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Ist »American Express« das erste Kreditkartenunternehmen, das einer Pleite entgegen geht?

Michael Grandt

»American Express« ist in Schwierigkeiten, weil immer mehr Amerikaner ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können. Die Ausfälle nehmen rasant zu und die Aktie fällt ins Bodenlose. Die Lage für das Unternehmen ist so verzweifelt, dass es jetzt sogar 300 Dollar für jeden bietet, der sein Kartenkonto auflöst!

Mit meinem Artikel »Kreditkartenkrise: Die nächste Katastrophe bahnt sich an« (http://info.kopp-verlag.de/news/kreditkartenkrise-die-naechste-katastrophe-bahnt-sich-an.html) habe ich bereits Anfang Januar die nächste Finanzkatastrophe, eine massive Kreditkartenkrise, vorausgesagt. Die Situation stellt sich jetzt sogar noch dramatischer dar, als usprünglich vorausgesagt.

Die Ausfälle der Kreditkarten häufen sich, die Situation in der Branche wird zunehmend dramatischer: Insgesamt kommt auf die Kreditkartenunternehmen und Banken in den USA eine 75-Milliarden-Dollar-Kreditlawine zu!

 

Das Leben auf Pump ist vorbei

Die US-Bürger lebten seit jeher auf Pump. Schulden machen galt als »in«, um sich einen sehr guten Lebensstandard zu gönnen. Damit scheint es nun vorbei zu sein, denn auch die Kreditkartenunternehmen geraten immer mehr unter Druck: Im Februar kletterte die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten auf 8,1 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 25 Jahren! Aufgrund der gestiegenen Arbeitslosigkeit und der dadurch entstandenen Zahlungsunfähigkeit vieler Schuldner meldet Branchenprimus American Express (Amex) einen alarmierenden Anstieg der Kreditausfälle.  

 

Kreditausfälle von bis zu 75 Milliarden Dollar

Schon warnen Analysten vor steigenden Ausfallraten für die Kreditkartenanbieter. Derzeit sind das im Durchschnitt sechs Prozent, diese können aber, aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, auf bis zu zehn Prozent steigen. Das wäre real ein Verlust von 70 bis 75 Milliarden Dollar!

Ein Ende ist nicht abzusehen, denn die Situation verschlimmert sich zunehmend, der Abwärtstrend hält ungebrochen an. Die große Frage steht im Raum: Wie lange können das die Kreditkartenanbieter durchhalten?

 

Verzweifelte Lage bei American Express

American Express verzeichnete im Februar einen erneuten, deutlichen Anstieg der Kreditausfälle. Die Rate stieg von 8,3 auf jetzt 8,7 Prozent und die Amex-Aktie fiel zum ersten Mal seit 14 Jahren unter die Zehn-Dollar-Marke. 

Bereits Ende Oktober 2008 hatte American Express angekündigt, 7.000 Arbeitsplätze (rund zehn Prozent der Belegschaft) abzubauen. Auch eine staatliche Finanzspritze war nötig. Um aber an diese zu gelangen, hatte sich der Kreditkartenanbieter zuerst in eine Geschäftsbank umwandeln müssen. Das geschah im Eilverfahren, und die US-Notenbank Federal Reserve erteilte dem Konzern dann auch ebenfalls in Rekordzeit den Status. Aus der Amexbank wurde die Standard Chartered Bank. Jetzt kann der Konzern auch die Möglichkeiten zur Refinanzierung bei der Notenbank nutzen und die Geschäftsbasis etwa durch Girokonten und andere Kundeneinlagen verbreitern.

Aber all diese Maßnahmen haben nicht die Effekte gebracht, den man sich gewünscht hatte. Die Lage für Amex ist so verzweifelt, dass man jetzt Kunden, die ihr Konto schließen, sogar eine Geschenkkarte im Wert von 300 Dollar überreicht!

 

Auch andere Unternehmen sind betroffen

Bei der Bank Citigroup, die eine der größten Anbieter von Mastercards ist, stieg die Ausfallrate im Februar sogar auf 9,3 Prozent. Diese hatte einen Monat zuvor noch bei 6,9 Prozent gelegen. Bei J.P. Morgan Chase beträgt die Ausfallrate 6,35 Prozent und bei Capital One 8,1 Prozent.

Die Kreditkartenunternehmen wachen jetzt auf: Vorbei die sorglose Kreditvergabe, die die immer höhere Verschuldung der US-Konsumenten zur Folge hatte: Die Banken und Kreditkartenanbieter verschärfen jetzt die Vergabestandards und schließen Problemkonten.  Finanzanalysten gehen davon aus, dass dadurch die bestehenden Kreditkartenlinien mit einem Umfang von derzeit 5,4 Billionen (!) Dollar bis 2010 nahezu halbiert werden dürften.

Hoffentlich kommen diese Maßnahmen nicht zu spät.

 

Montag, 30.03.2009

Kategorie: Gastbeiträge, Wirtschaft & Finanzen

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