Europa-Crash: Erster EU-Mitgliedsstaat stand kurz vor dem Bankrott
Nur durch massive finanzielle Hilfe ist Ungarns Staatsbankrott verhindert worden, aber vier weiteren EU-Mitgliedsstaaten droht ebenfalls die Pleite.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise trifft nicht nur Unternehmen und Bürger, sondern zunehmend auch ganze Staaten. Nach der Zahlungsunfähigkeit von Island, das seine Banken kurzerhand verstaatlichte, verhinderte nun Ungarn, als erstes EU-Mitgliedsland, in letzter Sekunde einen Staatsbankrott. Der IWF, die EU- und Weltbank stellen dem osteuropäischen Land 20 Milliarden Euro zur Verfügung, damit es seinen Zahlungsverpflichtungen weiter nachkommen kann.
Ungarn war nicht mehr kreditwürdig
Der ungarische Staat ist von der Finanzkrise besonders bedroht, denn er ist seit Längerem hoch verschuldet (67 Prozent des Bruttoinlandproduktes!) und konjunkturelles Schlusslicht in Europa. 2007 hatte das Land mit einem Wirtschaftsabschwung von 1,3 Prozent den schlechtesten Wert aller EU-Staaten und das größte Budgetdefizit. Die Kreditwürdigkeit des Staates wurde zurückgestuft.
Außerdem hängt das Bankensystem von ausländischem Geld ab und die Landeswährung Forint wurde alleine im Oktober um ganze 15 Prozent abgewertet. Internationale Investoren zogen daraufhin ihr Kapital ab und der Markt für ungarische Staatsanleihen brach zeitweise ganz zusammen. Die ungarischen Banken waren gezwungen, die Ausgabe von Devisenkrediten zu stoppen, und die Bürger brachten ihre Spareinlagen bei ausländischen Banken in Sicherheit.
Finanzhilfe ist an Bedingungen geknüpft
Der IWF stellt nun 12,5 Milliarden Euro, die EU 6,5 Milliarden und die Weltbank eine Milliarde zur Verfügung. Diese Finanzspritze ist allerdings an wirtschaftspolitische Bedingungen geknüpft: Die ungarische Regierung hat sich dazu verpflichtet, ein politisches Programm aufzulegen, das für mehr Wachstum, der Konsolidierung des Staatshaushalts und Reformen sorgen soll.
Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany reagierte bereits und kündigte an, auf eine geplante Steuerreform zu verzichten, die den Bürgern und den Unternehmen ab 2009 Entlastungen in Höhe von rund 600 Millionen Euro gebracht hätte.
Vier weitere EU-Mitgliedsstaaten sind bedroht
Der nächste Staat, der ganz oben auf der Liste jener EU-Länder steht, die zunehmend Probleme bei der Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise bekommen können, ist Estland.
Estland hat ein hohes Leistungsbilanzdefizit und eine enorme Verschuldung des Privatsektors, die auf 96 Prozent des Bruttoinlandproduktes beziffert wird. Rumänien, Bulgarien und Litauen sind ähnlich hoch verschuldet und stehen ebenfalls auf der Bankrott-Warnliste.
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Quellen:
Financial Times Deutschland
Wallstreet-Online
Donnerstag, 18.12.2008
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