»Exxon« soll die entscheidende Kontrolle über das irakische Öl erhalten
2002 setzte die Regierung Bush eine Propagandakampagne in Gang, mit der gerechtfertigt werden sollte, dass der bizarre Krieg gegen den Terrorismus sich nicht mehr gegen den angeblichen Urheber, nämlich bin Ladens Organisation »El Qaida«, richten sollte, die sich damals angeblich in einer abgelegenen Höhle in Tora Bora in den afghanischen Bergen verschanzt hielt. Die Bush-Regierung schlug gegen den Irak los – wie sich später herausstellen sollte, waren die Beweise gegen Saddam Hussein von den neokonservativen Kriegsfalken um den damaligen US-Vizepräsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Rumsfeld gefälscht worden. Der Irak selbst verfügte weder über Massenvernichtungswaffen noch unterhielt er irgendwelche Verbindungen zu seinem erklärten Gegner Osama bin Laden, einem fanatischen Wahabiten. Die US-Regierung bestritt energisch, dass es bei dem Krieg in Wirklichkeit um die Kontrolle des Öls ging. Und doch war es so – wenn auch nicht in der Art und Weise, wie allgemein angenommen wurde.
In diesen Tagen – d.h. sechs Jahre nach der Invasion in den Irak im März 2003 und sechs Jahre, in denen Dick Cheneys alte Firma, der amerikanische Rüstungs- und Baukonzern Halliburton, insgesamt 15 permanente US-Militärbasen im Land errichtet hat, die noch lange bestehen werden, wenn die übrigen US-Truppen das Land verlassen haben werden – gibt die weltgrößte Ölgesellschaft Exxon bekannt, an der Förderung auf den großen bislang unerschlossenen irakischen Ölfeldern maßgeblich beteiligt zu sein. Exxon Mobil Corp hat vor Kurzen eingeräumt, der Ölmulti führe Gespräche mit Bagdad zur Schaffung eines »Investitionsklimas, das es dem Konzern erlaubt, ein wichtiger Player auf dem irakischen Energiesektor zu werden«, so der Vorstandsvorsitzende von Exxon. Vor Beginn der Operation Shock and Awe im März 2003 zur Übernahme der Ölfelder durch die USA hatte die Regierung Saddam Husseins langfristige Erschließungsabkommen mit chinesischen, russischen und französischen Ölgesellschaften für die Entwicklung der irakischen Erdölfelder geführt.
Man schätzt, dass der Irak mindestens über die drittgrößten Ölvorkommen der Welt verfügt. Wie ich in meinem Buch Mit der Ölwaffe zur Weltmacht dargelegt habe, ging es Washington bei der unilateralen US-Invasion in den Irak nicht um die Sicherung der zukünftigen amerikanischen Ölversorgung, wie viele angenommen haben, oder darum, Öl für den Fall einer mythischen Ära der sogenannten »Peak-Oil«-Knappheit zu sichern. Es ging vielmehr um das geopolitische Ziel der US-Interessen, auch in Zukunft die Ölversorgung des Schwellenlandes China mit seinem riesigen wirtschaftlichen Potenzial und in geringerem Maße auch die Ölversorgung Europas und Indiens zu kontrollieren.
Da das Ziel eben diese geopolitische Kontrolle über die großen Ölreserven im Mittleren Osten ist, haben es die riesigen amerikanischen Ölgesellschaften auch gar nicht eilig damit, dieses Öl auf einem Markt zu entwickeln, der gegenwärtig mehr als gesättigt ist. Sie wollen vielmehr sicherstellen, dass andere Abnehmerländer, wie China, sich keine unabhängigen langfristigen Lieferverträge mit einer souveränen irakischen Regierung sichern können. Die Politik besteht also in einer »zukünftigen Verweigerung« gegenüber potenziellen Rivalen oder Konkurrenten wie China.
Die Erdöllieferungen von Kirkuk über eine Pipeline nach Haifa in Israel werden zum Teil durch US-Basen gesichert.
Die Regierung des Irak arbeitet derzeit die Vertragsbedingungen für das Bieterverfahren auf sechs großen Ölfeldern vor, auf denen insgesamt mehr als ein Drittel der irakischen Ölreserven lagert. Der Irak hat die Bedingungen für den Vertragsabschluss bereits gelockert, aber die großen anglo-amerikanischen internationalen Ölgesellschaften machen weiter Druck, um erhebliche Zugeständnisse oder eine Vorzugsbehandlung zu erwirken. Exxon ist auch der größte ausländische Investor im nahe gelegenen Qatar; mit seinen dortigen Projekten wird dieser Ölmulti in diesem Jahr 2009 den größten Teil seines Produktionszuwachses erzielen. So wird Exxon in Qatar die Produktion von verflüssigtem Erdgas (LNG) auf seiner Anlage Qatargas in diesem Jahr 2009 verdoppeln. Qatar ist bereits heute der weltweit größte Hersteller von exportiertem LNG.
Nach Angaben von Exxon kann Qatar LNG billiger liefern als irgendein anderer Anbieter weltweit. Deshalb kann sich das Land auch leichter dem Abwärtsdruck bei den Preisen widersetzen als andere LNG-Produzenten. Diese Einkommensquelle wird von Exxon kontrolliert, während andere Lieferländer durch die fallenden Energiepreise in den Bankrott getrieben werden. In einer Zeit, in der andere Länder von Brasilien bis Russland gezwungen sind, die Entwicklung großer Öl- oder Gasfelder zu verschieben, kann Exxon seine Kontrolle über den Fluss von Öl und Gas auf der Welt noch verstärken. Exxon-Chef Tillerson hat erklärt, der niedrige Öl- und Gaspreis habe sich auf die Ausgabenpolitik von Exxon nicht ausgewirkt, da das Unternehmen »Investitionsentscheidungen mit einer langfristigen Perspektive plant und sich nicht um kurzfristige Ausschläge des Ölpreises verlässt«. Exxon wird 2009 etwa 29 Milliarden Dollar investieren, das ist die Obergrenze des für die nächsten fünf Jahre anvisierten Ausgabeziels von 25 bis 30 Milliarden Dollar pro Jahr. Das mit diesen Geldern zusätzlich geförderte Gas ist für Großbritannien bestimmt; dort wird auf dem von den Firmen Exxon und Qatar Petroleum gemeinsam errichteten LNG-Terminal South Hook in den nächsten Wochen das erste Gas aus Qatar ankommen. Auch in einem weiteren italienischen Adriahafen wird noch vor Ende Juni 2009 das erste LNG aus Qatar eintreffen.
Das Erdgas aus Qatar ist enorm wichtig, denn das Land teilt sich mit dem Iran das zweitgrößte Offshore-Gasfeld der Welt im Persischen Golf. Da Exxon in Qatar eine derart wichtige Rolle spielt und jetzt auch noch im Irak Fuß fasst, gelangt die gesamte Golfregion mit Ausnahme des Irans jetzt unter US-amerikanische Kontrolle, die zusätzlich noch von dem Ring amerikanischer Militärbasen von Qatar bis Irak gesichert wird.
Mittwoch, 08.04.2009
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