Friday, 10. February 2012
01.04.2010
 

Griechenland: Die Zeit wird knapp

Michael Grandt

Kurz nach dem Beschluss des EU-Notfallplans wollte die Regierung in Athen die günstige Stimmung ausnutzen und die Finanzmärkte mit einer Großanleihe anzapfen. Aber der Schuss ging nach hinten los: Es fanden sich nicht mehr so viele Käufer wie bei früheren Platzierungen.

Am Montag, dem 29. März, legte Griechenland eine Anleihe über fünf Milliarden Euro auf, die in sieben Jahren bei einer Verzinsung von sechs Prozent fällig wird. Trotz politischer Hilfszusagen der EU war die Nachfrage jedoch geringer als bei den zuletzt platzierten Bonds. 

Nur einen Tag später legte Athen am Bondmarkt noch einmal nach und stockte überraschend eine acht Jahre alte Anleihe auf. Diese brachte jedoch nur 390 Millionen Euro ein; die griechische Finanzagentur hatte jedoch mit einer Milliarde gerechnet.  

Tricks, die leicht zu durchschauen sind

Die Investoren sind nicht so dumm, wie man sie vielleicht hält, denn sie durchschauen offensichtlich die fadenscheinigen Tricks, mit denen die EU dem in den Bankrott schlitternden Griechenland helfen will:

Trick 1 – Vertrauen gewinnen: Ein Notfallplan für Finanzhilfen des IWF und der EU sollte die Investoren beruhigen und ihnen wieder Vertrauen in Athen geben. Doch die Skepsis bleibt.

Trick 2 – Griechische Anleihen als Sicherheiten nehmen: Die Europäische Zentralbank hatte festgelegt, dass ab dem 1. Januar 2011 keine Anleihen mehr als Sicherheiten hinterlegt werden dürfen, die eine schlechtere Bewertung als die Qualitätsnote »A« aufweisen. Drei große Rating-Agenturen hatten Griechenland jedoch mit der noch schlechteren Note »B« bewertet. Jetzt entschied die EZB, die schlecht benoteten Anleihen auch über den 31.12.2010 hinaus als Sicherheiten für Zentralbankgeld zu akzeptieren.

Mit diesen billigen Taschenspielertricks will man die Investoren also täuschen und Griechenland retten. Doch diese fallen (bisher) nicht so darauf herein, wie man es sich gewünscht hat. David Schnautz, Zinsstratege bei der Commerzbank, sagt: »Griechenland muss immer noch sehr hohe Zinsen für seine Anleihen zahlen, und die Zusagen der EU und des IWF haben nur sehr eingeschränkt geholfen.« Alexander Schubert, Anlagefondsmanager bei der Union, sieht das ähnlich: Die Diskussion um politische Hilfe habe in den Märkten für Unruhe gesorgt und den Griechen nicht viel genutzt. 

Die griechische Wirtschaft droht trotz der Hilfsversprechen, Zusagen und Tricks in eine tiefe Rezession zu stürzen. Der wirtschaftliche Abschwung übertraf im 4. Quartal bereits die Befürchtungen. Experten rechnen damit, dass das BIP in diesem Jahr um vier Prozent schrumpfen könnte. Neben der Schuldenspirale drohen dem Land also auch noch geringere Steuereinnahmen. Das Rentensystem steht bereits vor dem Zusammenbruch. 

Eine Atempause vor dem nächsten Schock

Seit Januar 2010 hat Griechenland Staatsanleihen mit einem Volumen von 18,6 Milliarden Euro aufgelegt. Von den Einnahmen sind noch 7,2 Milliarden in der Kasse, aber im April werden Anleihen und Zinsen im Wert von 12,5 Milliarden fällig, im Mai weitere 11,64 Milliarden. Bis Juni ergibt dies einen Refinanzierungsbedarf von rund 17 Milliarden Euro, ohne Neuverschuldung. Von Juni bis Ende Dezember werden dann nochmals Anleihen über 12,5 Milliarden Euro fällig.

Schon Anfang März hatte Athen einen Bond über fünf Milliarden Euro mit einer Rendite von 6,25 Prozent aufgelegt. Griechenlands Finanzminister betonte schon damals, dass ein solches Zinsniveau auf längere Sicht untragbar für das Land sei, und auch Ministerpräsident Papandreou bezeichnete dieses als »barbarisch«. Allein die Zinsen belasten den Staatshaushalt auf ein Jahrzehnt und erschweren eine nachhaltige Konsolidierung, ja werden sie voraussichtlich sogar unmöglich machen.

Das großmundig angekündigte Hilfspaket kann der Regierung in Athen also nur eine Atempause verschaffen und stößt bei Großinvestoren und Banken auf breite Skepsis. Sie befürchten, dass dem Land im schlimmsten Fall eine Abwärtsspirale aus schwachem Wachstum und steigenden Schulden droht. Die US-amerikanische Großbank Goldman Sachs erwartet, dass der IWF und die EU den Griechen bis spätestens Ende 2011 mit bis zu 20 Milliarden Euro helfen müssen.

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Quellen:

Handelsblatt vom 29.03.2010, 30.03.2010 und 31.03.2010

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