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John Hunters Superkanone

Andreas von Rétyi

Der amerikanische Physiker John Hunter greift auf seine ganz eigene Weise nach den Sternen: Er will eine riesige Abschuss-Plattform im Ozean errichten, um damit verschiedene Nutzlasten sehr kostengünstig in den Weltraum zu feuern. Hauptsache, das Material hält’s aus!

Wehe dem, der in der Schusslinie steht! John Hunters Höllenmaschine kennt kein Pardon, doch soll sie friedlichen Zwecken dienen: nämlich Frachtgut kostengünstig in den Weltraum zu befördern. Der an den Lawrence-Livermore-National-Laboratorien (LLNL) arbeitende Physiker frönt wahrlich einer ganz besonderen Leidenschaft – riesige Kanonen, wirklich außergewöhnliche Beschleunigerrampen ins All. Das erinnert ein wenig an den im März 1990 ermordeten Gerald Bull und seine Babylon Gun.

Hunters neuestes Projekt befasst sich mit dem Bau einer schwimmenden, 1,1 Kilometer langen Wasserstoff-Kanone, die er per Ballaststabilisierung im Ozean nahe dem Äquator installieren will, um damit auch die dort bekanntlich am stärksten wirkende Erddrehung voll auszunutzen.

Wasserstoffgas soll in einer Brennkammer auf 1.430 Grad Celsius erhitzt werden, wodurch der Gasdruck natürlich enorm steigt. Durch ein Ventil dringt der hoch komprimierte Wasserstoff dann zum Zeitpunkt »X« in das Beschleunigerrohr und expandiert rasend schnell. Nach Hunters Berechnungen und ersten Experimenten reicht der Druck aus, um fast eine halbe Tonne Masse auf eine Geschwindigkeit von sechs Kilometer pro Sekunde zu beschleunigen. Sobald das Projektil das Rohr verlassen hat, schließt sich hinter ihm eine superstabile Irisblende, um den Wasserstoff aufzufangen und für weitere Einsätze nutzen zu können. Eine Zusatzrakete soll die Nutzlast dann in eine Orbitalbahn steuern.

Schon 1992 hat Hunter zusammen mit zwei Kollegen eine 130 Meter lange Kanone getestet, im Februar möchte er nun einen kleinen Prototypen des neuen Modells in einem Wassertank ausprobieren. Die Riesenkanone will er in sieben Jahren fertigstellen, sofern die Finanzierung klappt. Immerhin kostet das Ganze eine halbe Milliarde Dollar! Doch zeigt sich Hunter optimistisch und erklärt, bei einigen potenziellen Investoren schon auf Interesse gestoßen zu sein. Denn der große Vorteil nach Fertigstellung des Systems sind die niedrigen Betriebskosten.

Während sich die Summen für die Beförderung von nur einem Kilogramm »Irgendwas« ins All auf bereits fünfstellige Dollarbeträge belaufen, würde die Hunter-Kanone den Schuss schon für 500 Dollar bewerkstelligen. Nicht schlecht! Hauptsache, die Nutzlast hält es auch aus. Denn laut Hunter soll die Superrampe bis zu 5.000-fache Erdbeschleunigung erzielen können. Jedenfalls lassen sich damit nur speziell verstärkte Lasten transportieren, beispielsweise auch entsprechend stabilisierte Satelliten. Für die bemannte Raumfahrt ist der »Quicklauncher« jedenfalls weniger zu gebrauchen, denn: »Eine damit abgeschossene Person würde etwa auf die Hälfte ihrer ursprünglichen Größe gestaucht«, so erklärt der Physiker nicht ohne Stolz und ergänzt noch: »Es wäre ziemlich schnell vorbei«. Nun, kaum etwas für die Astronautik. Doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Das Ding wäre wohl zumindest dazu gut geeignet, gewisse Politiker und unverbesserliche Machtmenschen in höhere Sphären zu verfrachten und damit ihre persönlichen Grenzen nachdrücklich aufzuzeigen. Selbst die Herren dieser Welt würden dann plötzlich ziemlich mickrig aussehen!

Nothing for ungut!

 

Mittwoch, 20.01.2010

Kategorie: Wissenschaft

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