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Geburtstag vor 30.000 Jahren – und immer noch am Leben!

Andreas von Rétyi

Unglaublich, aber wahr: Jetzt gelang ein wesentlicher Nachweis dafür, dass einige Lebensformen unseres Planeten unvorstellbar lange Epochen überleben können. Nicht genug, sie schaffen das unter den kargsten Bedingungen. Die neue Entdeckung lässt einige bedeutsame Schlussfolgerungen zu. Sie rückt Undenkbares in den Bereich des Möglichen.

Das Wunder des irdischen Lebens spielt uns immer wieder unfassbare Szenarien vor. Jetzt haben Wissenschaftler erstaunliche Organismen entdeckt, die bereits seit ungefähr 30.000 Jahren existieren und immer noch »unter den Lebenden« weilen. Die Verhältnisse erinnern beinahe schon an die bizarren Welten der Quantentheorie, wo virtuelle Teilchen aus dem scheinbaren Nichts entstehen und deren Masse festlegt, wie lange sie existieren dürfen. Je mehr sie auf die imaginäre Waage bringen, desto kürzer ihre Verweilzeit.

Nicht viel anders gestaltet sich die Situation bei Mensch und Mikrobe. Letztere ist zwar winzig, kann aber dennoch ein für menschliche Begriffe unvorstellbar hohes Alter erreichen. Das haben jetzt Forscher von der Universität Hawaii nachgewiesen. Sie nahmen Salzkristalle sehr genau unter die Lupe, die sie aus Sedimenten des berühmten Death Valley in Kalifornien entnommen hatten. Die Proben ließen sich auf ein Alter von immerhin 22.000 bis 34.000 Jahre datieren. In den Salzkristallen fand die Gruppe um den Mikrobiologen Brian Schubert winzige, mit Flüssigkeit gefüllte Taschen. Genau aus diesen Einschlüssen konnten die Wissenschaftler ganze Kolonien von Archaeen oder Archaeobakterien heranzüchten, eine eigene Gruppe zellulären Lebens.

Schon früher gab es ähnliche Entdeckungsmeldungen wirklich uralten Lebens, teils mit einem noch weit höheren Alter. So wurde von Lebensformen berichtet, die bereits vor rund 250 Millionen Jahren in Flüssigkeiten eingeschlossen worden sein sollen – echte Mini-Methusalems. Doch viele Fachleute zweifelten diese sagenhaft klingenden Berichte an. Sie vermuteten vielmehr, dass sich die Salzkristalle zwischenzeitlich immer wieder lösten, anschließend dann rekristallisierten und dabei eben moderne Bakterien mit einschlossen.

Doch die Death-Valley-Archaeen müssen wirklich vor vielen tausend Jahren in die Salze hineingeraten sein, ohne jedes Entkommen. Denn im kalifornischen »Tal des Todes« gab es über einen Zeitraum von mindestens 10.000 Jahren keinen permanenten See und damit auch keine Rekristallisation. Deshalb glaubt auch der Washingtoner Experte Robert Hazen daran, dass die jetzt gefundenen »Überlebenden« tatsächlich aus uralter Zeit stammen. Wie aber konnten sie so lange durchhalten?

Das »Geheimrezept« ihres Lebenselixiers findet sich in der Dunaliella-Alge, die in Salzseen gedeiht. Tote Zellen dieser Alge waren auch stets in den Kristallen zu finden, welche die lebenden Archaeen bargen. Dunaliella aber enthält Glyzerin, eine willkommene Nahrung der Urbakterien. Eine einzige Alge liefert genügen »Frostschutzmittel«, um die Archaeen nicht nur Jahrtausende, sondern auch Jahrmillionen zu versorgen. Schubert geht davon aus, dass die sparsamen »Schläfer« durchaus 12 Millionen Jahre lange mit dieser Ration überdauern können.

Damit rücken aber auch die früheren Entdeckungen wieder in ein neues Licht. Möglicherweise haben einige Mikroben tatsächlich derart lange Zeiträume überdauert. Leben erweist sich selbst unter extremsten Bedingungen immer wieder als äußerst robust und zäh. Wir wissen nicht, welche bislang völlig unbekannten Mikroorganismen noch im ewigen Eis oder unter seinem kilometerdicken Panzer verborgen sein könnten – wie beispielsweise im antarktischen Lake Vostok – und welche Folgen ihre Freisetzung zeitigen könnte. Das ist keine Sciencefiction, sondern eine nicht zu unterschätzende Möglichkeit. Ebenso wie die wiederholt von bedeutenden, allerdings dennoch sehr schnell verhöhnten Wissenschaftlern angesprochene Option, dass Mikroben auch im All existieren könnten, beispielsweise im Inneren von Meteoriten und Kometen.

So sprach auch der geniale und wahrhaft unkonventionelle britische Astrophysiker Sir Fred Hoyle von der »Lebenswolke« sowie von der Möglichkeit kosmischer Krankheitskeime, die uns in immer neuer Form und mit pandemischer Ausbreitung aus dem All erreichen. Er wies auf das weltweit zeitgleiche Erscheinen großer Grippeinfektionen hin, wie es schon vor der Ära touristischer Fernreisen der Fall war und sah eine äußere, kosmische Ursache als einzige Erklärung für dieses Phänomen. Natürlich ist das mit den Beweisen immer so eine Sache. Wer aber a priori unwahrscheinlich klingende Szenarien ausklammert, wird einen Nachweis auch nie führen können. Doch dass oftmals die unglaublichsten Dinge eben doch geschehen können, das demonstriert uns die Natur doch Tag für Tag!

 

Donnerstag, 31.12.2009

Kategorie: Allgemeines, Wissenschaft

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