Folgt auf die globale Erwärmung eine Sintflut?
Wird auf die globale Erwärmung, die wir derzeit erleben, eine große Sintflut folgen? Sofern wir dem Glauben schenken, was die drei großen Weltreligionen sowie alte Kulturen über den »Weltuntergang« zu sagen haben – ja! Seit 2.000 Jahren sehen Priester und Bischöfe in einigen der christlichen Weltuntergangs-Prophezeiungen die Ankunft des Antichristen angekündigt. Aber könnten diese Prophezeiungen nicht auch von einer großen Flut künden?
In der Luther-Bibel findet sich bei Lukas 21:25 die folgende Prophezeiung: »Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und sie werden zagen, und das Meer und die Wassermengen werden brausen.«
In der lateinischen Bibel ist das Wort »fluctum« zu lesen, was »Wassermengen« heißt. Viele andere Bibeln weltweit deuten es als »Wellen«. In der griechischen Version finden sich die Begriffe èáëάóóçò für »Meer und óάëïõ, was wiederum mit »Wassermengen« übersetzt wurde. Der zweite Begriff meint laut einigen Lexika (zum Beispiel dem von Scott/Liddell) die »schüttelnde Bewegung bei einem Erdbeben« bzw. die »rollende Dünung des Meeres«.
Und bei Markus 13:14–15 finden wir: »Wenn ihr aber sehen werdet den Greuel der Verwüstung (von dem der Prophet Daniel gesagt hat, dass er steht, wo er nicht soll; wer es liest, der merke darauf!), alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe auf die Berge; und wer auf dem Dache ist, der steige nicht hernieder ins Haus und komme nicht hinein, etwas zu holen aus seinem Hause.«
Worum könnte es sich bei diesem »Greuel der Verwüstung« handeln, dem man entkommen kann, indem man in die Berge oder auf das Dach seines Hauses flieht? Etwa um einen Antichristen, der über die Welt herrscht, aber nicht über Hubschrauber und Flugzeuge verfügt? Oder vielleicht doch um eine Flut?
Der Evangelist Markus (MAPKOC im Griechischen)
Doch nicht nur christliche Prophezeiungen sagen eine große Flut voraus. Werfen wir einen Blick auf den Hinduismus. Coomaraswamy zufolge lehrt die hinduistische Religion: »Auf jede Manvantara (Periode) folgt eine Flut, welche die bestehenden Kontinente zerstört und alle lebenden Wesen verschlingt bis auf jene, die geschützt wurden, um die Erde neu zu bevölkern.«
In Tibet findet sich die folgende Prophezeiung: »Tibet durch gigantische Seebeben in den Fluten versinken wird, begleitet von Vulkanausbrüchen und Wirbelstürmen, dass alles zerstört wird, und dass der Kataklysmus jeden Erdteil erreichen wird, wenige werden überleben. Dann wird die Verkündigung der reinen Lehre am Ende wieder hergestellt, und eine neue Welt wird geboren werden, in der die Erleuchteten wie die Sterne am Himmel strahlen werden.«
Im Islam heißt es: »Wenn die Sonne umschlungen wird und wenn die Sterne verstreut werden und wenn die Berge versetzt werden ... und wenn die Meere zum Überfließen gebracht werden, wird eine (jede) Seele erfahren, was sie vorgebracht hat.« (Sure 81, at-Takwir)
Bei den Azteken besagt die Quetzalcoatl-Prophezeiung (974): »Das Gleichgewicht der Natur wird verloren gehen, wenn die Wellen des Ozeans die Strände nicht mehr achten.«
Der Hieroglyph, der im Kalenderstein der alten Azteken für die »Fünfte Sonne« steht.
In der skandinavischen Edda (9. bis 13. Jahrhundert) ist zu lesen: »Die Sonne verlischt, das Land sinkt ins Meer; vom Himmel stürzen die heiteren Sterne, Lohe umtost den Lebensnährer; hohe Hitze steigt himmelan, der Schlachtgötter Sturz. Neues Land steigt auf, die wundersamen goldenen Tafeln finden sich wieder, eine lange fruchtbare und schöne Zeit, der düstere Drache versinkt.«
Bei den Ägyptern legt man dem Gott Aton um 1.800 v.Chr. die folgenden Worte in den Mund: »Ich werde alles zerstören, was ich geschaffen habe, und dieses Land wird in einen Ozean verwandelt werden, wie es am Anfang war.«
Die folgende Prophezeiung findet sich in einem Buch aus den 1950er-Jahren, das von einem spiritistischen Medium geschrieben wurde. Laut diesem brasilianischen Medium, von dem die Informationen angeblich stammen, kündet die Prophezeiung von einer globalen Erwärmung und einer nachfolgenden Katastrophe. Selbst Wissenschaftler und andere Experten auf dem Gebiet der globalen Erwärmung halten eine Flutkatastrophe inzwischen für möglich: »Die Wissenschaft wird viele Theorien bereithalten, um die Wetterveränderungen zu erklären, wie zum Beispiel eine globale Erwärmung. Nicht akzeptieren wird sie allerdings die Vorstellung, eine sich langsam vollziehende Polverschiebung könne verantwortlich sein. Diese aber wird der großen Katastrophe vorhergehen.«
Doch die Prophezeiungen der verschiedenen Kulturen und Religionen sprechen nicht nur von einer Flut in der Zukunft. Es gibt auch Mythen über Phasen globaler Erwärmung oder Abkühlung in der Vergangenheit, auf die eine große Flut folgte. In vielen Schöpfungsmythen ist von »Urwassern« die Rede, ähnlich wie in der biblischen Schöpfungsgeschichte, derzufolge die Welt mit Wasser bedeckt war und im Dunkeln lag – die Schöpfung beginnt der Schöpfungsgeschichte zufolge in dieser überfluteten Welt. Vielleicht tritt eine solch katastrophale Flut periodisch auf, so wie Plato es in seinem Timaios-Dialog beschreibt. In einigen von Historikern verfassten Büchern ist zu lesen, die Griechen seien davon überzeugt gewesen, dass die Ägypter über geheimes Wissen verfügt hätten. Timaios wurde vor über 2.500 Jahren geschrieben, und in dem folgenden Absatz wendet sich ein ägyptischer Priester an den griechischen Weisen Solon:
»Denn erstens erinnert ihr euch nur an eine Überschwemmung der Erde, obgleich es früher schon manche gegeben hat ..., weil die Überlebenden während vieler Generationen dahingingen, ohne dass sie sich durch die Schrift vernehmbar machen konnten ..., schon manchesmal und auf viele Arten ist die Menschheit vernichtet worden und wird auch wieder vernichtet werden, am gründlichsten durch Feuer und durch Wasser und in geringerem Maße auf tausend andere Arten. Denn was auch bei euch berichtet wird, wie einst Phaethon, der Sohn des Helios, den Wagen seines Vaters anschirrte und wie er dann, weil er nicht auf dessen Spur fahren konnte, alles auf der Erde verbrannte und selbst, vom Blitz getroffen, vernichtet wurde, das klingt so, wie ihr es erzählt, ganz nach einem Märchen; doch liegt schon etwas Wahres darin, nämlich die Abweichung der Gestirne, die am Himmel um die Erde kreisen, und jeweils nach Ablauf langer Zeitläufe die Vernichtung alles dessen, was es auf der Erde gibt, durch ein großes Feuer ... Wenn dagegen die Götter die Erde mit Wasser überschwemmen, um sie zu reinigen, so können sich nur die Rinderhirten und Schafhirten auf den Bergen retten, während jene, die bei euch in den Städten wohnen, von den Fluten ins Meer geschwemmt werden.«
Die Gottheit Varuna auf einem Krokodil. Varuna hält nach dem hinduistischen Glauben die kosmische Ordnung aufrecht. Das Wort »Varuna« stammt wahrscheinlich von dem proto-indoeuropäischen Begriff »wer« oder »wel« und bedeutet »umhüllen«.
Auch die Anhänger des Hinduismus sehen in der großen Flut ein zyklisches Phänomen. Und wenn sie Recht haben? Falls ich richtig liege, werden wir es bald herausfinden – in ungefähr 20 Jahren. Wenn die Visionen und Prophezeiungen stimmen, dann wird der Meeresspiegel um 70 bis 150 Meter ansteigen, und zwar weltweit. Sollte dies mit einer Phase starker Erdbebenaktivität einhergehen, so wie viele der Prophezeiungen sagen, könnte es dann vielleicht geschehen, dass Schmelzwasser die drohenden verheerenden Tsunamis noch verheerender macht? Ist dies vielleicht das Ende der Welt, von dem Jesus sprach?
Freitag, 04.09.2009
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