EATR – Der Horror-Roboter wird Realität
Wir sind ja schon so manches gewöhnt, was ehrgeizige Wissenschaft und überzogene Technologie im Lauf der vergangenen Jahre und Jahrzehnte entwickelt haben. Trotzdem erleben wir immer wieder neue Überraschungen und werden mit Schöpfungen konfrontiert, die eigentlich nur kranken Geistern entspringen können. Ähnliche Assoziationen weckt das Pentagon-Projekt EATR.
Kurz gesagt, der Name ist Programm – denn das Akronym EATR verweist auf sich selbst. EATR bedeutet Energetically Autonomous Tactical Robot – ein energetisch unabhängiger taktischer Roboter. Dieses sich selbst versorgende System ist eine Entwicklung des in Maryland ansässigen Unternehmens Robotic Technology Inc., das als Vertragsnehmer des US-Verteidigungsministeriums tätig ist.
Zunächst klingt ja alles ganz harmlos und sogar richtig praktisch. Das Ding kann halt ein bisschen mehr als seine mechanischen Kollegen. EATR kann sich eben selbst versorgen, sprich: Er bleibt nicht stehen, wenn die Akkus leer sind, sondern kümmert sich darum, immer betriebsbereit zu sein. Dafür sorgt ein von Cyclone Power Technology in Florida konstruiertes Aggregat, eine Brennstoffzelle, die Wasser in einem geschlossenen Kreislauf erhitzt und Elektrizität erzeugt. Genannt wird dieser Antrieb Waste Heat Engine. Auch das klingt an sich noch ganz harmlos. So erklärt Robotic Technology Inc. in einem Projektüberblick: »Das System erhält seine Energie durch Nahrungssuche – nutzt durch biologische Prozesse inspiriertes, organismenartiges, energiesammelndes Verhalten, welches ein Äquivalent für den Vorgang des Essens ist. Es kann Biomasse (und andere Energiequellen auf organischer Basis) aus der Umgebung finden, vertilgen und daraus Energie beziehen.« Das Ganze würde unter anderem mit Propan, Diesel, Benzin, Kerosin oder Öl vonstatten gehen, aber auch mit »alternativen« Quellen funktionieren.
Mit etwa 70 Kilogramm Pflanzennahrung käme EATR je nach Anforderungen rund 160 Kilometer weit, kein ganz unerheblicher Verbrauch also. Die Anforderungen könnten sehr unterschiedlich ausfallen, genau wie der Aufbau von EATR selbst – das immer gleiche Grundprinzip wäre lediglich in der »Plattform« verwirklicht. Die vor allem militärische Nutzung könnte hingegen variieren. Einmal vielleicht ein Panzergefährt, dann wieder ein mobiles Kommunikationszentrum oder auch eine Ambulanz.
Dass das Militär sich gerne beschönigender Worte bedient, wenn es um neue Kriegstechnologie geht, ist sattsam bekannt. Weniger aber, dass EATR keineswegs als reiner Vegetarier in die Welt geschickt werden soll. Denn wenn hier von alternativen Energiequellen die Rede ist, verbirgt sich dahinter ein erschreckendes Potenzial. Die Roboterplattform kann ihre Energie aus allen möglichen organischen Produkten und Abfällen beziehen, auch aus verendeten Tieren. Und sie kann sich nicht zuletzt sogar von toten Menschen nähren! Gerade in Kriegsgebieten besteht an diesen »Energiequellen« nun wirklich kein Mangel. Und bei nur ein wenig Fantasie tun sich hier wahre Gruselszenarien auf. Immerhin vermag sich EATR momentanen Schätzungen zufolge monate- oder gar jahrelang unabhängig zu bewegen! Ein unerbittlich voranschreitendes mechanisches Monstrum, ein Leichen fressender Roboter, der geradewegs einem genretypischen Endzeitschocker entstammen könnte. Und was, wenn EATR mal richtig Hunger hat, aber nur lebende Exemplare der Gattung Mensch griffbereit sind? Der Hersteller versichert seinerseits, dass von dem System keine Gefahr ausgehe und es sich auch nicht von toten Tieren oder Menschen ernähre, geschweige denn lebende Wesen anfallen und fressen würde. Aber, was wurde uns schon alles versichert. Und kommt nicht der Appetit mit dem Essen?
Donnerstag, 06.08.2009
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