Hartz-IV-Artikel löst helle Empörung, aber auch Zustimmung aus
Der Artikel »Hartz IV zahlt mein Bier« hat offensichtlich den Nerv der Menschen getroffen und soll sogar mitverantwortlich dafür sein, dass Betroffene in den Selbstmord getrieben werden.
Mir war klar, dass mein Artikel für heftige Aufregungen sorgen würde, aber mit so vielen Zuschriften innerhalb so kurzer Zeit hätte ich nicht gerechnet; sogar von einem »Terrorakt« und einer »Asozialenoffensive« war die Rede.
Um es gleich vorab zu sagen: Ich habe den Artikel bewusst provokativ geschrieben und ihm bewusst eine polemische Überschrift gegeben, denn (leider) kann man heute in der abgestumpften Medienlandschaft nur noch so größere Aufmerksamkeit erregen. Wer für diese Entwicklung letztendlich verantwortlich ist, darüber ließe sich trefflich streiten.
Ich wollte eine Diskussion anregen, was mir auch gelungen zu sein scheint, denn der Zustrom an Zuschriften reißt nicht ab.
Verantwortlich für Selbstmord von Hartz IV-Empfängern?
Siegfried B.* unterstellt mir, dass dieser Artikel nur von »einem Angehörigen der Hochfinanz« stammen kann.
Noch drastischer drückt es Leonard A. aus, denn seiner Meinung nach bin ich mitverantwortlich für eine höhere Selbstmordrate von Hartz-IV-Empfängern: »Der Artikel trägt dazu bei, Hartz-IV-Empfänger zu stigmatisieren. Menschen, die ohnehin schwere Probleme haben, am Existenzminimum leben, von denen nicht wenige ernsthafte Depressionen haben dürften.« Als Journalist würde ich eine »besondere Verantwortung« tragen und weiter: »Ich würde nicht für den Selbstmord von irgendeinem Hartz-IV-Empfänger verantwortlich sein wollen (rein statistisch gesehen dürften sich in Deutschland etliche Hartz-IV-Empfänger wegen der nicht enden wollenden Diffamierung umbringen).«
Einige weitere »konstruktive« Statements (Auswahl):
• »Primitive Wortwahl eines Rechtsradikalen«
• »Totengräber unserer Gesellschaft«
• »Lügner«
• »Schäbig«
• »Dummkopf«
• »Schämen Sie sich!«
• »Auftragsarbeit der Neo-Liberalen«
• »Hetz-Artikel à la BLÖD«
• »Scheiße hoch 10!«
Endlich sagen, was Sache ist!
Aber es gibt auch die andere Seite: Sabine S. erzählt mir ganz aufgebracht, dass sie neben einer vierköpfigen Hartz-IV-Familie wohne: »Im Sommer ist es ganz schlimm. Wenn ich zur Arbeit gehe, da toben die in ihrem Aufstell-Pool rum, die sollen sich lieber um eine Arbeit kümmern! Ich mache zwei Jobs und arbeite zwölf Stunden am Tag, damit ich über die Runden komme!«
Ein Mittelständler sagt, er wollte auf 400-Euro-Basis einen Kurierfahrer einstellen, der Hartz-IV-Empfänger sei, aber dieser habe dankend abgelehnt, weil das Geld dann von seinen Sozialansprüchen abgezogen werden würde. »Ich bin doch nicht blöd«, habe dieser schmunzelnd zugegeben.
Ein Bäcker meldet sich: »Von wegen keine Arbeit, wir in der Bäckerbranche, aber auch Metzger suchen händeringend Menschen, die bereit sind, früh aufzustehen – Fehlanzeige!«
Weitere Statements (Auswahl):
• »Der Artikel sagt die Wahrheit!«
• »Ich sehe nicht ein, für Leute zu zahlen, die Schmarotzer sind!«
• »Ich als Selbstständiger trage das Risiko, während andere in der sozialen Hängematte liegen«
• »Endlich mal jemand, der sagt, was Sache ist!«
• »Weiter so mit der Aufklärung gegen die linken Nichtstuer!«
• »Den Mut zu haben, das auszusprechen, wovor andere Angst haben, ist Mut«
• »Was Wahrheit ist, bleibt Wahrheit!«
• »Einige arbeiten hart, die anderen wählen links!«
• »Weiter so, gegen den Mainstream!«
Denkanstöße
Eines der größten Gegenargumente vieler Hartz-IV-Empfänger, die mir geschrieben haben, war, dass die Banken 500 Milliarden Euro erhalten würden, während Bedürftige in Deutschland in Armut leben müssten.
Ich bin zwar kein Anhänger der Banken und habe schon einiges über deren kriminellen Machenschaften auf dieser Website veröffentlicht, aber diese Argumentation greift aus zwei Gründen zu kurz:
- Die Banken haben das Geld nicht überwiesen bekommen, es ist (bisher) »nur« eine Bürgschaft
- Wenn man so pauschal denkt, dann müsste man ja gegen diese 500 Milliarden Euro Bankbürgschaften auch die rund 700 Milliarden Euro Sozialbudget der Bundesrepublik dagegen rechnen, die jährlich ausgegeben werden, oder?
Ich habe darauf hingewiesen, dass es mit unserem Sozialstaat nur dann so weitergehen kann, wenn diejenigen, die die Bedürftigen bezahlen, nicht selbst so viele Abzüge haben, dass auch sie von Transferleistungen abhängig werden – das wäre nämlich das Ende unseres Sozialstaates.
Ich kenne viele fleißige Menschen, die ohne Schuld in Hartz IV gekommen sind, aber leider auch viele, die das System ohne Rücksicht ausnutzen. Darauf wollte ich – in bewusst provokativer Weise – hinweisen.
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* Ich habe alle Namen aus Gründen des Persönlichkeitsrechtes verfremdet.
Freitag, 24.07.2009
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