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Hitzige Schlacht in Bezug auf südeuropäische Gaspipelines

F. William Engdahl

Die hitzig geführte politische Debatte in Bezug auf die anomale Unabhängigkeitserklärung Kosowos von Serbien ist Teil einer geostrategischen Schlacht um Energieströme nach Westeuropa, die weitreichende Folgen haben wird. Dieser Aspekt wurde hinter all der amerikanischen und europäischen Rhetorik über die Unterstützung der Demokratie im Kosowo ganz vergessen. Eine neue Vereinbarung zwischen der Moskauer »Gazprom« und der ungarischen Regierung von Premierminister Ferenc Gyurcsan steht in engem Zusammenhang mit der größeren Schlacht zwischen der von den USA gelenkten NATO und Russland über den Einfluss in Südosteuropa.

Das russische Staatsunternehmen hat soeben einen politisch wichtigen Vertrag mit Ungarn, einem Mitglied der NATO und der EU, über die Lieferung von russischem Erdgas über das Schwarze Meer nach Europa abgeschlossen. Die sogenannte russische Südstrom-Gaspipeline geht von Russland über das Schwarze Meer nach Ungarn und weiter durch Serbien nach Österreich. Dazu gehört auch eine unterirdische Gaslagervorrichtung in Ungarn mit einem Fassungsvermögen von einer Milliarde Kubikmeter. Der Vertrag wurde während eines Besuches des Vorstandsvorsitzenden von Gazprom (und fast sicheren Nachfolgers von Wladimir Putin als Präsident) Dimitri Medwedjew, dem gegenwärtigen Ersten Stellvertretenden Ministerpräsidenten, abgeschlossen. 

 

Russlands wahrscheinlicher nächster Präsident, Dimitri Medwedjew, ist auch Vorsitzender von Gazprom.

 

 

Der 900 Kilometer lange Südstrom wird unter dem Schwarzen Meer nach Bulgarien verlaufen und sich dann in zwei Abschnitte teilen. Der nördliche Abschnitt wird sich bis nach Rumänien, Ungarn, der Tschechischen Republik und Österreich erstrecken, und der südliche durch Bulgarien nach Süditalien. Die neue Pipeline mit einer Kapazität von bis zu 30 Milliarden Kubikmetern pro Jahr wird voraussichtlich 2013 in Betrieb genommen.

Das von der russischen Gazprom und der italienischen Eni geplante Südstrom-Projekt ist ein Konkurrenzprojekt zur Nabucco-Pipeline, die von Washington und der EU unterstützt wird, und die Gas aus Zentralasien über die Türkei und unter Umgehung Russlands nach Europa liefern wird. Am Nabucco-Projekt, das 2011 fertiggestellt sein soll, wird die Türkei, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich beteiligt sein.

Die Südstrom-Pipeline wird etwa 10 bis 14 Milliarden Dollar kosten. Gazprom und die ungarische Regierung haben ein Joint Venture auf Paritätsbasis vereinbart, an dem Gazprom beteiligt ist, sowie ein 100-prozentig im staatlichen Besitz befindliches ungarisches Unternehmen, das den Bau des ungarischen Abschnitts der Pipeline übernehmen wird. Russland deckt gegenwärtig 70 Prozent des ungarischen Gasbedarfs. Ungarn ist ebenfalls Transitland für das russische Erdgas, das an Serbien, Montenegro und Bosnien geliefert wird.

 

Russland und Serbien unterzeichnen ebenfalls Gasabkommen

Die geopolitischen Folgen der Streitigkeiten über den Kosowo wurden ebenfalls deutlich durch das soeben zwischen Russland und Serbien abgeschlossene Abkommen zum Bau einer Gaspipeline für den Transit russischen Erdgases durch Serbien auf den Balkan und weiter in andere europäische Länder.

Die Pipeline wird von der russischen Schwarzmeerküste unter dem Meer nach Bulgarien verlaufen, wo sie sich in unterschiedliche Richtungen verzweigen und an verschiedene Bestimmungsorte in der Europäischen Union verlaufen wird. Sie wird jährlich 30 Milliarden Kubikmeter Gas liefern.

Die russische Gazprom Neft hat bei Verhandlungen am 25. Januar eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent am staatseigenen serbischen Ölunternehmen Naftna Industrija Srbije (NIS) erworben. Gazprom soll offiziellen Quellen zufolge 580 Milliarden Dollar für einen 51-prozentigen Anteil an der NIS geboten haben.

Um seine Präsenz in der Region noch zu verstärken, hat Gazprom soeben einen Vertrag über eine Gaspipeline unterzeichnet, um Bulgarien in das Netz von Südstrom einzubeziehen. Damit würde die geplante Südstrom-Pipeline auf ihrem Weg vom Schwarzen Meer nach Südeuropa durch Bulgarien verlaufen. Putin hat eindeutig klargestellt, dass Südstrom, die südliche Ergänzung zur russisch-deutschen Nordstrom-Pipeline, für Russland eine nationale Priorität darstellt. Eni soll den Abschnitt von Südstrom bauen, der unter dem Schwarzen Meer verläuft und über Land durch Bulgarien nach Südeuropa geht. Gazprom und Eni sind jeweils zu 50 Prozent an dem Joint Venture beteiligt.

 

Washington treibt Nabucco-Pipeline voran

Bei Südstrom handelt es sich, wie bereits weiter oben angemerkt, um ein Konkurrenzprojekt zu der von der EU und den USA unterstützten Nabucco-Pipeline, die Gas aus Zentralasien über die Türkei und unter Umgehung Russlands nach Europa fördern wird. Nabucco, die spätestens 2011 in Betrieb genommen werden soll, bezieht die Türkei, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich ein.

Nabucco würde die kaspische Region, den Mittleren Osten und Ägypten über die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn mit Österreich verbinden und weiter bis zu den mittel- und westeuropäischen Gasmärkten verlaufen. Die Länge der Pipeline beträgt etwa 3300 Kilometer. Sie beginnt an der georgisch-türkischen bzw. iranisch-türkischen Grenze und führt bis Baumgarten in Österreich.

 

Washington will, dass die Nabucco-Gaspipeline (grau dargestellt) Russland umgeht.

 

 

Die Tatsache, dass ihre wirtschaftliche Rentabilität zu einem großen Teil davon abhängt, dass man sich das iranische Erdgas sichern muss, ist eine sehr peinliche Angelegenheit für ein Washingtoner Regime, das dieses Land in den letzten Jahren zum Schurkenstaat erklärt und sogar Atomschläge gegen iranische Nuklearanlagen angedroht hat. Die Realität sieht nach Aussagen gut informierter Washingtoner Quellen so aus, dass es in den letzten Wochen nicht veröffentlichte, geheime Gespräche zwischen iranischen Diplomaten über eine breite Palette von Themen gegeben hat. Die Kriegsdrohungen seitens der Bush-Regierung seien nichts anderes gewesen als eine Show und eine Verhandlungstaktik, um Teheran Zugeständnisse abzuzwingen. Die Energieversorgung stehe bei Washington ganz eindeutig an erster Stelle.

Nabucco wurde konstruiert, um eine maximale Menge von 31 Milliarden Kubikmeter pro Jahr zu fördern, ähnlich wie bei Südstrom, zu geschätzten Kosten von etwa 5 Milliarden Dollar, einem Preis, der auf einer inzwischen überholten Schätzung von 2004 beruht. Die Gesamtkosten werden wahrscheinlich zwei- bis dreimal so hoch sein.

Anfang Februar stieg der deutsche Energiegigant RWE als sechster strategischer Partner ins Nabucco-Projekt ein, und schloss sich damit der österreichischen OMV Gas International, der MOL (Ungarn), Bulgargaz (Bulgarien), Transgaz (Rumänien) und BOTAS (Türkei) an. Jede dieser Firmen hält einen Anteil von 16,67 Prozent an der Nabucco Gas Pipeline International Ltd.

Washington hat Brüssel und einige europäische Regierungen massiv gedrängt, Nabucco als direkte Alternative zur russischen Gasversorgung zu unterstützen. Bei diesem Spiel geht es um den höchsten geostrategischen Einsatz – die Kontrolle der europäischen Energieversorgung. Und die Geschichte ist noch lange nicht vorbei. Sie zeigt eindeutig, dass Russland und Washington sich in einem neuen Kalten Krieg um die Energie befinden.

Dienstag, 04.03.2008

Kategorie: Allgemeines, Geostrategie

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