»Fucking German« – Warum eine deutsche Rentnerin zum Idol vieler Briten wird
Eine 71 Jahre alte behinderte deutsche Rentnerin ist in Großbritannien wie eine Schwerverbrecherin behandelt und abgeurteilt worden, weil sie es »gewagt« hatte, einen 17 Jahre alten Jugendlichen, der Steine in ihre Fenster warf und sie als »deutsche Hure« beleidigte, bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Die deutsche Rentnerin wird nun zur Volksheldin.
Renate Bowling ist eine gebürtige Deutsche. Sie hat den Zweiten Weltkrieg überlebt. Sie ist aus der DDR geflohen. Und sie hat dann einen britischen Soldaten geheiratet und ist mit ihm nach Großbritannien gezogen. Von ihrer bescheidenen Rente lebt die Witwe nun in Thornton Cleveleys, Lancashire. Über all die Jahre war das Leben für die mehrfache Großmutter ruhig und bescheiden. Doch dann kamen Jugendbanden, warfen ihr immer wieder Steine in die Fenster – einfach so. Am 12. Mai dann hat die 71 Jahre alte Frau, die schwerbehindert ist und sich nur mit einem Rollator (Gehwagen) langsam fortbewegen kann, einen der Steinewerfer hinter einer Mauer festgehalten. Der 17 Jahre alte Junge nannte sie eine »fucking German« und eine »deutsche Hure«. Die Frau hielt ihn an der Kleidung fest und drückte ihm dabei einen Finger in die Magengegend.
Und dann kam die Polizei. Doch die hat nicht etwa den 17 Jahre alten Steinewerfer mitgenommen – sondern die 71 Jahre alte Großmutter. Ihr wurden die Arme auf den Rücken gedreht, sie wurde auf den Rücksitz des Polizeiwagens geworfen und zum Polizeiverhör mitgenommen. Einige Tage später teilte ihr der Staatsanwalt mit, dass sie angeklagt werde. Und ein Richter in Blackpool verurteilte sie zu einer Bewährungsstrafe. Warum weiß sie bis heute nicht. Angeblich weil sie den jugendlichen Steinewerfer mit Gewalt und gegen dessen Willen bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten und dann nicht schnell genug wieder losgelassen hat. Außerdem soll sie den Steinewerfer verbal »beleidigt« haben. Die gebrechliche Rentnerin hat sich auf Anraten des Gerichts für schuldig bekannt, sonst hätte man sie wohl ins Gefängnis geworfen. Sie sollte 50 Pfund Gerichtskosten für ihre Verurteilung bezahlen, die sie nicht hatte. Die Zeitung SUN hat die Kosten nun für sie übernommen.
Die deutsche Rentnerin wird gerade zu einer Heldin vieler Briten, weil sie tapfer und aufrechten Hauptes – trotz ihrer Gebrechlichkeit – gegen Jugendbanden vorgegangen ist. Sie bekommt jetzt aus allen Teilen der britischen Bevölkerung Schreiben und Anrufe – es sind Menschen, die Großbritannien in einen Unrechtsstaat versinken sehen, weil die couragierte Schwerbehinderte vor Gericht abgeurteilt wurde. Die Jugendbanden jubeln unterdessen: Sie haben von britischen Gerichten offenbar nichts mehr zu befürchten.
Montag, 26.10.2009
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