestehende Schwerstwasserstoff Tritium, zudem einzelne Neutronen sowie sehr energiereiches und für das menschliche Auge nicht wahrnehmbares Licht: Gammastrahlung. Besonders interessant war dabei die Beobachtung, dass mit der Umwandlung eine messbare Erwärmung einherging. Das Experiment lieferte Energie. Völlig unverständlich, denn eine Kernverschmelzung findet nach allem, was bis dahin bekannt war, niemals bei Raumtemperatur statt. Doch genau das war bei dem Versuch der Fall! Diese Fusion lief also gleichsam bei »eisigster Kälte« ab. Normalerweise sind extrem hohe Drücke und Temperaturen erforderlich, um Kernteilchen miteinander zu neuen Kernen zu verschmelzen, Bedingungen, wie sie nur bei Nuklearbomben oder im Inneren von Sternen anzutreffen sind.
Die meisten Forscher zweifelten daher die Aussagen von Fleischmann und Pons an. Schnell war die Rede von Pseudowissenschaft. Einige wissenschaftliche Arbeitsgruppen versuchten erfolglos, das Experiment zu wiederholen, und selbst den beiden Entdeckern der Kalten Fusion gelang es nicht, den Laborversuch zu reproduzieren. So sah es zunächst um diese möglicherweise epochale Technologie ziemlich düster aus, die guten Argumente lagen auf der Seite der Skeptiker. Wenn überhaupt, dann war es also bestimmt nicht ganz so einfach, die Kalte Fusion auszulösen. Und viel mehr als verächtlich lautende Schlagzeilen folgten kaum als Resonanz auf jene absonderliche Entdeckung einer noch absonderlichen neuen Energiequelle, die uns aller Zukunftssorgen entledigen könnte.
Interessant aber doch, dass Schein und Sein wie so oft auch hier bemerkenswert weit auseinander lagen. Denn laut Dr. Edmund Storms von den Los Alamos National Laboratories (LANL), des bedeutendsten US-Nuklearlabors und Geburtsstätte der Atombombe, führten Physiker zahlreiche Experimente zur Kalten Fusion durch – und keineswegs alle misslangen. Storms wies 1996 darauf hin, dass insgesamt 190 Studien durchgeführt wurden, die ähnliche Effekte darstellen. Allein in den LAN-Laboratorien erfolgten demnach drei gelungene Experimente.
Trotzdem wird die Kalte Fusion immer noch als Pseudowissenschaft bezeichnet, nicht als experimentelle Grundlagenforschung zur längst nötigen Sicherung der langfristigen weiteren Energieversorgung unserer Erde. Gerade auf Gebieten wie der Krebsforschung oder alternativer Energien sollten keine Mittel gescheut werden, um erfolgreiche Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. Doch in beiden Fällen lockt das Geschäft mit dem jeweiligen Status quo – Krebs ist, wenn überhaupt, eben nur durch Chemo in den Griff zu bekommen, und Erdöl ist die Hauptschlagader der derzeitigen irdischen Energieversorgung, ja, es muss sie auch bleiben. Nur geht das Öl aber leider zur Neige, was die Kosten explodieren lässt. Gelang es hoch exklusiven, extrem mächtigen Gruppierungen wie den Bilderbergern, die Kalte Fusion über einen Zeitraum von nunmehr rund 20 Jahren massiv zu unterdrücken, um einen unter Umständen sehr gefährlichen Konkurrenten im Zaum zu halten?
Erdöl bedeutet Kontrolle. Als 1973 die Ölpreise in den Himmel schossen, mussten arme Länder umfangreiche Kredite aufnehmen, wodurch sie in die Abhängigkeit gerieten. Auf diese Weise, die zudem humanitäre Absichten vorgaukelt, gelingt die Umsetzung dessen, was als Neue Weltordnung bekannt geworden ist. Und hier stören Konzepte wie die Kalte Fusion eben. Gerade sie scheint auch tatsächlich zu schön, um wahr zu sein. Gerne brachten Experten die rhetorische Frage ins Spiel, ob denn in dieses dubiose Forschungsgebiet überhaupt weiterhin Gelder investiert werden sollten. Doch trotz aller Kritik und Unterdrückung setzen zumindest einige Wissenschaftler ihre Experimente beharrlich fort.
Kürzlich könnte nun ein echter Durchbruch gelungen sein, der die Bemühungen von Fleischmann und Pons endlich rechtfertigt. Am Donnerstag, dem 22. Mai, gelang dem japanischen Professor Yoshiaki Arata von der Universität Osaka möglicherweise die erste erfolgreiche Demonstration einer Kalten Fusion. Zusammen mit seinem Kollegen Yue-Chang Zhang führte er ein entsprechendes Experiment vor Fachauditorium vor. Versammelten waren rund 60 Gäste, darunter Physiker sowie Journalisten von sechs großen Tageszeitungen und zwei Fernsehstationen.
Der 1924 geborene Arata rechnet zu den renommiertesten Physikern Japans, sein Wort hat Gewicht. Arata und sein Kollege Zhang leiteten Deuteriumgas in eine abgeschlossene Zelle, in der sich eine Mischung aus Palladium- und Zirkonoxidpuder befand. Diese Mixtur nahm das Deuterium auf und verdichtete es zu »Pynco«-Deuterium. Die höhere Kerndichte sorgte für den gewünschten Effekt einer Fusion zu Heliumkernen. Das Einschleusen des Deuteriumgases führte zu einem Temperaturanstieg, den die Forscher nicht allein als chemische, sondern auch als nukleare Reaktion deuteten. Nachdem sie die Gaszufuhr unterbunden hatten, blieb die Kammer rund 50 Stunden lang wärmer als die Kammerwände. Pons und Fleischmann konnten ihr Experiment nicht erfolgreich wiederholen und so wurde es als Pseudowissenschaft gebrandmarkt. Die diesmal eher kalte Feuerprobe steht auch für Professor Arata noch aus, doch sein Fachkollege Akito Takahashi, der dieser Demonstration ebenfalls beiwohnte, äußerte sich zuversichtlich. Sämtliche Bedingungen des Experiments legten eine erfolgreiche Wiederholung nahe: »Arata und Zhang haben die Erzeugung einer fortdauernden Überschuss-Energie von ZrO2-nano-Pd-Probepulver unter D2-Gas-Einschleusung und Erzeugung von Helium-4 sehr erfolgreich demonstriert. Die dargestellten Live-Daten sahen genauso aus wie die Daten, die sie in ihren veröffentlichten Studien berichtet hatten. Diese Demonstration zeigt, dass die Methode eine hohe Reproduzierbarkeit aufweist.« Dann allerdings könnte eine echte Revolution bevorstehen. Das Monopol der Ölindustrie wäre jedenfalls gebrochen. Darf das sein?
Dienstag, 03.06.2008
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