Informationen, die Ihnen die Augen öffnen!

Bücher, die Ihnen die Augen öffnen!

 

Geld macht Schule: wie unsere Kinder zum Thema »Geld« informiert werden

Gerhard Spannbauer

Das Bundesfinanzministerium hat scheinbar das Gefühl, den jungen Bürgern, der Zukunft unseres Landes, in Sachen Geld auf die Sprünge helfen zu müssen. Arbeitsblätter für Grundschulen, aber auch für die höheren Klassen werden kostenfrei zu allen möglichen Themen angeboten, Broschüren informieren die jungen Leute über den richtigen Umgang mit Geld und möchten grundsätzlich erklären, was Geld ist.

Wenn man sich diese Materialien genauer anschaut, wird klar, was damit passieren soll. Die Kinder und Jugendlichen sollen frühestmöglich dazu erzogen werden, unser aktuelles Scheingeld als wirkliches und sicheres Geld ohne große Kritik anzuerkennen. Daher werden von dem Bundesfinanzministerium nahe stehenden Stiftungen Arbeitsblätter entworfen, die in ihrer Themenvielfalt Ausführlichkeit und Grundsätzlichkeit suggerieren: Wirtschaftskreisläufe, Geld und Kredit, Tausch usw. werden hier als Unterrichtsthemen angeboten. Doch bei genauerem Durchlesen wird klar, dass hier die allergrundsätzlichste Frage niemals erörtert wird: was macht richtiges, gedecktes Geld eigentlich aus?

Hier ein Zitat aus einer Broschüre der Deutschen Bundesbank zum Thema »Geld & Geldpolitik«: »Wirtschaftlich gesehen sind unsere Banknoten eine Verbindlichkeit des Eurosystems. Dabei handelt es sich aber eher um eine abstrakte Verpflichtung. Wer der Bundesbank eine vom Eurosystem herausgegebene Banknote vorlegt, erhält die Note allenfalls gewechselt, jedoch nicht etwa in Gold oder anderen Vermögenswerten umgetauscht. Die Notenbank kann deshalb im Inland bzw. im eigenen Währungsgebiet nicht illiquide, also zahlungsunfähig werden. Sie zahlt immer mit Geld, das sie selbst schaffen kann.«

Zur Geldschöpfung wird hier geschrieben: »Bald merkten die Verwahrer, dass sie immer einen erheblichen Goldbestand hatten, der niemals beansprucht wurde. Sie liehen deshalb Münzen aus, und später gaben sie Leuten, die Geldbedarf hatten, ganz einfach Quittungen, ohne dass diese etwas hinterlegt hatten. Damit war die Kreditschöpfung durch die Ausgabe von ›ungedeckten‹ Banknoten erfunden. Man bezeichnet solches ›ungedecktes‹ Geld deshalb auch als Kreditgeld.« Zu den Deckungsvorschriften wird weiterhin erläutert, dass es früher einmal genaue Vorschriften zur Geldmenge gab mit der Schlussfolgerung: »Inzwischen wissen wir, dass derartige Regelungen (Anmerkung: der Geldbegrenzung) für die Werterhaltung des Geldes weder ausreichend noch erforderlich sind.« (1)

So offen wie die Deutsche Bundesbank gehen die verschiedenen Arbeitsblätter nicht mit dem Thema »Geld« um. Die Plattform »Hoch im Kurs« der Arbeitsgemeinschaft Jugend & Bildung hat sich auf den Seiten des Finanzministeriums platziert und bietet für Lehrer und Schüler ein Portal rund um die Themen Geld, Markt und Wirtschaft. Was auf den ersten Blick wie eine umfassende und grundsätzliche Beschäftigung mit der didaktischen Vermittlung von Wissen rund ums Geld daherkommt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine doch sehr beschränkte Auswahl an Themen und Themenbausteinen, die einer Vollständigkeit entbehren und wichtige Bereiche zum Thema »Geld« einfach ausblenden. So heißt es beispielsweise auf einem Arbeitsblatt für die 10. Klasse zum Thema »Finanzen und Schulden«, herausgegeben vom Bundesfinanzministerium:

»Deutschland ist hoch verschuldet. Besteht da nicht die Gefahr, dass das Geld der Privatanleger verloren geht? Diese Frage kann mit ›Nein‹ beantwortet werden, denn die Bundesrepublik Deutschland ist einer der sichersten Schuldner der Welt. Ihr wird von internationalen Rating-Agenturen (Unternehmen, welche die Kreditwürdigkeit von Firmen und Staaten bewerten) regelmäßig die höchstmögliche Kreditwürdigkeit zuerkannt. Auch in Zeiten der Wirtschaftskrise können die Anleger darauf vertrauen, dass ihr eingesetztes Kapital erhalten bleibt. Bei Wertpapieren, die von Unternehmen ausgegeben werden, trägt der Anleger hingegen ein höheres Risiko.« (2)

Weshalb der deutsche Staat so stark verschuldet ist, wird überhaupt nicht gefragt, dieser Gedanke ist auch in keiner der Arbeitsanregungen versteckt, die das Arbeitsblatt weiter anbietet. Aber viel augenfälliger wird das Ausblenden doch bei der Begründung, weshalb der Staat nicht bankrott gehen kann: Rating-Agenturen sagen, die Bundesrepublik sei einer der sichersten Schuldner der Welt – das ist die ganze Erklärung, die geliefert wird. Damit wird erstens impliziert, dass Staatsschulden etwas ganz normales sind, und zweitens, dass der deutsche Staat niemals bankrott gehen kann. Warum ist der Staat denn so sehr verschuldet, wieso darf er das überhaupt – und wie ist es möglich, dass ein Staat sich dermaßen verschuldet, ohne Bankrott zu gehen? Dass der Staat einfach Geld schöpft, um sich damit zu finanzieren, wird nicht erwähnt, ebenso wenig das Thema Inflation, dass alle Geldvorräte und Festeinkommen auf Dauer durch Umverteilung entwertet. Dies sind Tabuthemen, die in diesen Unterrichtsvorlagen mehr oder weniger elegant umschifft werden.

Zur Sicherheit der Geldanlagen in Deutschland wird weiterhin auf dem HiK-Arbeitsblatt »Wie sicher sind meine Einlagen?« für die Sekundarstufe II vermerkt, dass es eine gesetzliche Einlagensicherung gebe, die zudem noch von einer freiwilligen Einlagensicherung der Banken unterstützt wird: unseren Ersparnissen könne also gar nichts passieren, solange wir sie in Geldvermögen angelegt haben … Sehr beruhigend zu wissen; wir müssen also einfach weiterhin auf unser Vertrauen in Staat und Banken bauen, da kann nichts schief gehen, sie haben es versprochen.

Auf dem Arbeitsblatt »Finanz- und Wirtschaftskrise: Wie hilft der Staat?«, ebenfalls von HiK herausgegeben, wird dargelegt, dass der Staat Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzmarktes und der gesamten Wirtschaft beschlossen hat, wie etwa die Einlagensicherung, das Stabilisierungspaket und die Konjunkturpakete I und II. Eine schöne Grafik findet sich auch auf diesem Blatt, doch woher der Staat das viele Geld zur Bezahlung der Maßnahmen nimmt, ist wiederum nirgends zu finden.

Im Grundton dieser Arbeitsblätter scheint suggeriert werden zu sollen, dass Geld ein wichtiges Thema ist, gerade im privaten Umgang. Sobald aber der Staat ins Spiel kommt, werden die Erklärungen oft auf aussagelose Halbwahrheiten reduziert, allen voran die Nichtbeachtung des Themas »Papiergeld«. Von Inflation, von gedecktem Geld ist keine Rede, beschwichtigend wird die Parole ausgegeben, dass der deutsche Staat immer kreditwürdig war und bleiben werde, weil eben sogenannte Rating-Agenturen das behaupten.

Ein Zitat Albert Einsteins ist eine der größten Kuriositäten, die man auf diesen Arbeitsblättern finden kann. Zum Thema »Zukunftsvorsorge nach Plan« lautet es: »Der Zinseszinseffekt ist die größte mathematische Entdeckung aller Zeiten.« Ob der schlaue Einstein dies wirklich in solch positivem Kontext gesagt hat, ist stark zu bezweifeln. Fest steht, dass hiermit der Zinseszinseffekt als normales geldwirtschaftliches Mittel propagiert wird, mit dem man, so das Arbeitsblatt, »Millionär« werden kann. Die fatale Wirkung dieses Effekts auf unser Finanzsystem wird mit keinem Wort erläutert.

Man kann einerseits nur hoffen, dass die Lehrer kritisch genug mit diesen angebotenen Lehrmaterialien umgehen können, um zu erkennen, dass hier eine Indoktrination unserer Kinder stattfinden soll, um diese möglichst früh in unser »ewiges« Papiergeldsystem einzuführen. Andererseits ist leider zu bezweifeln, ob die Lehrer hinter die Dinge blicken, schließlich haben sie ja selbst nie gelernt, was wirkliches Geld ist. Bedenklich erscheint, dass das Schulsystem von staatlichen Kräften zu solch einer Gehirnwäsche missbraucht wird, um unsere Kinder papiergeldtauglich zu machen und ihr Vertrauen in ein marodes System zu nähren.

Diese »Papiergeldgläubigkeit« steckt bekanntermaßen auch sehr stark in den Köpfen der jetzt erwachsenen Bevölkerung, und es verwundert daher keinesfalls, dass sehr viele Menschen Geld mit verschiedenen Anlagen verlieren. Dasselbe gilt für die momentane Staatsgläubigkeit. In dem Buch Finanzcrash – die umfassende Krisenvorsorge wird mit vielen falschen Ideen aufgeräumt und erklärt, warum die Finanzkrise so gefährlich ist.

 

(1) http://www.bundesbank.de/download/bildung/geld_sec2/geld2_gesamt.pdf

(2)http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_60650/DE/BMF__Startseite/Service/Downloads/IP/076__Arbeitsblatt__Juni09,templateId=raw,property=publicationFile.pdf

 

Montag, 03.08.2009

Kategorie: Gastbeiträge, Wirtschaft & Finanzen, Politik

© Das Copyright dieser Seite liegt, wenn nicht anders vermerkt, beim Kopp Verlag, Rottenburg


Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muß nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.


Ergänzende Beiträge zu diesem Thema:

Erinnerungen an die Hyperinflation in Weimar-Deutschland: Brauchen wir jetzt wieder Schubkarren?

Ellen Brown

Ist es jetzt wieder an der Zeit, die Schubkarren herauszuholen? Eine neue Betrachtung der Hyperinflation in der Weimarer Republik.
weiterlesen »

Dienstag, 26. Mai 2009


Die 1000-Milliarden-Euro-Lüge und der Hauptgrund für den Finanzcrash

Thomas Mehner

Es ist kaum zu glauben, aber Frau Merkel hat es getan: Sie erklärte, die Guthaben auf Spar-, Tagesgeld- und Girokonten seien sicher – und stockte die »Sicherheit« demonstrativ auf 1000 Milliarden Euro auf, die der Staat garantiere. Indes: Merkt keiner den Betrug?
weiterlesen »

Donnerstag, 09. Oktober 2008


Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

China will für den Kauf von Rohstoffen und Unternehmen Dollars abstoßen

F. William Engdahl

In China ist eine wichtige strategische Entscheidung gefallen: Die gewaltigen Devisenreserven sollen künftig für die Ausweitung chinesischer Unternehmen im Ausland und die Übernahme weiterer Unternehmen verwendet werden. Dabei will man sich vornehmlich auf Energie und Rohstoffe, aber auch auf den ...
weiterlesen »

Montag, 03. August 2009


Der »Money Trust« von der Wall Street macht mithilfe der Steuerzahler Milliardengewinne

F. William Engdahl

»Goldman Sachs« und andere Banken des »Money Trust« an der Wall Street melden boomende Profite. Glaubt man der Finanzpresse, so ist dies ein Zeichen dafür, dass »das Schlimmste vorüber« ist. Doch weit gefehlt! Tatsächlich stehen wir erst am Anfang der schlimmsten Wirtschaftsdepression der ...
weiterlesen »

Mittwoch, 05. August 2009


Vom Sprachdiktat zum Orwellstaat

Viktor Farkas

Da in den USA eine einzige unbedachte Bemerkung zur Vernichtung der eigenen Existenz führen kann und sich auch in der »Alten Welt« Ähnliches anzubahnen droht, muss im Grunde eine neue Sprache gelernt werden, um der geforderten Korrektheit gerecht zu werden.
weiterlesen »

Donnerstag, 16. Oktober 2008


EATR – Der Horror-Roboter wird Realität

Andreas von Rétyi

Wir sind ja schon so manches gewöhnt, was ehrgeizige Wissenschaft und überzogene Technologie im Lauf der vergangenen Jahre und Jahrzehnte entwickelt haben. Trotzdem erleben wir immer wieder neue Überraschungen und werden mit Schöpfungen konfrontiert, die eigentlich nur kranken Geistern entspringen ...
weiterlesen »

Donnerstag, 06. August 2009