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Joe Bidens aufschlussreiche Warnung vor der Zukunft

F. William Engdahl

Inmitten der bizarrsten Kampagne der an bizarren Präsidentschaftskampagnen weiß Gott nicht armen letzten 200 Jahre hat der vom Demokratischen Kandidaten Barack Obama gekürte Vizepräsidentschaftskandidat, Senator Joe Biden aus dem US-Bundesstaat Delaware, sich bei einer Wahlveranstaltung in einer Weise geäußert, die darauf hindeutet, dass die Mächtigen einige drastische Schocks zumindest in Erwägung ziehen, sollte Obama am 4. November zum nächsten US-Präsidenten gewählt werden – und danach sieht es ja mittlerweile aus.

Berichten zufolge sagte Biden bei einer Spenden-Gala am 19. Oktober in Seattle im US-Bundesstaat Washington: »Merken Sie sich meine Worte. In nicht einmal sechs Monaten wird die Welt Barack Obama auf eine harte Probe stellen, genauso wie damals John F. Kennedy. Die Welt beobachtet uns.«

Biden wiederholte sich, als er sagte: »Wir stehen kurz davor, einen brillanten 47-jährigen Senator zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu wählen. Vergessen Sie nicht, dass ich das hier vor Ihnen gesagt habe, auch wenn Sie alles andere vergessen, was ich sage. Seien Sie auf der Hut, wir werden eine internationale Krise erleben, eine künstlich geschaffene Krise, in der getestet wird, was in diesem Kerl steckt.«

Er verplapperte sich fast, als er hinzufügte: »Ich kann Ihnen mindestens vier oder fünf Szenarios aufzählen, wie diese Krise ausgelöst werden könnte.« Er nannte  den Mittleren Osten und Russland als potentielle Auslöser.

Als hätte er fast schon zu viel gesagt, kleidete er diese bizarre Warnung in die üblichen Floskeln einer Wahlveranstaltung und erklärte rasch: »Dabei wird er Hilfe brauchen. Die Hilfe, die er braucht, kommt von Ihnen – er wird Sie brauchen. Nicht etwa Ihre finanzielle Unterstützung, sondern wir brauchen Sie persönlich; Ihren Einfluss in der Gemeinschaft. Sie alle müssen ihm zur Seite stehen. Denn es wird zunächst nicht deutlich sein, wirklich nicht klar sein, dass wir recht haben.«

Dies ist die wortwörtliche Niederschrift der Darstellung, die der ABC News-Reporter Mathew Jaffe am 20. Oktober gegeben hat, der anscheinend direkt über die Veranstaltung mit Biden berichtete.

Auf den ersten Blick erscheint der Bericht harmlos. Bei näherem Hinsehen klingt er jedoch sehr viel alarmierender.

 

Wem gehört Joe Biden?

Zunächst einmal etwas zum Hintergrund des altgedienten Senators aus Delaware, einem Staat, der in der amerikanischen Politik als Herrschaftsgebiet des riesigen Chemie- und mittlerweile auch GVO-Konzerns DuPont gilt. Biden gehört seit 1973, also seit 35 Jahren, dem US-Senat an. Er ist gegenwärtig Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses. Sein Einfluss trug maßgeblich dazu bei, dass die USA militärisch in den Bosnien-Krieg eingriffen; außerdem stimmte er für die Irak-Kriegs-Resolution.

Biden ist gegen einen Abzug der Truppen aus dem Irak und befürwortet die Aufteilung des Iraks in eine lockere Föderation dreier ethnischer Staaten mit getrennten Gebieten für die Kurden, Schiiten und Sunniten, vergleichbar etwa mit dem ehemaligen Jugoslawien. Biden spielte 1999, d.h. in der Regierungszeit Clintons, beim Krieg der USA und der NATO gegen das ehemalige Jugoslawien eine entscheidende Rolle. Die von ihm formulierte »Lift and Strike«-Resolution verband damals Waffenverkäufe in der Region mit den massiven Bombardierungen.

Biden zeichnet auch für Gesetze verantwortlich, mit denen fast zehn Milliarden Dollar umverteilt wurden und an die riesige »Gefängnisindustrie« in den USA flossen. Mit diesen Gesetzen wurden nicht nur die die Mittel für die berufliche Ausbildung der Insassen drastisch gekürzt, sondern auch die Anwendung der Todesstrafe ausgeweitet sowie Trainings- und Erziehungslager für Minderjährige, sogenannte »Boot Camps«, gegründet. Als langjähriges Mitglied des New Yorker Council on Foreign Relations (CFR) setzt sich Biden auch für die Entsendung von US-Truppen nach Darfur ein. Ähnlich wie Obama bezeichnet auch er Afghanistan – und nicht den Irak – als »Hauptfront« im Krieg gegen den Terrorismus.

 

»Gürtet Eure Lenden …«

Bei seiner Rede in Seattle warnte Biden in alttestamentarischem Tonfall: »Gürtet Eure Lenden. Wir werden mit Eurer Hilfe gewinnen, so Gott will, wir werden gewinnen – aber es wird nicht leicht. Dieser Präsident, der nächste Präsident, wird vor der wichtigsten Aufgabe stehen. Mann, das ist wie das Ausmisten des Augiasstalls. Ach was, es ist noch viel mehr, es ist wie ..., denken Sie darüber nach, denken Sie ... Es ist nicht nur eine Krise des Kapitals, es geht um mehr als nur Märkte. Wir haben ein systemisches Problem mit unserer Wirtschaft.«

Biden spendete sich dann ordentlich Selbstlob mit der Bemerkung: »Ich habe mehr über die Außenpolitik vergessen, als die meisten meiner Kollegen überhaupt davon wissen, also lege ich Ihnen gegenüber keine falsche Bescheidenheit an den Tag. Ich glaube, ich kann einen gewissen Mehrwert darstellen, aber dieser Kerl hat’s in sich.« Gemeint war Obama. »Dieser Kerl hat’s in sich. Aber er wird Ihre Hilfe brauchen. Denn ich verspreche Ihnen, Sie alle werden in einem Jahr dasitzen und sich fragen: ›O Gott, warum steht die Regierung in den Umfragen so weit unten? Warum steht sie so schlecht da? Warum ist das alles so schwer?‹ Wir werden in den ersten zwei [Regierungs-]Jahren einige unglaublich harte Entscheidungen fällen müssen. Also bitte ich Sie schon jetzt – ich bitte sie schon jetzt: halten Sie zu uns. Vergessen Sie nicht, dass Sie jetzt an uns glauben, denn Sie werden uns stärken müssen. Viele von Ihnen werden dann nämlich eher geneigt sein zu sagen: ›Hey Mann, halt mal die Luft an, hey, hey, also diese Entscheidung – ich weiß nicht.‹«

 

Der altgediente Senator und Insider des CFR in Washington, Joe Biden, hat vielleicht unabsichtlich über dramatische Ereignisse in den ersten Monaten einer Präsidentschaft Obama gesprochen.

 

Biden fuhr fort: »Denn wenn Sie die Entscheidungen für richtig halten, wenn sie gefällt werden – und davon gehe ich aus –, dann werden sie nicht so populär sein, wie sie klingen. Denn wenn sie populär sind, dann sind sie vielleicht nicht so richtig.«

Biden unterstrich bei seiner Wahlrede vor den Unterstützern Obamas, die Gebirgsregion an der afghanisch-pakistanischen Grenze bereite ganz besondere Sorgen, weil Osama bin Laden »lebt und aktiv ist – und weil Pakistan über ein großes Atomwaffenarsenal verfügt«. Ahnungsvoll, vielleicht als Hinweis auf den potentiellen Einsatz von Atomwaffen gegen die Taliban in Pakistan oder Afghanistan, fügte Biden noch hinzu: »Überall wimmelt es dort von Al-Qaida-Leuten. Wir haben nicht die militärischen Mittel, und haben sie, offen gestanden, auch in den letzten 20 Jahren nicht gehabt, um das Ergebnis zu bestimmen. Die ganze außenpolitische Lage ist auch viel wichtiger, und viel komplizierter. Und Barack versteht das.«

Den Berichten zufolge wurde Biden an diesem Punkt plötzlich bewusst, dass Pressevertreter in dem kleinen Versammlungsraum anwesend waren. Er fügte deshalb hinzu: »Ich hätte all dies vielleicht nicht sagen sollen, denn mir fällt ein, dass die Presse hier ist.« Er sprach dann über das Bush-Regime und kam sehr schnell zum Schluss seiner Ansprache: »Wir können den Zug wieder aufs richtige Gleis setzen. Es wird etwas dauern, also bitte ich Sie, zu uns zu halten. Halten Sie zu uns.«

Angeblich sollen Hillary Clinton und Barack Obama insgeheim am diesjährigen Bilderberger-Treffen in Chantilly im US-Bundesstaat Virginia – bezeichnenderweise in der Nähe von Washington – teilgenommen haben. Es wird angenommen, dass auch Biden bei früheren Sitzungen der Bilderberger dabei war. Wenn es in den ersten zwölf Monaten des Barack-Biden-Teams im Weißen Haus tatsächlich zu solch dramatischen »Prüfungen« kommen wird, dann muss man sich fragen, ob Biden, der für sein lockeres Mundwerk bekannt ist, hier unabsichtlich etwas von seinem Wissen über einen geplanten Krisen-Schocker preisgegeben hat, der den Vorwand für eine neue Phase des amerikanischen »Kriegs gegen den Terrorismus« liefern soll. Vielleicht sollte man diesen Artikel zu den Akten nehmen, um in Zukunft darauf verweisen können – Gott bewahre!

 

  

Obama war angeblich beim Bilderberger-Treffen im Juni im Marriot Hotel in Virginia.

 

Freitag, 24.10.2008

Kategorie: Geostrategie, Enthüllungen, Politik, Terrorismus

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