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Großbanken insolvent – der Bankencrash führt zu Deflation und Depression

Günter Hannich

Schon mehrfach wurde bisher behauptet, dass die Finanzkrise ausgestanden wäre. Doch nun überschlagen sich die Ereignisse:

Die Investmentgroßbank Lehman-Brothers ist insolvent und gleichzeitig übernimmt die Bank of America die ebenfalls angeschlagene drittgrößte US-Investmentbank Merrill Lynch.

Als im März dieses Jahres die Bear-Stearns Bank von der Notenbank gestützt werden musste, um eine Insolvenz zu vermeiden, hiess es noch, dass man gerade noch einen Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems verhindern konnte.
Nun ist die wesentlich größere Lehman-Brothers Bank pleite und niemand weiß, wie es weitergehen wird. Die Gefahr besteht nun, dass es zu einer Kettenreaktion kommt und Banken sich wie Dominosteine gegenseitig in den Bankrott ziehen.
Das Geld von Millionen von Sparern wäre dann in Gefahr!

Die Finanzkrise wird immer größer – aus Milliardenlöchern werden Billionenlöcher

Als die Finanz- und Bankenkrise vor über einem Jahr mit dem beginnenden Platzen der amerikanischen Immobilienblase einsetzte, gingen die erwarteten Folgeschäden noch in Milliarden-Bereiche. Inzwischen hat die Krise bereits vorher unvorstellbare Dimensionen erreicht: Mit den unlösbaren Schwierigkeiten der beiden größten Immobilienfinanzierer in den USA - Freddy Mac und Fannie Mae - und deren staatlicher Übernahme reichen die Löcher bereits in die Billionen.

Erst vor kurzem haben Nobelpreisträger in den USA darauf hingewiesen, dass allein die Verpflichtungen des Staates (Schulden und Pensionszusagen etc.) in Höhe von über 50 Bio. Dollar nicht mehr zu tragen wären. Um überhaupt diese Schuldenlast abtragen zu können, bräuchte man ein jahrzehntelanges Wachstum im zweistelligen Prozentbereich, was schlicht unmöglich ist. Solche Dimensionen sind also nicht mehr dauerhaft zu halten.

Propaganda soll die Menschen ruhigstellen – wirtschaftliche Zyklen

Noch vor einem Jahr wurde uns der große »Aufschwung« versprochen – genauso wie nun gebetsmühlenartig behauptet wird, dass die Finanzkrise nun endgültig überstanden sei.
Solche Propaganda dient dazu, um die kleinen Leute ruhig zu stellen, damit gleichzeitig die Superreichen aussteigen können.

Was vergessen wird, ist, dass unser System von sich aus instabil ist und zwangsläufig immer wieder zusammenbricht. Solche Zyklen erfolgen meist in zwei Generationen, etwa 60 Jahren.
Vom Start der D-Mark sind es nun genau 60 Jahre und wir stehen wieder vor ähnlichen Problemen wie vor dem großen Aktiencrash im Oktober 1929, der zur großen Weltwirtschaftskrise und in Folge zum Zweiten Weltkrieg führte.

Ein Crash führt immer zur Deflation


An diesem Punkt nun begehen viele Menschen den Fehler anzunehmen, dass ein Crash in einer Inflation enden müsse. Doch ist es genau anders herum:
Durch einen Bankencrash wird Geldvermögen vernichtet – Geldvermögen, das nicht mehr von Konten ausgezahlt werden kann, lässt die Buchgeldmenge schrumpfen.
Wenn jedoch die Menschen ihre Ersparnisse durch Bankenpleiten verlieren, dann sinken auch automatisch die Umsätze der Unternehmen, da einfach die Massenkaufkraft zusammenbricht.
Das führt in Folge dazu, dass die Firmen in einen ruinösen Wettbewerb getrieben werden und zu immer tieferen Preisen verkaufen müssen – eine Deflation entwickelt sich.

Deutliche Parallelen zur Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre

Genau das passierte in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre. Damals stürzten die Immobilienpreise in nur wenigen Jahren um 90% ab. Selbst landwirtschaftliche Erzeugnisse waren häufig nur mehr unter dem Herstellungspreis zu verkaufen. Die Löhne sanken, Massenarbeitslosigkeit entwickelte sich. Die Deflation hatte in den USA erst mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der einsetzenden Rüstungsspirale ein Ende.

Was jedoch viele Menschen heute fälschlicherweise an eine »Inflation« denken lässt, sind steigende Preise in verschiedenen Bereichen des Lebens.

Steigende Monopolpreise täuschen »Inflation« vor

Sieht man sich den Markt heute genau an, dann steigen alle Preise, die von Monopolen stammen (Öl, Gas, Benzin, Strom, Bahn, Post) oder staatlich gelenkt sind (Abgaben, Gebühren) und es fallen alle Preise, die wirklich vom Markt bestimmt sind (Löhne, Autos, Elektronik, Computer, Dienstleistungen).
Steigende Monopolpreise haben jedoch mit einer »Inflation« gar nichts zu tun, da Monopolisten – ebenso unser Staat – seine Preise festlegen kann wie sie wollen, unabhängig von jeder Geldpolitik.

Man sollte also bei der Frage, ob Inflation oder Deflation droht, nicht nur das Preisniveau beachten, sondern auch berücksichtigen, welche Art von Preisen angehoben werden.

Indizien für eine Deflation verdichten sich

Geldmenge sinkt
Eine Inflation (inflare = aufblähen) kann es nur geben, wenn die Geldmenge stärker steigt als die Wertschöpfung der realen Wirtschaft und damit Geld im Vergleich zu den Gütern immer wertloser wird.

Dass wir - entgegen den Behauptungen der Medien und von »Experten« – nun tatsächlich in eine Deflation rutschen, wird deutlich, indem man sich die Entwicklung der Geldmengen ansieht.

 

Abb. 1: Geldmenge M3 und M1 in den USA

 

Abb. 2: Geldmenge M3 und M1 in Europa

An den Grafiken wird deutlich, dass beispielsweise die Geldmenge M1 bereits seit dem Jahr 2006 in den USA stagniert bzw. sogar gefallen ist. Nur die Geldmenge M3 stieg weiter an. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die M3-Geldmenge zum Großteil gar nicht das »richtige« Geld (Bargeld), sondern viel weniger aussagekräftiges Buchgeld bei den Banken abbildet.

Doch auch die aktuelle Entwicklung zeigt, dass selbst die M3-Buchgeldmenge sehr kräftig rückläufig ist.

Abb. 3: Geldmenge M3 in den USA

Metall- und Immobilienpreise stark rückläufig
Ein weiteres Indiz für eine Deflation sind die stark rückläufigen Preise für Industriemetalle.

So hat sich beispielsweise der Zinkpreis in nicht einmal einem Jahr mehr als halbiert!
Für die anderen Metalle sieht es ähnlich aus.
Die schnell zurückgehenden Metallpreise belegen, dass die Weltwirtschaft zum Erlahmen kommt und die Nachfrage nach Metallen rückläufig ist.
Das sind deutliche Indizien dafür, dass wir eben nicht in eine Inflation, sondern in die viel schlimmere Deflation rutschen.

Nicht zu vergessen sind die fallenden Immobilienpreise überall auf der Welt.
Immobilien sind der Hauptindikator für eine Inflation. Sobald sich nur geringe Inflationsängste breit machen, flüchten Anleger in Immobilienbesitz.
Heute jedoch fallen die Hauspreise – vor allem in den USA und anderen Immobilienspekulationsländern – drastisch.
Es hat jedoch noch nie eine Inflation gegeben bei fallenden Hauspreisen!
Fallende Preise für Häuser sind demgegenüber ein sicherer Indikator für eine drohende Deflation.

Es droht die schlimmste Wirtschaftskrise aller Zeiten!

Was uns droht ist etwas viel schlimmeres als Inflation oder Deflation. Vieles deutet heute darauf hin, dass auch weiterhin die Monopolpreise für Öl, Gas, Strom usw. angehoben werden und gleichzeitig die Wirtschaft in eine Deflation rutscht.
Das heißt, dass der Bürger immer weniger verdient, seine Ersparnisse verliert und gleichzeitig noch schnell steigende Energiekosten zu tragen hat.
So eine Art Krise hat es noch nie gegeben und würde einen massiven, schnellen Verarmungsprozess auslösen.


Zusammenfassung: Deflation droht!

Zusammengefasst kann festgestellt werden, dass die Gefahr für eine Deflation heute weit größer ist als die für eine Inflation. Sowohl die fallenden Geldmengen, als auch stark rückläufige Preise für Immobilien oder Industriemetalle weisen deutlich darauf hin, dass eine Deflation droht.
Zudem war jeder Crash in der Geschichte von einer Deflation begleitet.

Was steigt sind heute nur Monopolpreise, die für den Bürger eine »Inflation« vortäuschen, während in Wirklichkeit Deflation das Problem darstellt.

Demgegenüber erweisen sich die heute überall propagierten »Inflationswarnungen« zunehmend als Falle für den Kleinsparer.
In einer Deflation muss der Sparer eine ganz andere Strategie fahren als in einer Inflation.
Mehr dazu in meinem Buch »Deflation – die verheimlichte Gefahr«

Dienstag, 16.09.2008

Kategorie: Gastbeiträge, Wirtschaft & Finanzen, Allgemeines

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