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Haider-Attentat: Wisnewski-Buch schlägt ein wie eine Bombe

Redaktion

Österreich ist in heller Aufregung – und Deutschland langsam auch. Das neue Buch von Gerhard Wisnewski über das mutmaßliche Attentat an Jörg Haider versetzt die Alpenrepublik seit Tagen in Aufregung. Und auch in Deutschland geht es los, wo bereits die Website der »Bild-Zeitung« berichtete. Doch nicht alles, was man über das Buch liest, stimmt. Dabei sind auch einige Verdrehungen und Verfälschungen – was allerdings auch darin liegt, dass viele Journalisten das Buch noch nicht lesen konnten. Hier eine kleine »Pressemappe«.

»Haider-Unfall war Attentat«, titelte am 3. Juni 2009 mit einer riesigen Schlagzeile das Boulevard-Blatt Österreich: »Enthüllungsbuch über Tod des Politikers«. Auf einer ganzen Doppelseite präsentiert Österreich Wisnewskis Werk in aller Ausführlichkeit mit zahlreichen Fotos von Wisnewski am versteckten Autowrack Jörg Haiders. Im Dezember 2008 war es Wisnewski als einzigem Journalisten gelungen, das Wrack aufzuspüren und ausführlich zu besichtigen und zu fotografieren.

Die Berichterstattung ist überwiegend unvoreingenommen und offen. »Buch über Haider-Tod: ›Die Zeugin war gar keine Zeugin‹«, schlagzeilte die Kleine Zeitung aus Kärnten am 4. Juni auf ihrer Website. Sie beschäftigt sich ebenfalls ausführlich mit Wisnewskis Recherchen und gönnt dem Thema zwei Webseiten. Außerdem veröffentlicht sie ein ausführliches Interview mit dem Autor. Weniger wohlwollend berichtet die Print-Ausgabe: »Acht Monate will er recherchiert haben«, stellt man Wisnewskis Leistung gleich mal von vorneherein in Frage. Und: Seine These von einem Attentat auf Jörg Haider könne Wisnewski »überhaupt nicht« beweisen. Dafür konnte aber auch die Kleine Zeitung das Buch zu diesem Zeitpunkt noch »überhaupt nicht« gelesen haben.

Macht nichts, denken sich (die erstaunlich wenigen) Betonjournalisten, zum Beispiel auch von der Kronen Zeitung in ihrer Ausgabe vom 4. Juni 2009: »Wer ist ›Herr K.‹, der einen weißen VW Polo fährt und den deutschen Verschwörungstheoretiker Gerhard Wisnewski zum Wrack des VW Phaeton von Jörg Haider vorgelassen hat?«, schäumte das Blatt und blies zur Jagd auf Wisnewskis Gewährsmann: »Für Klagenfurt-Kenner ein leichtes Rätsel. In der Kärntner Landesregierung sind weiße ›Polos‹ jedenfalls häufige Dienstwagen unterer Abteilungen«, spekulieren die Verschwörungstheoretiker der Kronen Zeitung. Dass das Rätsel durch die Häufigkeit des Polo eher schwieriger wird, ist ihnen nicht in den Sinn gekommen. Der Autor habe die Frechheit, die berühmte angebliche »Zeugin« des angeblichen Unfalls »als Beschuldigte zu denunzieren«. Nun, die »Frechheit« liegt ganz auf der Seite der österreichischen Medien, denn dort tauchte diese Tatsache durchaus auf, zum Beispiel in oe24.at am 13. Dezember 2008. Aber als Kronen-Redakteur kann man ja nicht auch noch Zeitung lesen.

Die zweite Geschichte von Österreich vom 4. Juni 2009, für die Wisnewski den Journalisten einige kleine Auszüge aus dem Buch Jörg Haider zur Verfügung gestellt hatte, ist schon nicht mehr so gelungen. Auch für die Geschichte am 4. Juni stand den Österreich-Journalisten eben nicht das ganze Buch zur Verfügung:

1. Der Autor ist eben nicht der Meinung, daß Haider wirklich ein Opfer homosexueller Praktiken geworden ist; diese Möglichkeit wird in dem Buch nur erwogen, um sie letztlich zu verwerfen.
2. Dasselbe gilt für die "zwei Phaetons": Nachdem Wisnewski die Fahrgestellnummer gesehen hatte, sieht er keine wirklichen Anhaltspunkte mehr für die zwei Phaetons.

Alles in allem gab es bisher außerdem mehr als ein halbes Dutzend Rundfunk-Interviews, die wieder und wieder in der Alpenrepublik gesendet wurden.

Ferner berichteten:

shortnews.de (»Deutscher Journalist behauptet in seinem Buch, Jörg Haider wurde ermordet«), http://www.shortnews.de/start.cfm?id=768262

– express.de (»Journalist behauptet ›Jörg Haider wurde Opfer eines Attentats‹«), www.express.de/nachrichten/news/deutschland-und-welt/joerg-haider-wurde-opfer-eines-attentats_artikel_1242632374687.html

– die Schweizer Boulevard-Zeitung blick (»Kult-Journalist: Haider wurde ermordet!«), http://www.blick.ch/news/ausland/enthuellungsbuch-haider-wurde-ermordet-120593

– die Schweizer Website 20min.ch (»Jörg Haider: ›Opfer eines politisch motivierten Attentats‹«), http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/-Opfer-eines-politisch-motivierten-Attentats--16850929

– die türkische hurhaber.com (»Haider öldürüldü iddiası!«), http://www.hurhaber.com/news_detail.php?id=201035

– und sogar die Website der Bild-Zeitung: »Neues Buch sorgt für Wirbel in Österreich Jörg Haider († 58): War es ein Unfall – oder ein Attentat?«, http://www.bild.de/BILD/news/2009/06/04/joerg-haider-unfall/neues-buch-war-es-mord-oder-ein-attentat.html

Der Bild-Bericht ist relativ neutral, kommt ohne Häme aus, erweckt aber an einer Stelle einen falschen Eindruck, der auf die Ungenauigkeiten im Österreich-Bericht vom 4. Juni zurückgeht: »Wisnewski beschreibt einschlägige ›Praktiken‹, die dort im ›dunklen Hinterzimmer‹ stattgefunden haben sollen. Bei der Vorstellung, wie Haider darin involviert gewesen sei, sei ihm ›der Mund offen stehen‹ geblieben.«

Was ganz so klingt, als würde Wisnewski tatsächlich glauben, Haider sei in dem »Szenetreff« Stadtkrämer gefährlichen »schwulen Praktiken« nachgegangen. Genau das bezweifelt das Buch aber.

Nun, diese Ungenauigkeiten mögen – wie gesagt – eben daran liegen, dass das Buch bis jetzt kaum jemand lesen konnte, weil es einige Tage benötigt, um in den Markt einzusickern. Wir werden sehen, wie sich die Medien später damit auseinandersetzen …

 

 

 

 

Bilder unten: Der Autor Gerhard Wisnewski und die Haider-Limousine.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Fotos: Muggenthaler)

 

Freitag, 05.06.2009

Kategorie: Enthüllungen, Politik

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