Finanzkrise Niederlande: Jetzt wackeln die Pensionsfonds – dem Vorbild der Riester-Rente droht die Insolvenz
Entweder stark steigende Beitragszahlungen oder aber Absenkung der Altersbezüge – das ist die Perspektive hunderttausender Niederländer im Ruhestand. Nicht in zehn oder 20 Jahren, sondern schon sehr bald. Der Countdown läuft, sagt der niederländische Arbeits- und Sozialminister Piet Hein Donner. Die niederländischen Pensionsfonds waren einmal das Vorbild für die deutsche Riester-Rente. Und einige von ihnen stehen nun vor dem Bankrott.
In den Niederlanden sind die Renten erheblich niedriger als in der Bundesrepublik. Sie sichern nur den Mimimalschutz vor Armut. Und spätestens vom 70. Lebensjahr an haben durchschnittliche Niederländer kein Geld mehr übrig, das sie anlegen oder sparen könnten. Im Gegenteil – vom 70. Lebensjahr an sind die meisten Niederländer auf Erspartes angewiesen, um halbwegs vernünftig leben zu können. Oder sie helfen für einen Zuverdienst in den vielen kleinen Läden, reparieren etwa Fahrräder.
Fast alle niederländischen Rentner haben jedoch auch Geld in Pensionsfonds angelegt, weil es eine Pflicht-Mitgliedschaft in einem der 900 verschiedenen Branchen-Pensionsfonds gibt. So gibt es etwa einen Pensionsfonds für Beamte (Algemeen Burgerlijk Pensioenfonds, ABP), der mit einer Bilanzsumme von mehr als 150 Milliarden Euro einer der größten der Welt ist.
Und so kann man die Unruhe und Wut der künftigen Pensionäre verstehen, die nun aus berufenem Munde erfahren mussten, dass die Auszahlungen wohl drastisch sinken werden – oder aber die Beiträge drastisch steigen müssen. Die in den Niederlanden vertriebenen privaten Pensionsfonds scheinen für die Zukunft jedenfalls nicht gut abgesichert zu sein. Piet Hein Donner ist seit 2007 Arbeits- und Sozialminister der Niederlande. Und er hat nun öffentlich mitgeteilt, dass hunderttausende künftiger niederländischer Pensionäre aus ihren Pensionsfonds wohl erheblich weniger herausbekommen werden, als man ihnen derzeit noch verspricht. Mehr noch: Vielleicht gehen einige einfach bankrott.
Jene, die über viele Jahre in solche Pensionsfonds eingezahlt haben und kurz vor dem Ende des Berufslebens stehen, sind entsetzt. Denn etwa die Häfte der niederländischen Pensionfonds wird nach derzeitigem Stand nicht einmal die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestauszahlungen in Höhe von 105 Prozent des eingezahlten Kapitals ausschütten können. Bis zum 1. April 2009 müssen die Pensionsfonds nun einen Plan vorlegen, wie sie ihren Kunden zumindest die Auszahlung der Mindestabdeckung garantieren wollen. In den Vorständen der Unternehmen hält man das wahrscheinlich für einen Aprilscherz. Das aber ist es nicht, denn die Kapitalanlagen von Pensionsfonds machen in den Niederlanden mehr als 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Sie sind ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor – der nun wankt. Immerhin ist ein wachsender Teil dieser Pensionsfonds-Unternehmen insolvenzgefährdet. »Achtung – Treibsand« – mit diesen Worten hatte man die Niederländer schon 2003 vor dem drohenden späteren Kollaps vieler Pensionsfonds gewarnt. Das aber wollte damals fast niemand hören.
Die Niederlande waren 2001 das Vorbild für die deutsche Riester-Rente. Und nun kracht es dort im Gebälk.
Dienstag, 24.02.2009
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