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Gorbatschow weist den Weg in den globalen Ökosozialismus

Torsten Mann

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Mauerfalls veröffentlichte der letzte Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und heutige Umweltschützer Michail Gorbatschow in der britischen Tageszeitung »The Times« einen Artikel, in dem er in Anspielung an ein historisches Zitat von Ronald Reagan dazu aufruft, die Mauern von heute einzureißen und den Planeten zu retten. Wie man seinen früheren Veröffentlichungen entnehmen kann, zielt er damit klar darauf ab, ein globales sozialistisches Gesellschaftssystem zu errichten.

Unter der Überschrift »Reißt die Mauern ein und rettet die Welt« vergleicht Gorbatschow die angebliche Gefahr durch den Klimawandel mit der Bedrohung durch das atomare Gleichgewicht der Supermächte, wie es bis zum Ende des Kalten Krieges bestanden hatte. (1) Der Klimawandel erfordere einen ähnlich umfassenden Paradigmenwechsel, wie er nötig gewesen sei, um den Kalten Krieg zu beenden. Wörtlich schrieb er, dazu sei ein ähnlicher Umbruch »unserer Werte und Prioritäten« wie damals nötig. Im Gegensatz zu der Situation vor 20 Jahren gelte es heute, nicht nur eine Mauer einzureißen, sondern viele Mauern, so etwa die »Mauer« zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern, sowie die »Mauer« zwischen jenen, die den Klimawandel verursachten und jenen, die unter den Folgen zu leiden hätten. Es gebe auch eine Mauer zwischen jenen, welche die »wissenschaftlichen Beweise« für eine drohende Klimakatastrophe beachteten und jenen, die stattdessen »berechtigten Interessen nachgeben«. Eine solche Mauer bestünde ebenso zwischen jenen Bürgern, die ihr eigenes Verhalten veränderten und eine starke globale Aktion wünschten und jenen Politikern, die diese Bürger bislang im Stich ließen. Genau wie damals die Deutschen ihren Willen zum Ausdruck brachten, so Gorbatschow, und damit die Politiker zwangen, die Berliner Mauer zum Einsturz zu bringen, so würden auch heute die Völker der ganzen Welt ihren Willen bekunden, dass etwas gegen den Klimawandel und die damit verbundenen »tiefen Ungerechtigkeiten« in der Welt unternommen werde. Damals, so behauptet Gorbatschow, hätten die Führer der Welt geglaubt, dass künftige Generationen fähig seien, die Herausforderungen gemeinsam zu lösen. Aber angesichts der tiefen Kluft zwischen Arm und Reich, angesichts der Verantwortungslosigkeit, die in die globale Finanzkrise geführt habe und angesichts der schwachen Antwort auf den Klimawandel fühle er sich heute verbittert, denn die Chancen von damals, eine »sicherere, gerechtere und vereintere Welt« zu bauen, seien weitgehend verschwendet worden. Ähnlich wie Tausende friedlich demonstrierende DDR-Bürger 1989 angeblich den Mauerfall herbeigeführt hätten, so soll der erklärte Wille der »Völker der Welt« die Politiker nun dazu bewegen, auf die im Dezember stattfindende Klimakonferenz nach Kopenhagen zu fahren und die besagten Mauern von heute einzureißen. 

Selbstverständlich ist dieser Vergleich sehr weit von der Wahrheit entfernt und keiner weiß dies besser als Gorbatschow selbst. Tatsache ist, dass der Mauerfall von 1989 keineswegs das Ergebnis des friedlichen Protests des (ost-)deutschen Volkes war, vielmehr war der Abbruch der Berliner Mauer von sowjetischen Agenten im Auftrag des Kreml planmäßig herbeigeführt worden, denn er war ein fester Bestandteil der sowjetischen Langzeitstrategie und war als solcher vom KGB-Überläufer Major Anatoliy Golitsyn auch bereits Jahre im Voraus öffentlich angekündigt worden. Der friedliche Protest in der DDR war in diesem Szenario lediglich schmückendes Beiwerk, das ebenso von oben inszeniert wurde wie der gegenwärtige umweltbewegte Protest zahlreicher Nicht-Regierungs-Organisationen, die als eine Art Attrappe den »Willen der Völker der Welt« imitieren und so öffentlichen Druck auf die Politiker der westlichen Welt ausüben sollen, damit diese sich im Dezember in Kopenhagen zu einer ökosozialistischen Umgestaltung der westlichen Lebensgrundlagen verpflichten.

Diese Umgestaltung (russisch: Perestroika) der westlichen Welt ist es, die Gorbatschow mit seinem Appell bewirken will, und wenn er vor dem Hintergrund der während des Erdgipfels 1992 gestarteten Klimarahmenkonvention, der Agenda 21, und der Biodiversitätskonvention dazu aufruft, eine »sichere, gerechte und vereinte Welt« zu bauen, dann ist dies als eine moderne, grüne Variante des marxistisch-leninistischen Klassenkampfes früherer Zeiten zu verstehen. Tatsächlich ist die Quintessenz seines 2003 erschienenen Buches Mein Manifest für die Erde de facto nichts weiter als eine in grüne Phrasen gehüllte Aufforderung zur Errichtung einer globalen sozialistischen Einheitsgesellschaft, die von seinen Vorgängern von Lenin bis Tschernenko noch ganz offen als der »Weltkommunismus« bezeichnet wurde. Auch Gorbatschow selbst hatte zum Jahrestag der Oktoberrevolution noch im Jahr 1987 gesagt: »Im Oktober 1917 brachen wir aus der alten Welt aus, lehnten wir sie endgültig ab. Wir gehen einer neuen Welt entgegen, der Welt des Kommunismus. Von diesem Weg werden wir nie abweichen!« 

Wie man seinen eigenen Aussagen entnehmen kann, ist Gorbatschow noch immer derselbe Kommunist wie früher, nur versucht der einstige KPdSU-Generalsekretär den Weltkommunismus nun offensichtlich unter grünem anstatt wie zuvor unter rotem Vorzeichen zu errichten. Die Farbe mag sich geändert haben, die ideologische Basis ist jedoch noch immer dieselbe. Und wie man an den Reaktionen auf Gorbatschows Artikel sieht, hat er mit seinem Anliegen heute mehr Erfolg denn je, denn eine nach Jahrzehnten der vorsätzlichen Täuschung eingeschläferte westliche Bourgeoisie fällt heute mehr denn je auf die aus Moskau stammenden roten Lügen in grünem Gewand herein.

 

Freitag, 27.11.2009

Kategorie: Allgemeines, Gastbeiträge, Politik

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